Ems-Jade - Diese Vögel können sich sehen lassen. Wenn die Tiere auf ihrem Zug vom Norden in den Süden im Wattenmeer Rast machen, schauen Urlauber und Einheimische gern zu. Doch worauf sollten die Beobachter achten? Reno Lottmann ist seit 50 Jahren Hobby-Ornithologe. Er gibt Tipps.
Der Zeitpunkt der Beobachtung
Planung ist bei den Zugvogeltagen alles. „Wichtiger als die Tageszeit ist die Tide“, erklärt Reno Lottmann. Gerade die Watvögel sind bei Niedrigwasser im Watt unterwegs. Ein bis zwei Stunden vor dem Hochwasser ist für den 60-Jährigen die beste Zeit. „Dann drängt das Wasser von hinten, dann tippeln die Vögel, fliegen auf und kommen auf einen zu“, sagt Lottmann.
Die Gebote einhalten
Lottmann kommt zur wichtigsten Regel: „Immer an die Gebote halten und nicht die Grenzen des Erlaubten überschreiten“, rät er. Das heißt ganz konkret: Auf den Wegen bleiben. Und die Wege nur verlassen, wenn es erlaubt ist. „Und dann auch nur ganz vorsichtig“, schränkt der Vogelexperte ein. Es geht ihm um Rücksichtnahme. „Solange wir auf den Wegen bleiben, wissen die Tiere, dass sie nicht in Gefahr geraten“, erklärt Lottmann. Stressig wird es für sie, wenn sich die Menschen nicht dran halten. Wichtig sei ein wachsamer Blick auf die Tiere. Man merkt, wenn ein Vogel unruhig wird. Er streckt dann den Kopf in die Höhe. Spätestens wenn das Tier die Flügel ausstreckt und losfliegt, sollte man stehenbleiben.
Der Abstand zu den Tieren
Generell gilt: Bloß nicht zu nah ran. Das ist eine weitere wichtige Regel bei der Vogelbeobachtung. Andernfalls werden die Tiere aufgeschreckt und fliegen hoch. Das kostet Kraft. Lottmann nennt als Beispiel die Pfuhlschnepfe. Sie macht ordentlich Strecke. Die 4000 Kilometer von Sibirien bis zum Wattenmeer schafft sie ohne Pause. Hier sucht sie nach Würmern, frisst und kann ihr Gewicht verdoppeln. Aber nur, sagt Lottmann, wenn sie auch in Ruhe gelassen wird. „Wenn sie immer gestört wird, schafft sie es nicht, sich das notwendige Fett für den Weiterflug zuzulegen“, erklärt er.
Der Standort zur Vogelbeobachtung
Stellt sich die Frage nach einem geeigneten Standort für Vogelbeobachter. Für die Inseln gilt eine Faustregel: Die Vögel sitzen besonders gern im Osten. Dort ist der Strand, dort ist das Meer. Sanderlinge tummeln sich dort, wo die Wellen etwas abladen. Sie tippeln vor und wieder zurück, weil sie den Wellen ausweichen. Die Tiere sind etwa so groß wie ein Star. Beobachter kommen auf etwa vier bis fünf Meter an sie heran. Auf dem Festland kommt es drauf an, lautet Lottmanns Einschätzung. Bei der Suche nach dem perfekten Standort helfen die Nationalparkhäuser weiter.
Die Ausrüstung ist wichtig
Wer den Durchblick bei den Wandervögel behalten will, braucht ein Fernglas. Ohne das geht es nicht. Ein Fernglas bietet eine acht- bis zehnfache Vergrößerung des Motivs. Wer ambitioniert ist, kann zum Spektiv greifen. Dort sieht man alles in einer 25-fachen Vergrößerung. Neben einem Fernglas ist ein Bestimmungsbuch ein Muss. Reno Lottmann rät davon ab, sich eine allzu dicken Wälzer zu besorgen. Lieber ein Faltblatt, in dem nur die wichtigsten Zugvögel stehen. „Eine Führung ist Gold wert“, wirbt er. Mit einem Experten an der Seite lassen sich eben die Tiere einfacher bestimmen.
