Jeverland - Das DRK Jeverland hat sich bei seiner Jahreshauptversammlung im Schortenser Bürgerhaus nochmals intensiv mit dem Impfskandal im Impfzentrum Roffhausen und den danach laut gewordenen Vorwürfen des Abrechnungsbetrugs befasst. Die Hauptversammlung mit rund 50 Mitgliedern fand erneut nur intern und ohne Öffentlichkeit statt.
„Schwierige Zeit“
Laut Mitteilung der DRK-Geschäftsführung stehen die Mitglieder des Kreisverbands „hinter ihrem Vorstand und tragen dessen Kurs während der schwierigen Corona-Pandemie vollständig mit“. Demnach wurde der Vorstand einstimmig für das Geschäftsjahr 2021/22 entlastet. Vorsitzende Heide Bastrop sprach davon, dass „wir alle eine schwierige Zeit hinter uns haben“. Sie sei gerade deshalb stolz auf das Engagement aller Helferinnen und Helfer und dankte allen für ihre Bereitschaft, „sich stets und ständig für Leib und Leben anderer Menschen einzusetzen“, heißt es in der Mitteilung. Der DRK-Kreisverband sei auf einem guten Weg, so Bastrop.
Kreisgeschäftsführer Carl-Martin Köhler war auf die Vorgänge im Impfzentrum in Roffhausen eingegangen; das hatte das DRK im Auftrag des Landkreises von Januar bis Ende August 2021 betrieben, dann kam die fristlose Kündigung und die Johanniter hatten den Betrieb des Impftzentrums fortgeführt.
Die Corona-Pandemie hat das DRK Jeverland vor besondere Herausforderungen gestellt, berichtete Geschäftsführer Carl-Martin Köhler: 97 Ehrenamtliche und freie Helfer waren in diversen Bereichen tätig. Nun wurden alle Ehrenamtliche besonders geehrt, die jeweils mehr als 100 Stunden im Einsatz waren.
Weiterhin geehrt wurden:
Für langjährige Mitgliedschaft wurden geehrt: 40 Jahre Patricia Coughlan-Kolschen (Bereitschaft Jever)35 Jahre Holger Kutz (Schortens)30 Jahre Jan-Gerd Lübben (Schortens) 15 Jahre Geesche Dirks (Jever) und Torben Bartels (Schortens)10 Jahre Andrea Becker (Schortens) 5 Jahre Lars Degebrodt, Alexandra Kozlowski, Simon Paul Langenstein (alle Jever).
Mit stehendem Applaus wurde Helmut Lübben als Bereitschaftsleiter der Bereitschaft Schortens verabschiedet.
Der Vorwurf des Abrechnungsbetrugs ist durch die Staatsanwaltschaft juristisch noch nicht abschließend aufgearbeitet. Es geht dabei um die Höhe der Personalkosten, die das DRK mit dem Landkreis abgerechnet hat und die Löhne, die letztlich an die Impfzentrums-Mitarbeiter ausgezahlt wurden. Es geht auch um die Verträge zwischen Landkreis und DRK und um personelle Überschneidungen – ein Zuständiger in der Kreisverwaltung war zugleich Mitglied des DRK-Vorstands. Bis zu 60 Kräfte hatte das DRK zu Spitzenzeiten in Roffhausen beschäftigt.
Interne Prüfungen
Bei der Jahreshauptversammlung wiederholte der Geschäftsführer laut Mitteilung des DRK „gegenüber den Mitgliedern die Position des geschäftsführenden Vorstandes, dass es nach gründlicher Prüfung keinerlei Hinweise auf Fehlverhalten des DRK gegeben hat“. Der Landkreis Friesland hatte Verträge und Unterlagen zum Betrieb des Impfzentrums intern ebenfalls überprüft hatte dann mitgeteilt, dass alles korrekt gelaufen sei.
Der mögliche Abrechnungsbetrug war der Soko „Vakzin“ bei den Ermittlungen zum Impfskandal aufgefallen. Ende April 2021 war bekannt geworden, dass eine Mitarbeiterin im Impfzentrum in mehreren Fällen gepanschten Impfstoff oder sogar reine Kochsalzlösung in Spritzen aufgezogen und zum Verimpfen weitergegeben hatte. Der Prozess gegen die Krankenschwester beginnt Anfang November vor dem Landgericht Oldenburg, es geht um Körperverletzung in 15 Fällen.
Zahlen und Ausblick
Neben den Hilfsdiensten im Zusammenhang mit Corona – 8300 Stunden – nahm das DRK Jeverland auch an Einsätzen nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal teil. Das Jugendrotkreuz konnte aufgrund der Pandemiebeschränkungen nur eingeschränkt tätig sein.
Kassenwart Hans Stümer gab in seinem Jahresbericht an, dass das Geschäftsjahr wie geplant mit einem leichten Gewinn abgeschlossen wurde; für 2022 rechne er mit einer Unterdeckung aufgrund gestiegener Kosten.
Das DRK Jeverland wird jetzt in der Flüchtlingsbetreuung aktiv: Geschäftsführer Köhler gab bekannt, dass es die Flüchtlingsunterkunft der Gemeinde Sande in der Klaus-Bünting-Halle betreuen wird. Start wird wohl im November sein.
