Carolinensiel - Die Deichkirche von Carolinensiel wird gegenwärtig umfassend saniert. Dazu sind das gesamte Kirchenschiff und der Glockenturm eingerüstet. Die Deichkirche von 1776 ist nur eine von zwei Kirchen weltweit, die auf einem Deich stehen. Sie steht unter Denkmalschutz. Die andere Kirche auf einem verlassenen Deich ist die Pfarrkirche St. Theresia des Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland auf Nordstrand in Schleswig Holstein.
Wein muss weichen
Das vertraute Bild der mit Wein bewachsenen Südwand in Carolinensiel wird es so schnell nicht wieder geben: Der Wein musste weichen, damit das Mauerwerk trocken und saniert die nächsten Jahrhunderte überstehen kann. Dachkonstruktion, Dacheindeckung, Dachrinnen und Fallrohre sowie der Wandputz sollen erneuert werden. Das Dach wird wärmegedämmt, erhält eine neue Blitzschutzanlage und die komplette Elektrik wird instandgesetzt. Alle schadhaften Feuchtstellen im Mauerwerk sind vorher untersucht worden. Wie die Kirchengemeinde mitteilt, ist die Finanzierung genehmigt. Die Projektsteuersteuerung hat das neue Baufachzentrum für die Kirchenkreise Aurich, Norden und Harlingerland übernommen.
Die ev.-luth. Kirche wurde auf dem erst 1730 errichteten Deich gebaut. Das markiert auch das Jahr der Ortsgründung Carolinensiels. Zunächst waren die Kirchengemeinden Funnix und Werdum für die Bewohner zuständig. Erst 1770 erhielten die „Cliener“ die Genehmigung, eine eigene Kirche zu errichten. Der Innenraum ist schlicht gestaltet und wird von einem blauen hölzernen Tonnengewölbe abgeschlossen. 1793 wurde der Glockenturm getrennt von der Kirche gebaut. Er trägt auf seiner Spitze einen Schwan, das Symbol der Lutheraner.
Kapitäne stiften
Unterstützt wurde Bau auch durch die örtlichen Kapitäne, die Holz und Ziegel anlieferte. Sie stifteten zur Einweihung am 20. Oktober 1776 ein Votivschiff, die Brigg „Venus“, das bis heute in der Kirche steht. Votivschiffe sind der besondere Schmuck der Deichkirche. Neben der „Venus“ stehen die Fregatte „Alje Mehrings“ (1921) und die Bark „Marie Emilie“ (1985). Schiffsmodelle in Kirchen sind meistens Dankesgaben für Rettung aus Seenot. Die größte Dichte an historischen Votivschiffen weist Dänemark mit etwa 1400 Exemplaren auf. Sie werden auf dänisch „Kirkeskib“ (Kirchenschiff), genannt.[
Im Januar dieses Jahres wurde Pastorin Karola Wehmeier in die Gemeinde eingeführt. Sie ist auch für die Gemeinden Funnix-Berdum und Asel zuständig.
