Friesland - So viele neue Corona-Fälle an einem Tag gab es noch nie in Friesland: 113 Akut-Fälle hat das Gesundheitsamt Friesland am Freitag bis mittags neu gelistet; darunter ein neuer Fall auf Wangerooge. Die Inzidenz lag am Freitag bei 257,7, an diesem Samstag ist die Marke von 300 schon überschritten.
Rasante Entwicklung
„Die Entwicklung der Infektionen ist brisant“, sagt Frieslands Amtsärztin Dr. Silke Sell: Sie geht angesichts der Dynamik davon aus, dass kommende Woche auch die Inzidenz-Marke von 400 in Friesland erreicht sein wird. „Wir haben nun 95 Prozent Omikron-Variante, Delta ist kaum noch feststellbar“, sagt sie.
Zurzeit grassieren in Friesland bei Kindern massive Atemwegserkrankungen hat das Gesundheitsamt festgestellt. Betroffen seien Kita-Kinder und Grundschul-Kinder. „Wir müssen davon ausgehen, dass es sich nicht nur um Schnupfen handelt, sondern um Corona“, sagt Sell. Das spiegele sich in der Schließung von Kita-Gruppen wider.
Impfkampagne
Unterdessen hat die Impfkampagne in Friesland offensichtlich ihren Zenit überschritten: „Wir registrieren seit dieser Woche, dass die Resonanz abnimmt und es nirgends mehr Wartezeiten gibt“, sagt Christian Neumann, Organisator der Impfkampagne. So gibt es für die Impfungen für 12- bis 30-Jährige an diesem Samstag, 22. Januar, im Impfpunkt Langendamm und im Rathaus Sande noch jeweils gut 200 freie Termine. Geimpft wird von 10 bis 17 Uhr, die Termine werden übers Impfportal des Landes www.impfportal-niedersachsen.de vergeben.
„Bei den Erst- und Zweitimpfungen herrscht eindeutig Impfmüdigkeit“, sagt Neumann: Es gebe verschiedene Personenkreise, die nur schwer zu erreichen sind. „Bei ihnen sind wir immer hintendran.“
Beim Boostern dagegen ist Friesland sehr weit, die Johanniter-Impfteams und die Hausärzte haben in den vergangenen Wochen viele Auffrischimpfungen gegeben: 20993 Friesländer wurden von den Impfteams geboostert, die Ärzte haben im Schnitt weitere 4000 Friesländer pro Woche ein drittes Mal geimpft. Neumann geht von einer Boosterquote von 70 bis 75 Prozent aus. „Möglicherweise ist der Bedarf nun gedeckt“, sagt er. Denn hinzu komme ja auch noch die Anzahl der Booster-Impfungen durch Betriebsärzte – Zahlen gibt es dazu allerdings nicht.
Bei Jugendlichen unter 16 Jahren verlangt das Gesundheitsamt Friesland, dass sie in Begleitung ihrer Eltern geimpft werden, 16- und 17-Jährige müssen zur Impfung eine unterschriebene, formlose Einverständniserklärung der Eltern mitbringen. Diese Regelung hat der Landkreis wie viele andere Landkreise zu seiner Absicherung getroffen – das Bundesgesundheitsministerium schreibt eine Einwilligung der Eltern nur für unter 14-Jährige vor.
„Jugendliche können selbst einwilligen, wenn sie die erforderliche Einwilligungsfähigkeit besitzen. Die Einwilligungsfähigkeit ist in der Regel dann gegeben, wenn die oder der Minderjährige aufgrund ihrer oder seiner geistigen Reife in der Lage ist, die Bedeutung und Tragweite der Behandlungsmaßnahme, nach vorheriger Aufklärung, selbst einzuschätzen. Ob dies der Fall ist, ist von der impfenden Person in jedem Einzelfall gesondert zu beurteilen.“ So steht es in der Broschüre „Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche“.
Diese Sonderregelung in Friesland führe dazu, dass „Jugendliche umsonst verunsichert oder von der Impfung abgehalten“ werden, kritisiert eine Leserin aus Varel. Der Landkreis sieht das nicht so: Es sei beim kurzen Aufklärungsgespräch bei der Impfung sehr schwer für den Arzt, die geistige Reife des ihm unbekannten Jugendlichen einzuschätzen. „Lässt sich der Jugendliche bei seinem Hausarzt impfen, sieht das natürlich ganz anders aus, denn der Arzt kennt ja seine Patienten“, sagt Landrat Sven Ambrosy. Deshalb habe der Landkreis seinen Ermessensspielraum genutzt, um bei unter 18-Jährigen ganz sicher zu sein. „Es ist nicht zu viel verlangt, wenn Jugendliche unter 16 ihre Eltern zur Impfung mitbringen oder über 16-Jährige eine Einwilligungserklärung vorlegen“, sagt er.
Dass Friesland eine hohe Boosterquote hat, lasse sich auch am Zulauf in den Testzentren ablesen: „Die haben auch nicht mehr so viel zu tun. Das bedeutet, dass nicht mehr so ganz viele Bürgerinnen und Bürger der Testpflicht unterliegen, weil sie 2G-plus schon erfüllen“, so Neumann. Insgesamt betrachtet seien die Testzentren nun noch für die mit Johnson & Johnson Geimpften relevant. Denn die wurden nun für nicht durchgeimpft erklärt und müssen eine doppelte Impfung nachziehen. „Wir können leider nicht abschätzen, wie viele Friesländer das betrifft“, gibt Neumann zu.
