Bockhorn/Kreyenbrok - Da hatte ganz sicher jemand einen wirklich schlechten Tag: In Kreyenbrok ist das Erdkabel der neuen 380kV-Leitung Wilhelmshaven-Conneforde bei Glasfaser-Verlegearbeiten angebohrt und beschädigt worden. Jetzt muss es ausgetauscht werden. Netzbetreiber Tennet bestätigte eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion. Es sei eine der zwölf Kabeladern beschädigt worden. Ob es noch weitere Schäden gibt, werde derzeit noch überprüft.
Laut Tennet ist es bereits Mitte Januar zu dem Vorfall gekommen: „Am 14. Januar gegen 9.30 Uhr kam es auf dem Erdkabelabschnitt zu einem Störfall“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.
Das betroffene Segment sei sofort automatisch abgeschaltet worden, trotz des Störfalls konnte und kann das Stromnetz aber dank diverser Sicherungsmechanismen versorgungssicher weiterbetrieben werden. Verletzt wurde niemand. Die Glasfaser-Verlegearbeiten stünden in keinem Zusammenhang mit Tennet.
Schutzmaßnahmen
Unmittelbar nach dem Vorfall habe Tennet mit Sicherheits- und Schutzmaßnahmen begonnen und jegliche Spannung von der Leitung genommen sowie Erdungsmaßnahmen umgesetzt. Noch am selben Tag hätten sich Mitarbeiter von Tennet daran gemacht, den Schaden genauer zu untersuchen und sich mit den Eigentümern der betroffenen Grundstücke in Verbindung gesetzt.
Dann wurde mit Reparaturarbeiten begonnen. Diese würden von einer Partnerfirma umgesetzt, die Erfahrungen mit Schäden an Höchstspannungskabeln haben.
Das beschädigte Kabel liege in etwa 3,5 Metern Tiefe und führt unter der Grabsteder Straße (L816) entlang. Um es auszutauschen, muss ein neues Kabel mit Hilfe des so genannten Horizontalspülbohrverfahren unter der Straße verlegt werden. Ein Graben muss für die Verlegearbeiten daher nicht ausgehoben werden, der Verkehr auf der Straße bleibt von den Reparaturarbeiten unberührt.
Ersatzteile liefern
Die erforderlichen Ersatzteile, wie zum Beispiel eine 380-Kilovolt-Kabeltrommel, werden per Schwertransport angeliefert, sobald die entsprechenden Genehmigungen vorliegen. Bis Anfang April könnten die Arbeiten voraussichtlich abgeschlossen werden.
Wie teuer der Schaden ist, könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen, heißt es weiter in der Antwort von Tennet auf unsere Anfrage. Angesichts der Dauer der gesamten Arbeiten und dem damit verbundenen Aufwand, dürfte die Schadenshöhe allerdings beträchtlich sein.
Die 380kV-Leitung vom Wilhelmshavener Umspannwerk Fedderwarden führt durch Schortens, Sande, Zetel, Bockhorn und Varel zum Umspannwerk Conneforde und ist am 2. Oktober 2020 in Betrieb genommen worden. 4,9 Kilometer der insgesamt etwa 30 Kilometern langen Leitung liegen in der Erde.
Die 380kV-Leitung hat die bestehende 220kV-Leitung ersetzt, die nicht mehr in der Lage war, die von den Windrädern an Land und vor der Küste produzierte Energie aufzunehmen.
