Schoost - Die alte Poststelle, eine Tankstelle, der Dorftreff – das alles gibt es im kleinen Dorf Schoost, das zu Schortens zählt, nicht mehr. Viele neu Hinzugezogene leben für sich, die Alteingesessenen leben aber noch immer gern in Schoost. Schließlich sei es der perfekte Ort, um Kinder groß zu ziehen, sagt Mutter Cordula Staack. Ihr 15-jähriger Sohn Tom und zwei weitere Schooster erzählen, wie es ist, in diesem Dorf zu leben. Schoost zeichnet sich durch viel Grün und seine Seen aus. Kinder und Jugendliche haben hier ausreichend Platz, die Natur für sich zu entdecken. Der Weg in die nächste Stadt hingegen ist nicht weit.
Wie es ist, im Schortenser Dorf Schoost aufzuwachsen und zu leben, erzählen neben Tom Staack die 72-jährige Friedel Heller und der 41-jährige Stefan Frerichs.
Tom Staack (15)
„Ich denke, dass wir hier noch relativ viel Glück haben mit der Lage und allgemein mit der Situation: Wir können hier eigentlich alles machen, was wir wollen. Und auch mal laut werden. Das stört dann andere auch nicht. Ich treffe meine Freunde täglich und wir haben dann auch immer eine Idee, was wir machen. Was für uns zählt, sind die Feiern im Dorf zum Maibaum oder zum Osterfeuer, auch wenn mittlerweile mehrere Osterfeuer hier und da in Schoost stattfinden und nicht eines für alle an einem Ort. Ab und zu fahren wir nach Schortens rein und besuchen uns gegenseitig. Jever ist für Jugendliche auch ein wichtiger Treffpunkt. Aber in Schoost ist es besser als woanders, davon bin ich überzeugt. Was fehlt, ist der Zusammenhalt und ein Dorftreff, wo alles stattfinden kann. Das ist schon sehr schade. Früher hatte man aber mehr Zeit, das Leben ging langsamer voran, das merke ich schon. Irgendwann will ich etwas anderes als das Dorf kennenlernen für ein paar Jahre – eine Zeit lang muss man natürlich weg, um was karrieretechnisch zu erreichen. Aber ich würde immer wieder gern hierherkommen. Hier hat man es gut und seine Ruhe.“
Stefan Frerichs (41)
„Ich komme ja auch noch aus einer Generation, wo das Handy nicht selbstverständlich war. Wir sind in die Schule gegangen und waren nachmittags im Dorf unterwegs. Wir hatten immer etwas zu tun. Schließlich wohnen wir hier direkt am Wald. Wir waren früher vielmehr draußen unterwegs, erst auf unseren BMX-Rädern, dann hatten wir Mofas, das war Pflicht. Mit 15 brauchte man ein Mofa, Schoost liegt dann doch zu weit außerhalb. Es ist schon relativ schön gelegen, weil man auch schnell in Schortens ist. Aber wenn man Kumpels hatte – und ich habe sie noch immer aus Sillenstede, Accum oder Heidmühle oder auch Jever – dann hatte man aufs Fahrradfahren irgendwann keine Lust mehr. Ich bin mit 24 Jahren nach Hamburg und zwei Jahre nach Frankreich. Eigentlich war klar, dass ich irgendwohin wollte, wo mehr los ist. Ende 2007 bin ich wiedergekommen und ein bisschen später habe ich mit meiner Frau das Elternhaus gekauft. Ich habe viele Freunde, Familienangehörige und Bekannte, die in größeren Städten wohnen – da würde ich wahnsinnig werden. In Schoost ist einfach mehr Platz, den auch Menschen aus anderen Gegenden nutzen.“
Friedel Heller (72)
„Ich wurde vor 72 Jahren hier in Schoost geboren, war zwischendurch nur ein Jahr in einem Lehrbetrieb und bin dann wiedergekommen. Dann habe ich 1970 meinen Mann geheiratet. Wir haben drei Söhne und den Hof meiner Eltern übernommen. 2013 mussten wir den Hof aus Altersgründen aufgeben. Als ich noch ein Kind war, waren in Schoost 17 Bauernhöfe. Es wurden abends sehr viele Feste gefeiert, es gab Kegelklubs, die berühmte Abendschule – dort trafen sich fast alle Männer des Dorfes. In der Dorfkneipe ging es oft hoch her: Sei es politisch oder über die Arbeiten im Dorf. Man half sich früher in der Nachbarschaft mehr als heute. Heute lebt fast jeder für sich. Es haben sich nicht nur die Höfe reduziert, wir haben den Dorftreff auch nicht mehr, wo wir alle zusammenkommen können. Geburtstage, Hochzeiten, Kaffeetafeln nach der Beerdigung – alles fand im Dorfkrug statt. Das war der Mittelpunkt. Heute sind die alten Schooster in der Minderheit. Man hat zu den Jüngeren nicht mehr den Kontakt, wie man ihn früher hatte. Neben den vielen Bauernhöfen gab es auch viele Kinder und mehrere Generationen lebten unter einem Dach.“
