Dangast - Der Müll muss raus: In der Sandkuhle in Dangast graben sich derzeit die Bagger durch die Erde. 4000 Kubikmeter mit Giftstoffen belastetes Erdreich werden dort herausgeholt, abtransportiert und wieder aufbereitet.

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Die Sandkuhle wurde 2014 „altlastenfrei“ an den Investor verkauft, der dort Ferienappartements bauen möchte – obwohl es zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung gab, dass die Sandkuhle mit Giftstoffen belastet sein könnte. Schließlich wurden dort über viele Jahre unter anderem Abfälle aus der Industrie vergraben. Erste Bohrungen 2013 hatten keine Belastung ergeben. 2015 wurden dort aber tatsächlich Giftstoffe im Boden nachgewiesen.

Das ist in Dangast geplant

Im vierten Abschnitt der Bebauung der Sandkuhle sollen 39 Häuser mit 51 Wohneinheiten entstehen. Geplant ist eine lockere Bebauung mit ein- bis zweigeschossigen Häusern – von 75 Quadratmeter groß bis opulent. 210 Betten sollen in dem neuen Ferienwohngebiet entstehen. Mit den Bauarbeiten wird voraussichtlich im Frühjahr begonnen.

Die Häuser sollen östlich und westlich einer Anliegerstraße entstehen, die das Gelände in Nord-Süd-Richtung durchquert und an die bereits vorhandenen Bauabschnitte anschließt. Für Radfahrer und Fußgänger ist die Straße frei. Freigelassen werden soll eine große Grünfläche in der Sandkuhle.

Die Stadtverwaltung hatte daraufhin ihren Fehler eingestanden. Die Kosten für die Bodensanierung – rund 500.000 Euro – trägt dennoch der Investor. „Ausschlaggebend war für uns das Zeitfenster. Als Unternehmer können wir schneller tätig werden als die Verwaltung“, erklärte Andrea Peters auf Nachfrage unserer Redaktion. Man habe mit der Stadt „sehr konstruktive Gespräche“ geführt.

Bevor entschieden wurde, den Boden der Sandkuhle auszutauschen, war im Gespräch, die Giftstoffe in der Erde zu belassen und mittels Monitoring zu überwachen, da die Oberfläche nicht belastet war. Dann hätten Teile des Geländes allerdings nicht bebaut werden können. Und: „Wir müssen unbelastete Grundstücke haben, sonst funktioniert es nicht im Verkauf“, macht Andrea Peters klar.

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Was genau in den 1960er- und 70er-Jahren in der Sandkuhle abgeladen wurde, ist heute nur noch schwer nachzuvollziehen. Neben Hausmüll berichteten Anwohner auch von alten Ölfässern, Kunststoffen und Abfällen der Firma Halbzellstoff. Bei den Boden- und Wasseruntersuchungen wurden polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Polychlorierte Biphenyle (PCB) nachgewiesen. Die Stoffe gelten als krebserregend.

Lesen Sie hier die mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnete Reportage : „Dangast – Das gespaltene Dorf“