Schortens - Eis ist im Vergleich zu anderen Materialien, die in der Bildhauerei verwendet werden, bekanntlich ein vergänglicher Werkstoff. Doch die Eisbildhauerei hat auch einen Vorteil: Weil das gefrorene Wasser leicht zu bearbeiten ist, wird auch schnell ein Ergebnis sichtbar.
Davon profitierten am Sonntag die vielen Gäste des Schortenser Feuer- und Eisskulpturen-Festivals: Die sechs Künstler zauberten aus den jeweils 110 mal 52 mal 25 Zentimeter großen Blöcken Figuren, die einen hohen Wiedererkennungswert vor allem für die kleinen Festivalbesucher hatten.
Figuren raten bei einer Eiskunst-Rallye
Denn anders als in den Vorjahren hatte der Veranstalter den Künstlern diesmal nicht freie Hand gelassen. Vorgabe war: Die Bildhauer sollten bekannte Disney-Figuren schaffen, die dann Grundlage für eine Eiskunst-Rallye waren. Während einige berühmte Disney-Stars auf Anhieb erkennbar waren, mussten die Rallye-Teilnehmer bei anderen Figuren etwas nachdenken. Weil die Lösungszettel noch bis Freitag, 10. Februar, bei der Tourist-Info am Bahnhof (Alte Ladestraße 1) abgegeben werden können, soll hier nicht so viel verraten werden.
Die sechs Künstler, die das Stadtmarketing engagiert hatte, waren allesamt Meister ihres Fachs. Ganz ohne feines Werkzeug kam Ragna Reusch aus. Die Künstlerin aus dem Kreis Rotenburg (Wümme) schätzt es, wenn ihre Gedanken „durch die Kettensäge ins Eis fließen“. Diesen Gedankenfluss empfindet sie zwar auch bei der Bearbeitung von Holz – aber Eis sei leichter zu bearbeiten, weil nicht auf eine Maserung geachtet werden muss.
Schon wesentlich größere Eisblöcke hat Joao Malheiro bearbeitet. Der Portugiese, der in Schortens ein Mischwesen aus Frauen- und Fischkörper schuf, hat zum Beispiel in Finnland riesige Quader, die aus Seen oder Flüssen herausgeschnitten waren, unter der Kettensäge.
Berühmtes Raubtier und lustiger Schneemann
Kälter und eisreicher als in Norddeutschland ist die Heimat von Simone Levy. Die Schweizerin schuf auf der Menkestraße das Abbild eines berühmten Disney-Raubtieres. Gleiches gilt für Eisbildhauer Christian Fischer, bei dessen Skulptur sich die Kinder auf Anhieb einig waren: Das ist ein Löwe! Lea Diehl aus dem Harz hingegen schnitzte aus dem Eisblock einen lustigen Schneemann, der ebenfalls in einem Disney-Film eine tragende Rolle spielt.
Fantasievolle Skulpturen stellten auch die jungen Nachwuchskünstler her, die im Eisbildhauer-Workshop mit Beil und Schnitzwerkzeug zugange waren. Nebenan ging es glühend heiß zu: In einer Schmiede durften Kinder mit einem Hammer kleine Werkstücke herstellen. Begleitet wurde das Fest von einem verkaufsoffenen Sonntag.
Interview mit Eisbildhauerin Karina Cooper
Eisbildhauerin Karina Cooper gehörte zum Sextett, das am Sonntag in Schortens Eisskulpturen schuf. Im Interview spricht die Dortmunderin über die Vergänglichkeit und Eigenschaften des Werkstoffs.
Frau Cooper, ist das Wegschmelzen der Skulptur, die Sie hier mit viel Kreativität schaffen, ein Problem oder eher eine Herausforderung?
Karina CooperFür mich ist die Tatsache, dass Eis schmilzt und wieder zu Wasser wird, eher was Schönes. Auf diese Weise halten auch viele Leute inne und denken über die Vergänglichkeit nach.
Einmal abgesehen von der Kurzlebigkeit – worin liegt der besondere Reiz?
CooperAnsonsten ist Holz mein Hauptwerkstoff. Da spielt natürlich auch die Maserung bei der Bearbeitung eine große Rolle. Hier handelt es sich um einen Eisblock, der abgesehen von geringen Lufteinschlüssen klar ist. Das gibt schöne Reflexe, die ich gerne mag.
Und was passiert, wenn beim Bearbeiten eines Eisblocks von der fast fertigen Skulptur mal eine Nase abbricht?
Cooper(lacht) Das ist mir noch nicht passiert. Aber da gibt es Reparaturtechniken, die jedoch nur bei kalten Temperaturen möglich sind. Aber auch bei Holz kann es passieren, dass ein Stück beim Bearbeiten abbricht. Mit der Zeit merkt man aber schnell: Noch ein Schlag mehr, und das Stück bricht auseinander.
