Jan Alter (51) wurde gerade vom Kreistag Friesland für fünf weitere Jahre zum Behindertenbeauftragten im Landkreis ernannt. Im Interview erklärt er, was seine Aufgaben sind.

Seit 2017 sind Sie ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter des Landkreises Friesland – was gefällt Ihnen so an dieser Aufgabe?

Jan AlterDas Amt macht mir unglaubliche Freude. Letztlich geht es oft darum, Menschen in Notsituationen zu helfen. Meist kann ich sogar mit wenig Aufwand eine Lösung für sie finden oder Wege für sie aufzeigen und die passenden Ansprechpartner vermitteln. Ich bekomme viel positive Rückmeldung, weil ich den Menschen oft einfach zuhöre. Und ich spüre meist große Dankbarkeit, wenn ich helfen konnte.

Können Sie ein paar Beispiele nennen für Anliegen?

Jan AlterIn den letzten beiden Jahren hat sich bezahlbarer barrierefreier Wohnraum als Schwerpunktthema herauskristallisiert. Menschen mit Behinderung haben Riesen-Probleme, passende Wohnungen zu finden. Die Beförderung von E-Scootern in Bus und Bahn sind ein Dauerthema – meist dürfen sie nicht mitfahren. Ein weiteres Thema war bisher der nicht barrierefreie Bahnhof Varel: Menschen mit Geh-Behinderungen mussten aus Richtung Oldenburg kommend bis nach Sande fahren und dort in den Zug zurück umsteigen, um dann in Varel ankommend auf der richtigen Seite aussteigen zu können. Das war viele Jahr ein Dauerthema. Unglaublich aber auch, was den Menschen da zugemutet wurde.

Der Behindertenbeauftragte

Im Landkreis Friesland gibt es seit 2007 einen Behindertenbeauftragten, seit 2008 einen Behindertenbeirat. Das ehrenamtliche Gremium diskutiert und bewertet die Anliegen behinderter Menschen. Es besteht aus Vertretern verschiedener Organisationen, die sich für Menschen mit Behinderungen engagieren. Dem Beirat, der mehrmals jährlich zusammenkommt steht der Behindertenbeauftragte vor.

Der Behindertenbeirat verwaltet den Inklusionsfonds des Landkreises. Der Fonds geht zurück auf die Auszeichnung des Landkreises Friesland als landesweite Modellkommune für Inklusion 2014. Seinerzeit mit 138000 Euro ausgestattet, können Behinderten-Organisationen Zuschuss-Anträge stellen. Diese Anträge berät der Behindertenbeirat und gibt eine Beschluss-Empfehlung an den Ausschuss für Familie, Senioren und Soziales des Kreistags. Die Mittel sind bis zum heutigen Tag noch nicht ausgeschöpft – weitere Anträge können gestellt werden.

Der Behindertenbeauftragte Jan Alter ist zu erreichen unter Tel. 0151/54744521 oder per E-Mail an Jan.Alter@Inklusion-Friesland.de.

Und wie ist Ihr Vorgehen in solchen Fällen?

Jan AlterMeine Arbeit besteht in diesen Fällen zum Beispiel darin, mich mit den entsprechenden Behörden oder Unternehmen in Verbindung zu setzen und zu versuchen, für die Probleme eine gewisse „Sensibilisierung“ auf der Gegenseite zu schaffen. In vielen Fällen kann ich dank der guten Zusammenarbeit mit der Eingliederungshilfe des Landkreises und durch eine Vermittlung an die entsprechenden Ämter oder Einrichtungen kurzfristig helfen. Leider gibt es auch einige Fälle, in denen das Anspruchsdenken der Menschen zu hoch ist und ich mit meiner ehrenamtlichen Arbeit als „Schlichter“ zwischen zwei Parteien an meine Grenzen stoße.

Hat sich in den Corona-Zeiten ihre Arbeit verändert?

Jan AlterJa natürlich: Vor Corona hatten meine Kollegin und ich regelmäßig Sprechstunden in Varel, Jever und Hohenkirchen. Seit dem Beginn der Pandemie erfolgt die Kontaktaufnahme in den allermeisten Fällen über Telefon und E-Mail. Gefühlt ist die Zahl der Anfragen zurückgegangen. Gerade die Pandemie stellte Menschen mit Behinderungen vor große Herausforderungen. Diejenigen, die über kein engmaschiges soziales Netz verfügen, waren besonders betroffen. Die Herausforderung für die Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen bestand vor allem darin, die Alltagsstruktur an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Gibt es etwas, von dem Sie sagen, das ist mein größter Erfolg?

Jan AlterNein. Der Erfolg bleibt häufig im Verborgenen. Vielen Menschen ist schon damit geholfen, dass Sie jemanden gefunden haben, dem sie von ihrem Problem berichten können und der ihnen zuhört. Das ist insbesondere bei älteren Menschen der Fall. Hier gibt es gelegentlich bei meiner Arbeit Schnittmengen mit dem Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises.