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Auf einer Baustelle in Hooksiel „Das Wetter ist oft unser Chef“ – Ein Tag mit einem Tiefbaufacharbeiter

Bernhard Hagen ist 62 Jahre alt und Schachtmeister einer Tiefbaukolonne.
Serie "Ein Tag mit..." + Video

Bernhard Hagen ist 62 Jahre alt und Schachtmeister einer Tiefbaukolonne.

Natalia Vershko

Jever/Hooksiel - Es ist laut. Große Maschinen brummen, Presslufthämmer dröhnen, ein Trennschneider kreischt. Doch über all dem Lärm hört man immer noch die Musik, die aus dem Baustellenradio dröhnt. Als ich um 10 Uhr eintreffe, haben die sechs Mitarbeiter des Straßenbauunternehmens Feldmann aus Jever, die den Vorplatz und die Zufahrt zum neuen, inzwischen fertiggestellten Feuerwehrgerätehaus in Hooksiel anlegen, schon drei Stunden Arbeit hinter sich.

Bernhard Hagen ist Schachtmeister, der Polier einer Tiefbaukolonne. Er ist 62, im Juni feiert er sein Arbeitsjubiläum. Seit 40 Jahren ist er Tiefbaufacharbeiter, seit mehr als 30 Jahren Vorarbeiter und Polier, vor 27 Jahren fing er bei Feldmann an. Die ständige Arbeit an der frischen Luft, bei Sonne, Wind und Wetter, sieht man ihm an. Hagen ist hochgewachsen und kräftig ist, Gesicht, Hals und Hände sind mit Sommersprossen und Pigmentflecken übersät.

Tiefbaukolonne als zweite Familie

Er stellt mir seine Mitarbeiter vor: Juri, Hauke, Thomas, Enrico, Joachim. „Das ist meine zweite Familie, die sehe ich jeden Tag mehr als meine Frau“, sagt Hagen und lacht. „Wir sechs arbeiten hier seit drei Wochen und haben noch die nächsten vier Wochen zu tun.“

Als ich Fotos machen will, sagt er zum Arbeitskollegen: „Na los, geh’ du als Model, komm aus dem Bagger und lächle. Dafür bekommst du 100 Euro, aber nicht von mir, sondern von dieser Journalistin.“ Alle lachen, die Stimmung ist gut auf der Baustelle. Es werden oft Witze gerissen.

Ohne die Anweisungen des Poliers geht nichts auf der Baustelle. Foto: Natalia Vershko

Ohne die Anweisungen des Poliers geht nichts auf der Baustelle. Foto: Natalia Vershko

Wir gehen über das Gelände. Die Männer arbeiten gerade an einem speziellen Teil der Zufahrtsstraße. Hier werden die Feuerwehrfahrzeuge nach einem Einsatz gewaschen. Das Besondere ist die Rohrleitung, durch die das Schmutzwasser abfließt, damit es anschließend gereinigt werden kann. Wichtig ist, dass hier nichts in die Regenwasserkanalisation gelangt.

Drei Fragen

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten? Ich bin zufrieden mit den Ergebnissen unserer Arbeit. Ich gehe durch die Stadt und denke: Diese Straße haben wir gebaut und diese auch. Unser Unternehmen hat einen guten Ruf, den wir uns über Jahrzehnte erarbeitet haben. Das ist der Verdienst von uns allen.

Was stört Sie an Ihrer Arbeit? Wenn jemand mit Halbwissen kommt und mir erzählen möchte wie es geht und uns am besten noch stört und von der Arbeit abhält.

Würden Sie sich wünschen, dass Ihre Kinder oder Enkelkinder ebenfalls Ihren Berufsweg einschlagen? Ich habe zwei Töchter, eine arbeitet in der Medizin, die andere in der Vorschulerziehung. Aber ich habe fünf Enkelkinder, drei davon sind Jungen. Einer interessiert sich für Kunsthandwerk, ein anderer will Ingenieur werden und der dritte spielt Bauarbeiter und will wie sein Großvater sein. Er ist vier Jahre alt und hat schon Bauarbeiterklamotten und eine Menge Bauspielzeug. Vielleicht wird er ja mal Bauingenieur.

„Es wird eine Kreisfahrbahn geben, Parkplätze und Fahrradständer. Rund um die Feuerwache werden Bäume und Sträucher gepflanzt“, erzählt Hagen, zeigt mal nach hier, mal nach dort. „Da kommt ein Übungsplatz hin, da werden die Fahrzeuge abgestellt, um sie zu beladen und zu entladen und die Ausrüstung zu überprüfen. Das ist alles gleichzeitig in Arbeit, aber zuerst müssen wir den Haupteingang vorne fertigstellen, damit die Feuerwehrleute schon zu ihren Einsätzen fahren können“, erzählt mir der Polier.

Bernhard Hagen fungiert als Vermittler zwischen seinem Team, den Bauherren, in diesem Fall der Gemeindeverwaltung, den Architekten und anderen beteiligten Firmen. Er trägt die Verantwortung für die Umsetzung des Auftrags, denn schon wenige Millimeter Fehlmessung in der Arbeitsvorbereitung können das Ergebnis beeinträchtigen und Nachbesserungen erforderlich machen.


Ein Arbeitsplan für jeden Tag

Ohne Hagens Anweisungen beginnt deshalb kein Arbeitstag auf der Baustelle. Der Polier ist um 6.30 Uhr der Erste. Er erstellt einen Arbeitsplan für den Tag, den er dann bei einer Tasse Kaffee im Bauwagen mit seinen Kollegen bespricht. Er entscheidet, welche Arbeiten heute erledigt und welche auf morgen verschoben werden.

Dabei berücksichtigt er die Wetterlage. „Das Wetter ist oft unser Chef“, sagt Hagen: „Es diktiert ständig seine eigenen Bedingungen, weil wir immer draußen arbeiten.“

Schlimmer als Eiseskälte sei nur Hitze, sagt Bernhard Hagen. Asphalt wird mit Temperaturen bis zu 180 Grad Celsius angeliefert und eingebaut, und wenn dann noch 30 Grad Lufttemperatur dazukommen, arbeiten die Tiefbauer wie in einem Backofen. „Wir braten dann wie ein Huhn auf dem Grill“, sagt der Schachtmeister und lacht.

Die Serie

„Ein Tag mit...“ In jeder Stadt, in jeder Straße, an jeder Ecke gibt es interessante Geschichten aus dem Arbeitsleben von Menschen, die Tag für Tag einen wichtigen Beitrag zu unserem gemeinsamen Leben leisten. Berufe, die gewöhnlich erscheinen oder gänzlich unsichtbar bleiben, bergen in Wirklichkeit einen Reichtum an Erfahrungen, Talenten, Geduld, Ausdauer und oft auch Mut. In der Serie „Ein Tag mit ...“ werden wir in die Welt der unterschiedlichsten Berufe eintauchen, die Menschen dahinter kennenlernen, einen Arbeitstag mit ihnen verbringen und über ihren Alltag berichten – zum Teil auch mit Videos auf Facebook, Instagram und auf NWZonline.

Serienteil 1: „Ein Tag mit einem Förster“

Serienteil 2: „Ein Tag mit einer tiermedizinischen Fachangestellten“

Serienteil 3: „Ein Tag mit einem Tiefbaufacharbeiter“

Dabei ist Hitze die ideale Voraussetzung für einen qualitativ hochwertigen Asphalteinbau. Deshalb sind Kopfbedeckung und Sonnencreme bei der Arbeit ein Muss. „Ich creme mich nur morgens vor der Arbeit ein, aber man sollte das alle zwei Stunden oder mindestens zweimal am Tag machen. Einen Bauarbeiter erkennt man an seiner Haut“, sagt Hagen.

Auch der Lohn der Tiefbaufacharbeiter hängt vom Wetter ab, denn sie werden nach Stunden bezahlt. Bei dauerhaft schlechtem Wetter – wenn es stark regnet, friert oder schneit – bleiben sie zu Hause oder gehen vorzeitig.

„Es gibt sogar einen Witz: Die besten Berufe der Welt sind Lehrer, weil sie im Sommer sechs Wochen Urlaub haben, und Bauarbeiter, weil sie im Winter sechs Wochen Urlaub haben. Aber durch den Klimawandel arbeiten wir immer mehr auch im Winter.“

Keine Langeweile bei der Arbeit

Trotz der harten Seiten seines Berufs schwärmt Hagen von seiner Arbeit. Man merkt ihm an, dass er sie liebt und dass er stolz ist auf das, was er und seine Leute schaffen. Stundenlang könnte er Straßen in ganz Friesland aufzählen, die sie repariert oder neu gebaut haben. Er erinnert sich an die lustigen Geschichten, die ihnen bei der Arbeit oft passieren, erzählt von dankbaren Kunden und von unzähligen Kontakten, die er durch seine Arbeit geknüpft hat: „Meine Frau fährt nicht so gerne mit mir nach Jever, weil mich dort zu viele Leute kennen.“

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Monoton werde seine Arbeit nie, sagt Bernhard Hagen, denn an einem Tag bauten sie einen Abwasserkanal, am nächsten einen Radweg und am übernächsten eine neue Straße oder auch mal eine schmucke private Auffahrt. Es wird gegraben, gebaggert, verlegt, angeschlossen, gepflastert, asphaltiert, die Arbeit ist vielseitig. Tiefbauer brauchen eine fundierte Ausbildung.

Langweilig wird es allenfalls, wenn sie im Wangerland außerhalb der Ortschaften arbeiten, denn, so der Schachtmeister, „mit den Kühen kann man nicht wirklich reden“. Und wieder lacht er.

Viel zu tun bis zum kommenden Herbst

„Wir lieben es, wenn Kinder auf die Baustelle kommen. Sie dürfen sich Sand holen, und wenn wir Zeit haben, nehmen wir sie auch mal mit auf unseren Bagger und zeigen ihnen, wie wir arbeiten.“ Sowohl bei den Kindern als auch bei den Bauarbeitern wecke das unglaubliche Begeisterung und Emotionen. „Vielleicht werden ja ein paar von ihnen dadurch motiviert und wollen später auch Straßen bauen, so wie wir“, sagt Hagen. Der Arbeitstag der Tiefbauer endet in der Regel um 16.45 Uhr, freitags schon um kurz nach 12 Uhr. Nur wenn dringend etwas erledigt werden muss, arbeiten die Männer auch mal bis spät in die Nacht und oder am Wochenende, aber das komme zum Glück nur alle paar Jahre mal vor.

Über zu wenig Arbeit kann sich Bernhard Hagen nicht beklagen, bis zum Spätherbst sei die Kolonne ausgebucht. Er hat nichts dagegen: „Hauptsache, man ist gesund und willens zu arbeiten.“

Ein Video zum Thema finden Sie auf: www.nwzonline.de/jw

Bei der Arbeit von Tiefbaufacharbeitern zählt jeder Millimeter, das weiß auch Bernhard Hagen. Foto: Natalia Vershko

Bei der Arbeit von Tiefbaufacharbeitern zählt jeder Millimeter, das weiß auch Bernhard Hagen. Foto: Natalia Vershko

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