Jever - „Aus pandemischer Sicht ist es richtig, aber für uns dramatisch“, sagt Nicole Kubisz, Hausleiterin der Jugendherberge Jever, über die Verlängerung des Klassenfahrtverbots in Niedersachsen. Und auch Schüler und Schulleiter sehen das Verbot problematisch.
„Natürlich hat es sich angedeutet, schade ist es aber trotzdem“, sagt Jürgen Ploeger-Lobeck, Schulleiter des Mariengymnasiums Jever. Bis Ostern hat das Land Niedersachsen beschlossen, mehrtägige Schulausflüge weiter zu verbieten. „Die geplante Skifahrt haben wir dann natürlich abgesagt“, sagt Jürgen Ploeger-Lobeck. Die klassische Klassenfahrtszeit sei zwar sowieso erst gegen Ende des Schuljahres, in den Monaten Mai, Juni und Juli. „Aber trotzdem denke ich, dass es für die Schüler wichtig ist, so etwas zu erleben. Besonders in solchen Zeiten“, erklärt er.
Schüler enttäuscht
Darum sind Tagesfahrten weiterhin erlaubt und auch gewollt. „Ich erlaube da eigentlich alles. Natürlich sollten dabei aber auch sinnvolle Ziele verfolgt werden“, sagt der Schulleiter. Als Beispiele nennt er Theaterbesuche, einen Besuch des Klimahauses in Bremerhaven oder Geschichtsausflüge in Konzentrationslager. „Das halte ich für sehr wichtig, auch im psychosozialen Kontext“, sagt Jürgen Ploeger-Lobeck. „Wir können den Schülern jetzt ja nicht alles streichen.“
Das sehen auch Hauke und Hergen so. Beide gehen auf das Mariengymnasium in die 13. Klasse. „Das ist leider echt eine Vollkatastrophe, dass aktuell so wenig stattfinden kann“, sagt Hauke. „Nicht nur der Ausfall der Skifahrt, sondern dass generell alle Schulveranstaltungen pauschal abgesagt werden müssen.“ Ob der Abiball stattfinden kann, stehe ebenfalls in den Sternen, sagt Hergen. „Da ist es mit dem Sponsoring aktuell auch schwer. Bei manchen sitzt wegen Corona das Geld nicht so locker wie sonst.“
Kurzarbeit nötig
Für die Jugendherbergen ist die Verlängerung des Klassenfahrtverbots indes sehr ungünstig. „Für März gab es haufenweise Stornierungen“, verrät Petra Stanojevic, Hausleiterin der Jugendherberge Schillighörn. Die „verfrühten Absagen“ findet sie schade. „Man hätte es ja auch so machen können, das man noch bis zum Tag der Anreise mit der Stornierung wartet und dann entscheiden kann, je nachdem wie die Situation ist“, sagt sie. „Schließlich haben wir ja die Stornierungsbedingungen so geändert, dass das möglich ist.“
Ähnliches berichtet auch Nicole Kubisz. „Der März ist bei uns einer der buchungsstärksten Monate“, sagt sie. „Wegen der wegfallenden Belegungen müssen wir unsere Leute jetzt wieder in Kurzarbeit schicken.“ Dennoch scheinen beide für den weiteren Verlauf des Jahres positiv gestimmt zu sein. „Der Sommer ist auch im letzten Jahr gut gelaufen bei uns“, sagt Petra Stanojevic. Sie geht davon aus, bereits nach Ostern wieder Schulklassen in ihrer Jugendherberge begrüßen zu dürfen. Auch ihre Kollegin hofft, im April wieder starten zu können.
