Das Taxi – ein Prinzip, das in jeder Stadt der Welt gleich ist. In Filmen und Büchern, die in einer Großstadt spielen, kann man sicher sein, dass irgendwann eine Figur in ein Taxi steigt. Sei es der Protagonist oder eine Nebenfigur, das eigene Auto nehmen die wenigsten, wenn sie es denn besitzen.

Auf der Suche nach der großen Liebe arbeiten sich Helden nicht ewig durch den U-Bahn-Plan oder stehen frustriert vor Fahrkartenautomaten. Sie nehmen ein Taxi. Die Fahrtkosten spielen selten eine Rolle. Taxis sind allgegenwärtig im Großstadtgeschehen der Realität und folglich auch in ihrer Abbildung auf Buchseiten, der Leinwand oder in der Musik.

Taxifahrer und ihre Gäste in der Fiktion sind wie andere Figuren und damit mal positiv, mal negativ porträtiert. Sie können dabei dieselbe Tiefe und Vielschichtigkeit aufweisen, wie jeder andere Charakter.

Die romantisierte Vorstellung von Taxifahrten sind Teil einiger Songs geworden. Ein Lied, das jedem bei dem Wort Taxi einfällt: „Taxi nach Paris“, mit dem die Hamburger Band Felix De Luxe bekannt wurde. Hier werden die romantischen Klischees der gemeinsamen Taxifahrt und Paris, Stadt der Liebe, kombiniert. Ebenso romantisch und in derselben Stadt angesiedelt: Vanessa Paradis’ „Joe de Taxi“. Das Lied erzählt von einem Taxifahrer, der jede Ecke von Paris kennt.

Filme, die den vielseitigen Beruf eines Taxifahrers darstellen, sind etwa „Night on Earth“ von Jim Jarmusch oder der iranische Film „Taxi Teheran“. In Jarmuschs Episodenfilm lernt der Zuschauer gleich fünf Taxifahrer und ihre Gäste kennen, die in Charakter und Fahrtverlauf kaum unterschiedlicher sein könnten und durch verschiedene Gesellschaftsschichten und Herkünfte hindurch bekannte menschliche, wenn auch teils überzogene Probleme haben.


Ähnlich, aber als zusammenhängende Geschichte die fiktive Dokumentation des iranischen Regisseurs Jafar Panahi. Er ist selbst als Hauptfigur Taxifahrer und befördert die unterschiedlichsten Personen durch die Stadt. Karen Duves Roman „Taxi“, der von einer Fahrerin und ihrem Leben erzählt, basiert auf den eigenen Erfahrungen der Autorin. Kerstin Ahlrichs verfilmte die Geschichte. Ihr Taxi ist die Gelegenheit der Hauptfigur, Menschen kennenzulernen, gleichzeitig Grund zur Sorge, weil das Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten hat.

In diesen Beispielen gibt es keine Pro- oder Antagonisten, die Charaktere sind ein Querschnitt der Gesellschaft. Anders in Martin Scorseses berühmtem „Taxi Driver“ oder Michael Manns „Collateral“. Hier wird das Taxi mit Straftaten kombiniert: Robert De Niro als Travis Bickle in „Taxi Driver“ steigert sich über Schlaflosigkeit und die zwielichtigen Gestalten, die er nachts durch die Stadt fährt, in den Wahn hinein und geht schließlich auf eine Art persönlichen Kreuzzug. Sein Beruf ist zugleich Ursache seines Menschenbilds, weil er in den Nachtschichten Kontakt zu eher unschönen Charakteren hat, das Taxifahren aber zugleich seine einzige Möglichkeit ist, mit Leuten in Kontakt zu treten. In „Collateral ist Fahrgast Vincent ein Auftragskiller. Taxifahrer Max wird unfreiwillig zu seinem Handlanger, stoppt ihn schließlich, bevor er die eine Person töten kann, die Max persönlich kennt.

Ein Lied, das dieses Motiv aufgreift, ist Sidos „Taxi“, in dem er selbst gemeinsam mit Olli Banjo im Dialog rappt. Hier geht es ebenfalls um einen Fahrgast, der das Taxi als Flucht nach einem Raubüberfall nutzen möchte. An einer Stelle singt Olli Banjo „ab jetzt ist es wie mit De Niro, ich bin mitten im Film!“. Obwohl der Song eher an „Collateral“ erinnert, nur dass Fahrer und Gast im Lied übereinkommen und gemeinsame Sache machen.

Ein wiederkehrender Taxifahrer in Serien ist etwa Ranjit aus der US-amerikanischen Sitcom „How I met your Mother“, der mehrfach zufällig der Fahrer der fünf Protagonisten ist und im Laufe der Serie immer häufiger auftaucht.

Eine deutsche Serie, die mit einem regelmäßigen Taxifahrer aufwarten kann, ist der „Tatort“ aus Münster. Claus Dieter Clausnitzer spielt Herbert Thiel, den gelegentlich kiffenden Vater des Hauptkommissars Frank Thiel und ist regelmäßig in dessen Fälle verstrickt. Sein Taxi ist vor allem ein Thema, weil der Wagen eigentlich schrottreif und häufig nicht fahrtüchtig ist.

So sind Taxis nicht nur ein bloßes Transportmittel in der fiktiven Welt, sie können ein tragendes Element der Handlung sein, Ort des Geschehens, der Beruf der Taxifahrers Grund oder Auslöser von Taten.

Der Zufall, der über den nächsten Fahrgast entscheidet, macht den Beruf in der realen wie fiktionalen Welt spannend – und mitunter unberechenbar.

Julia Dittmann
Julia Dittmann Redaktion Wittmund