Varel - Erinnerungen weckt das Buch „Die Vareler Fleisch- und Wurstwarengeschäfte sowie Schlachtereien und Hausschlachtungen“ von Udo Klün in Heinz-Peter Boyken. Der Vareler ist in einer Schlachterei an der Mühlenstraße aufgewachsen. Daran erinnert ein Foto in dem Buch, das seinen Opa Fritz Koch mit einer Kuh sowie Heinz-Peter Boyken, seinen Bruder Jan, seine Mutter Henriette und zwei Angestellte zeigt. „Das Bild ist Mitte der 50er Jahre entstanden“, sagt Heinz-Peter Boyken, „und zwar an einem Montag“. Das weiß er so genau, weil immer montags Schlachttag war.

Das Leben in der Schlachterei neben dem „Schwarzen Roß“ war genau getaktet. Sonntagvormittag wurden die Tiere geliefert, montags wurde geschlachtet, in guten Zeiten 20 Schweine und eine Kuh, dienstags Fleisch zerteilt, mittwochs Wurst gemacht und freitags Braten.

Heinz-Peter Boykens Einsatz war vor allem donnerstags und samstags gefragt: „Donnerstags musste ich mit dem Rad nach Dangast fahren und in 30 bis 40 Haushalten die Bestellungen abfragen“, erinnert er sich, „samstags musste ich dann mit drei Körben am Rad alles ausliefern – Koteletts, Braten, Würste und Hack“. Er erinnert sich an einen Heiligen Abend, als ein Anruf in der Schlachterei einging, als er gerade wieder zu Hause war. Er hatte vergessen, ein Viertelpfund Hack in Dangast auszuliefern. Also musste er noch mal los. Auch nach Jaderaußendeich und Moorwinkelsdamm führten ihn seine Botenfahrten, dorthin musste er Mockturtle ausliefern.

Die einzige Freizeit, die seine Eltern hatten, war Sonntagnachmittag. In vierter Generationen waren sie Schlachter. Sohn Heinz-Peter durchbrach die Familientradition und entschied sich, Lehrer zu werden – was die Gesellen in der Schlachterei damit quittierten, dass sie ihn fortan „feiner Pinkel“ nannten.

Traute Börjes-Meinardus
Traute Börjes-Meinardus Redaktion Varel