Chumpae/Thailand - Seit fünf Jahren leben wir jetzt ganz in Thailand, vor zwei Jahren sind wir zuletzt in unserer alten Heimat gewesen. Dreieinhalb Wochen lang, weil unsere Tochter Sehnsucht nach uns hatte. Wir wohnen in einem kleinen Dorf, etwa 25 Kilometer nördlich von Chumpae, der nächst größeren Stadt.

Meine Frau stammt aus dem Dorf, und ich habe mich mittlerweile gut eingelebt. Ein neuer Freundeskreis ist entstanden, darunter ein deutscher Stammtisch, der sich jeden Freitagabend von sechs bis neun Uhr abends in Chumpae trifft, wenn dort der wöchentliche „Nightmarket“, der abendliche Markt, stattfindet. Zurzeit sehen wir uns wegen der Coronakrise allerdings nicht.

Denn Corona hat auch hier alles verändert. Seit etwa fünf Wochen gilt eine Maskenpflicht. Zwar sind die Thailänder nicht besonders gesetzestreu, aber: Alle, aber wirklich alle tragen außerhalb ihres eigenen Grundstücks Masken. Geschäfte kann man nur mit Maske betreten, am Eingang wird Fieber gemessen. In Bussen, Bahnen und Flugzeugen (die jetzt national wieder fliegen dürfen), herrscht Maskenpflicht, und jeder zweite Platz bleibt frei.

In den großen Geschäften gab es in den vergangenen Wochen nur Lebensmittel- und Hygieneartikel zu kaufen, alles andere war untersagt. Bei Baumärkten zum Beispiel musste man draußen bleiben, ein Bediensteter hat die Sachen, die man brauchte, geholt.

Gehamstert wurde und wird aber nicht, weil ein Großteil der Versorgung für die Einheimischen immer noch regional erfolgt. Die Auswahl an Lebensmitteln für Europäer, die hier immer mehr werden, wird immer größer. Teilweise werden solche Produkte schon in Thailand produziert, anderes wird für viel Geld importiert.


Für ganz Thailand gilt ein Ausgehverbot von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens. Alle Bars, Restaurants und sonstigen Lokale mussten schließen. Hunderttausende von Mitarbeitern wurden entlassen, mussten in ihre Heimatorte zurück. Aber da gibt es natürlich auch keine Arbeit für sie. Man spricht jetzt von etwa zehn Millionen Arbeitslosen.

In den ersten Wochen der Krise gab es ein Verkaufsverbot für Alkohol, Konsum in der Öffentlichkeit war ebenfalls verboten. Das war mir egal, ich bin ja Antialkoholiker. Am Sonntag ist das Verbot aber auch wieder aufgehoben worden.

Die Schulen haben seit Wochen geschlossen und werden vermutlich erst Ende dieses Monats wieder öffnen. Wie in Deutschland sind alle Feste verboten. Das ist sehr schade, weil der Freitagabend eigentlich immer das Highlight der Woche war. An unserem Alltag hat sich nicht so viel verändert. Früh aufstehen, denn das Tageslicht ist nur von etwa sechs bis sechs Uhr da. Man lebt draußen, denn es ist immer warm, an 365 Tagen im Jahr läuft man zu Hause eigentlich nur mit Shorts bekleidet herum. Kaffee trinken, irgendwann frühstücken, Hunde füttern, ein bisschen Gartenarbeit auf unserem 1200 Quadratmeter großen Grundstück (unser neues Haus ist Anfang Juni 2015 fertig geworden), das Jeversche Wochenblatt und das Nordwesttrauerportal am Laptop lesen, ab und zu Einkauf in Chumpae und Besuch von deutschen Bekannten. Am Abend, wegen der Zeitverschiebung eher spät, mit Familie, Verwandten und Freunden chatten. Alles in allem also nichts Besonderes, das ist mein normales Leben als Pensionär. Die Lebenshaltungskosten sind günstig, Strom, Wasser und Hochleistungs-Internet (und das in der Prärie!) sind billig. Man kann es hier gut aushalten.

Eigentlich wollten wir in diesem Jahr wieder nach Deutschland fliegen, in wenigen Wochen, weil unsere Tochter, die in Oldenburg lebt, heiraten will. Aber das wird wegen der Ein- und Ausreisebestimmungen wohl aller Voraussicht nach nicht klappen. Das ist sehr schade!