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Interview mit Uwe Coordes E-Rezept: Schortenser Apotheker spricht über die Folgen der Umstellung

Horst Seidenfaden

Viele Mitmenschen haben von diesem Thema bisher nichts oder kaum etwas gehört – obwohl es ab 1. Januar 2022 zum Alltag werden soll: Das Elektronische Rezept. Wir sprachen über das Rezept und die Auswirkungen auf Patienten, Apotheken und Ärzte mit dem Schortenser Apotheker Uwe Coordes.

Bringt das E-Rezept aus Ihrer Sicht mehr Vorteile oder Nachteile für Ihre Kunden?

Uwe CoordesDas wird sich zeigen. Ich glaube schon, dass Patienten mit einer Dauermedikation sehr davon profitieren werden, weil sich viele Laufwege oder Anrufe erübrigen.

Gibt es denn finanzielle Auswirkungen?

CoordesNein. Rezeptgebühren bleiben, auch die Rabattverträge der Krankenkassen werden nicht berührt.

Ist so eine Umstellung nicht auch ein Risiko, kann ja sein, dass nicht alles klappt?

CoordesDa ist sicherlich ein ganz schöner Zeitdruck hinter, aber es gibt ja derzeit auch schon einen Probelauf in Berlin. Es gibt aber auch Gerüchte, dass der Einführungszeitpunkt verschoben wird. Aber wir hier planen jetzt für den 1. Januar.

Wie groß ist der Aufwand für Apotheken, sich auf das neue System umzustellen?

CoordesWir müssen gezwungenermaßen investieren. In Hard- und Software, die Mitarbeiter müssen geschult werden…

…und Sie werden mehr Medikamente ausliefern müssen, oder?

CoordesAuch das, ganz bestimmt.

Kann man das in eine grobe Summe zusammenfassen?

CoordesDa steckt ein fünfstelliger Aufwand dahinter.

Sind nicht möglicherweise vor allem ältere Patienten möglicherweise überfordert?

CoordesNaja, die Generation 50+ ist ja schon handyaffin. Einerseits. Andererseits haben wir im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gesehen, wie schwer sich viele tun. Ich erinnere nur an die CovPass-App oder die Luca-App, um zwei Beispiele zu nennen. Da waren und sind viele Ältere überfordert. Aber es gibt ja weiter die Möglichkeit, zum Arzt zu gehen und sich das Rezept ausdrucken zu lassen. Also ist das für diese Bevölkerungsgruppe keine Benachteiligung

Bei allen Unwägbarkeiten: Ist das E-Rezept ein Schritt in die richtige Richtung?

CoordesTechnische Entwicklungen sind nicht aufzuhalten. Technologisch ist das E-Rezept ein Schritt nach vorn, ganz bestimmt. Betriebswirtschaftliche Auswirkungen sind noch nicht absehbar,  weil sich die lokalen Kaufverhalten verändern werden. Hier sind wir vor Ort gefragt,  um auch weiterhin unsere vielen Stammkunden gut zu beraten und auch den neuen Service je nach Wunsch anzubieten. Aber vieles ist noch unklar. Durch die Telemedizin und vielen grenzübergreifenden Anbieter im Gesundheitssystem wird der Kunde im Gegensatz zum Hausarztbesuch immer anonymer. Wie sich dies auf die Ausstellung der E-Rezepte auswirken könnte, ist noch nicht absehbar. Und wie ist es insgesamt um die Sicherheit der Daten bestellt? Auch das wird erst die Praxis zeigen.

Elektronisches Rezept – Start am 1. Januar 2022

Das Elektronische Rezept soll nach dem Willen des Gesetzgebers zum 1. Januar 2022 eingeführt werden und das herkömmliche rote Rezept in Papierform ersetzen. Für die Umsetzung zeichnet federführend die Firma Gematik GmbH in Berlin verantwortlich.

Auswirkungen für die Patienten: Bei einem Arztbesuch kann man sich das E-Rezept in Papierform ausdrucken lassen oder an eine für die Bearbeitung erforderliche App der Gematik schicken lassen. Mit dieser App verwalten die Patienten die E-Rezepte und können wie gehabt direkt in der Apotheke den Code auslesen lassen oder mit der Apotheke der Wahl kommunizieren und zum Beispiel Medikamente reservieren oder den Botendienst in Anspruch nehmen. Mit Verknüpfung der Gesundheitskarte enthält die App weitere Informationen wie Dosierungen usw. Das elektronische Rezept ersetzt den Arztbesuch – aber auch den Gang zur Apotheke.

Wer also kein Vertrauen in die Technik hat oder wem selbige zu kompliziert ist: Man kann sich das Rezept auch beim Arzt ausdrucken lassen und dann natürlich auch in die Apotheke gehen und das Rezept vorlegen.

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