Wangerooge/Wilhelmshaven - Der altbewährte Marineschlepper „Wangerooge“ wurde am 15. Juli dieses Jahres sang- und klanglos außer Dienst gestellt. Das geschah während eines Werftaufenthaltes in Rostock. Dort stellten Experten fest, dass eine Reparatur des 1968 gebauten Schiffes unwirtschaftlich sei. Der Deutschen Marine bleibt von den ehemals sechs Einheiten der Wangerooge-Klasse nur noch die „Spiekeroog“, die zur Zeit in Peenemünde in der Werft liegt.
Die „Wangerooge“ wurde am 8. April 1968 für das 2.Versorgungsgeschwader in Dienst gestellt und in Wilhelmshaven stationiert. Bereits am 31. Oktober 1969 wurde sie im Marinearsenal wieder außer Dienst gestellt und eingemottet. Ein Jahr später, am 1. Juli 1970 wurde die „Wangerooge“ erneut dem 2. Versorgungsgeschwader zugeteilt.
Am 15. Juli diesen Jahres wurde sie vor Ablauf der geplanten Dienstzeit bis 2025 kurzfristig auf der Tamsen-Werft in Rostock, wo sie sich seit November 2021 zur Instandsetzung befand, außer Dienst gestellt, da die Außenhaut nicht mehr die nötige Materialstärke aufwies. Taufpatin war die Ehefrau des damaligen Wangerooger Bürgermeisters Hermann Janßen, Ursula Janßen (1925-2014). Sie gab dem ersten Schlepper der Klasse 722 (Wangerooge-Klasse) am 4. Juli 1966 auf der Schichau-Werft in Bremerhaven den Namen ihrer Heimatinsel. „Ulla bekam zu diesem Anlass ein neues Kostüm“; erinnert sich ihr Bruder, der Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens.
Anfang November hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 25 Millionen Euro für den Ersatz der Marineschlepper bewilligt. Daraufhin hat das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) die Ausschreibung für den Kauf von zwei gebrauchten, marktverfügbaren Hochseeschleppern veröffentlicht. Die Beschaffungsbehörde sucht zwei Spezialschiffe, die Havaristen im Seegebiet A3 bis in sichere Häfen schleppen können. Als Preis für die gebrauchten Schlepper schwebt der Behörde rund neun Millionen Euro pro Stück vor. Angebote erwartet die Bundeswehr bis zum 19. Januar 2023. Die Erneuerung der Seeschlepper ist überfällig, denn mit einer Dienstzeit von über einem halben Jahrhundert gehören sie der Klasse „Ü 50“ an. Neubauten lassen sich wegen der Beschaffungspraxis der Bundeswehr nicht umgehend bewerkstelligen. Deshalb will man nun auf Gebrauchtschiffe zurückgreifen.
Ob eine der neuen Einheiten wiederum dem Namen Wangerooges tragen wird, ist noch nicht entschieden. Falls die Inselgemeinde daran echtes Interesse hat, sollte sie politische Wege beschreiten, um ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen. Mit MdB Siemtje Möller (SPD), als Wahlkreisabgeordnete auch für Wangerooge und Parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, hat sie beste Verbindungen bis in die Spitze der Deutschen Marine.
