Varel/Zetel - Die 14 besten Nachwuchs-Zahntechniker Deutschlands trafen jetzt in Berlin aufeinander. Unter ihnen: die Zetelerin Reka Böckmann. Als beste Zahntechniker-Gesellin des Landes Niedersachsen auserkoren, hatte sich Reka für den Bundeswettbewerb der Handwerksberufe qualifiziert und durfte dort die Handwerkskammern Niedersachsens vertreten.
Unter die Top 3 hat sie es zwar nicht geschafft, doch: „Es war eine spannende Erfahrung und ich bin froh, dabei gewesen zu sein“, sagt die 24-Jährige.
Modellguss-Expertin
Nach dreijähriger Ausbildung hatte Reka im Juni in der Vareler Dentaltechnik in der Torhegenhausstraße ihre Gesellenprüfung abgelegt. Ihr Spezialgebiet sind Teilprothesen in der Modellgussabteilung. Das sind Metallgestelle, auf denen Kunststoffzähne fixiert werden können. Die Prothesen eignen sich vor allem für Patienten mit wenigen Restzähnen, die zum Beispiel nur noch Vorderzähne besitzen. „Mir gefällt der Prozess, wie aus einem Metallklumpen aus der Gussmaschine etwas Glänzendes wird“, sagt sie. „Und dass ich damit etwas Schönes für den Patienten herstellen kann“.
Dies scheint ihr auch in der Gesellenprüfung gut gelungen zu sein, denn beim Vergleich der Prüfungsmodelle innerhalb der Handwerkskammer Oldenburg wurde ihre Arbeit zur Besten gekürt. Auch auf Landesebene konnte Reka die Jury so sehr überzeugen, dass sie sich nun als beste Zahntechniker-Gesellin Niedersachsens bezeichnen darf. Auf einer Siegesfeier in Celle mit allen anderen Handwerkssiegern Niedersachsens wurde sie geehrt. „Es war schön, bestätigt zu bekommen: Ich kann es!“ Doch noch mehr als sie selbst hatten sich ihre Eltern gefreut, erinnert sich die Zetelerin.
Hilfe von Kolleginnen
Mit dem Sieg auf Landesebene qualifizierte sich Reka für den Bundeswettbewerb in Berlin, der ihr jedoch um ein Haar entgangen wäre. „Die Handwerkskammer hatte zuerst eine falsche E-Mail-Adresse von mir“, schildert sie. „Ich habe erst einen Tag vor Anmeldeschluss und zwei Wochen vor Veranstaltung von dem Bundesfinale erfahren.“ Für die Vorbereitung blieb also wenig Zeit, doch die erfahrenen Kollegen im Betrieb seien eine große Hilfe gewesen. „Die haben mir eine Menge Insider-Tipps gegeben“, sagt die 24-Jährige.
Acht Stunden hatten Reka und ihre 13 Kontrahenten dann Zeit, das Kiefermodell eines Patienten eins zu eins nachzubilden. Auf einer Zirkonbrücke mussten sie Keramik aufschichten, bestimmte Zähne aus Wachs und digital nachbilden. Genauigkeit war hier gefragt: So mussten auch die Schmelzrisse und die dunkeln Verfärbungen der Zähne nachgestellt werden.
Statt einer angespannten Wettkampfatmosphäre erlebte Reka einen kollegialen Umgang und viel Teamgeist. „Wir haben uns nett miteinander unterhalten und Tipps gegeben.“
Reka fand es schade, dass am Ende des Tages nur die Top 3 bekannt gegeben wurde und die Rückmeldung für ihre Arbeit zu kurz kam, doch die besondere Erfahrung konnte ihr keiner nehmen. Wer an so einem Wettbewerb mitmachen will, so sagt sie, muss dafür „brennen“. Räumliches Denken – gerade in der Arbeit mit 3D-Modellen – seien genau so gefragt wie Neugier und handwerkliches Geschick.
Mehr als nur Technikerin
Dass sie über Letzteres verfügt, spiegelt sich nicht nur in ihrer Tätigkeit als Zahntechnikerin wider, sondern auch in ihren Hobbys. Reka ist Cosplayerin, das heißt, sie entwirft Kostüme von Figuren aus Videospielen und konnte damit bereits Preise gewinnen. Außerdem gestaltet und fertigt sie Schmuck, Schlüsselanhänger und Dekoartikel aus Kunstharz.
Um ihren Hobbys mehr Raum geben zu können, hat der Betrieb ihr inzwischen ermöglicht, nur noch drei Tage in der Woche zu arbeiten. Nichtsdestotrotz weiß sie ihren Job zu schätzen. „Die Ausbildung war sehr intensiv. Nun genieße ich einfach das normale Arbeiten.“
