Sande - Taugt der Ems-Jade-Kanal als Wasser-Quelle für eine großtechnische Elektrolyse-Anlage? Diese Frage tauchte jüngst in Sande im Zusammenhang mit den Plänen der Schloss-Gödens-Gruppe für einen Elektrolysepark auf. Antwort: im Prinzip ja. Denn der Kanal ist nicht nur ein Revier für Freizeitskipper, sondern auch Entwässerungskanal.

Wie der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auf Anfrage mitteilte, nimmt der Kanal „als Vorfluter eine wichtige Funktion in der Oberflächenentwässerung der inneren Teile/Gebiete von Ostfriesland wahr“. „Bei Starkregenereignissen, wie zuletzt am vergangenen Wochenende, werden beispielsweise Großteile der Niederschläge als „Wassermassen“ aus dem Raum Wiesmoor in den Kanal entwässert und fließen über den Kanal in Richtung Wilhelmshaven und anschließend in die Nordsee“, teilte Fabian Buß vom NLWKN mit: „Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Kanal mit zunehmender Versiegelung der Landschaft auch zunehmend an Bedeutung für den Hochwasserschutz gewonnen hat.“ Zu der Frage, wie viel Wasser der Kanal transportiert und welche Mengen womöglich für eine Elektrolyse „abgezweigt“ werden könnten, kann der NLWKN zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keine konkreten Antworten liefern.

Wie viel Wasser ist überhaupt für die Herstellung von Wasserstoff nötig? Im Internet, beispielsweise beim Zentrum Wasserstoff.Bayern, findet sich die Antwort: Für ein Kilogramm Wasserstoff sind mindestens neun Kilo Wasser erforderlich. Der in Gödens geplante Elektrolysepark soll pro Jahr bis zu 400.000 Tonnen Wasserstoff erzeugen. Dafür wären demnach 3,6 Millionen Tonnen beziehungsweise 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser erforderlich.

Hinter dem Elektrolysepark steht die Friesen Elektra, ein Tochterunternehmen der Schloss-Gödens-Unternehmensgruppe. Gemeinsam mit dem Energiekonzern RWE soll die Elektrolyse errichtet werden. Geschäftsführer Maximilian Graf von Wedel hat jüngst in Sande versichert, dass kein Grundwasser verwendet werden soll, sondern Oberflächenwasser, gegebenenfalls auch Salzwasser.

Schon aufgrund der räumlichen Nähe des geplanten Elektrolyseparks zum Kanal liegt der Schluss nahe, dass Wasser aus der 73 Kilometer langen Verbindung zwischen Emden und Wilhelmshaven genutzt werden soll. Der Ems-Jade-Kanal wird auch im Fachgutachten des Büros Kirchner Ingenieure zu dem Vorhaben als potenzielle Wasserquelle genannt.

Jörg Grabhorn
Jörg Grabhorn Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt