Hooksiel - Erst war er ihr Beschützer auf dem Nachhauseweg, damit fing alles an. Inzwischen ist Wolfgang Schmuderer 60 Jahre mit seiner Ingrid, geborene Habben, verheiratet. Es waren unsichere Zeiten um 1960 in Heisingen, einem Vorort von Essen, wohin es die norddeutsche Bäckerei- und Konditoreifachverkäuferin nach mehreren Stationen verschlagen hatte. Dort ging sie auch in den Turnverein. Dessen männliche Mitglieder wurden gebeten, die Damen nach dem Sport im Dunkeln sicher nach Hause zu begleiten. Das tat der junge Heizungsinstallateur Wolfgang Schmuderer sehr gern und es wurde recht bald viel mehr daraus.

Als das junge Paar zusammenziehen wollte, gab es keine Wohnung ohne Trauschein. Den aber verweigerte der Pfarrer, da die Braut, die gebürtig aus Diedrichsfeld bei Aurich kommt, das „falsche Gesangbuch“ hatte. Dass das Paar am 17. Oktober vor 60 Jahren trotzdem heiratete, nützte bei der Wohnungssuche jedoch nichts, denn – es war ja „nur“ eine standesamtliche Eheschließung.

Eine Tante von Ingrid Schmuderer vermittelte schließlich eine Wohnung in Voslapp und 1964 holte das Paar die kirchliche Trauung in Plaggenburg bei Aurich nach. Es wurden zwei Söhne geboren (einer starb früh) und nach einigen Jahren in Wilhelmshaven folgte der Umzug nach Hooksiel. Nach verschiedenen Anstellungen und vier Jahren Selbstständigkeit arbeitete der Familienvater schließlich 14 Jahre bei der Gemeinde Wangerland.

Die Jubilare hatten eine erfüllte Freizeit. Ingrid Schmuderer betätigte sich politisch und war auch Ratsfrau. Viele Jahre fungierte sie als Vorsitzende des Gemischten Chores. Und das Turnen, das das Paar einst zusammenführte, betreibt sie noch heute im MTV Hooksiel.

Ihr Mann spielte erst Handball beim TSV Germania Wilhelmshaven, dann Fußball beim FC Nordsee Hooksiel. Seine Stimme erklang lange beim Shantychor Hooksiel und bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) war er als Monteur unverzichtbar. „Ganz nebenher“ baute das Paar Häuser und im dritten davon, in der Baken-straat, lebt es noch heute. Bei all den Aktivitäten aber ließen sie sich ihre vielen, teils weiten Reisen mit dem Wohnmobil nicht nehmen.

Ein Blick zurück: Vor 60 Jahren gaben sich die Schmuderers das Ja-Wort. Foto: Privat

Ein Blick zurück: Vor 60 Jahren gaben sich die Schmuderers das Ja-Wort. Foto: Privat