Jever - Noch keine 60 Jahre alt war Dr. Lothar Knippert, als sein Posten als Oberkreisdirektor des Landkreises Friesland im Jahr 2003 wegen der Einführung des eingleisigen Systems in der Kreisspitze, also der Umstellung auf einen hauptamtlichen Landrat ohne Oberkreisdirektor, wegfiel und er in Pension geschickt wurde.

Wenn er jedoch an diesem Samstag, 16. Dezember, an seinem 80. Geburtstag auf die 20 Jahre, die seither vergangen sind, zurückblickt, stellt er fest, dass er vermutlich mindestens so aktiv und so viel unterwegs war und noch immer ist wie mancher, der voll berufstätig ist. Seinerzeit wurde der gebürtige Ostfriese nämlich zum stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirksverbandes Weser-Ems der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gewählt.

Der Sachverstand des promovierten Juristen und Verwaltungsfachmanns war gefragt bei der Awo, die sich in einer Schieflage befand. Doch der neue Vorstand schaffte damals durch eine umfassende Umstrukturierung eine gute Entwicklung des Wohlfahrtsverbandes mit seinen 4200 hauptamtlichen Mitarbeitern im gesamten Bezirk.

Lothar Knipperts Verdienste um den Landkreis Friesland und die Awo waren so bedeutsam, dass insbesondere sein Engagement im sozialen Bereich 2019 mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt wurde.

Dabei muss der Jubilar schmunzeln, wenn er sich an seine anfängliche Scheu gegenüber jeglicher kommunaler Politik erinnert. Die hatte er in jungen Jahren entwickelt, als sein Vater August unter anderem Gemeindedirektor von Wiesmoor, Landrat in Aurich und Landtagsabgeordneter war – und fast nie zu Hause war. Dennoch prägte die kommunale Politik dann das gesamte Berufsleben des Sohnes, in dem er selbst schon mit 34 Jahren Wirtschaftsdezernent beim Regierungspräsidium Hildesheim wurde, um dann stellvertretender Oberkreisdirektor in Jever zu werden.


Wo sein Posten jedoch 1978 der Gebietsreform zum Opfer fiel, bis der Staatsgerichtshof Bückeburg die Zerschlagung des Landkreises Friesland 1980 rückgängig machte. Nach einer achtjährigen Zwischenstation als Stadtdirektor in Nordenham folgte Knippert 1991 auf seinen vormaligen Chef, Oberkreisdirektor Dr. Eckhard Bode, als der als Regierungspräsident nach Oldenburg wechselte.

Doch Knippert war auch stets Familienmensch. Mit Ehefrau Marianne, die er 1970 heiratete, hat er zwei Kinder und ist längst zweifacher Großvater. Mit seiner Frau teilte er zudem viele kulturelle Interessen, so sang er zum Beispiel mit ihr im Gospel-Projekt Jever. 2016 starb seine Frau. Erst nach der Corona-Zeit stieg er wieder im Gospel-Projekt ein – als einer von vier Bässen und er genoss das große Konzert Anfang November in der Stadtkirche.

In seiner Partei, der SPD, hält er sich wie in all den Jahren zuvor mit Aktivitäten zurück, um so mehr achtet er auf eine gesunde Lebensführung. Zu der gehört auch das Walken rund ums Forsthaus Upjever, und man sieht ihm an, dass er fit ist und sich wohlfühlt.