Bockhorn - Nicht Berlin, Mailand oder Amsterdam, nein, das allererste Tachometer wurde vor mehr als 200 Jahren von einem Bockhorner erfunden. Der Mann, der nicht nur damit in die Geschichte eingegangen ist, hieß Diedrich Uhlhorn. Dieses Jahr am 3. Juni wäre er 260 Jahre alt geworden.
Lesen Sie auch: Chrom und Lack glänzen bald in der Sonne von Bockhorn
Der Erfinder, der 1764 geboren wurde, war seiner Zeit voraus. Noch zu Lebzeiten zählte er zu den klügsten Köpfen, schließlich lebte er zur gleichen Zeit wie Karl von Drais, der mit der Draisine ein Vorgängermodell des Fahrrads erfand. Oder mit dem italienischen Erfinder Alessandro Volta, der für die Erfindung der Batterie bekannt geworden ist. So berühmt wie diese beiden Herren wurde Diedrich Uhlhorn dann doch nicht. Er taucht sogar im Band der „Unprominenten“ auf, mit „Leuten, die berühmt sein sollten, aber es irgendwie nicht sind“.
Aufgewachsen in Bockhorn
Liegt es an seiner Herkunft? Diedrich Uhlhorn ist in Bockhorn geboren, war der Sohn eines Bauern, der auch eine Tischlerei hatte und lebte ein bescheidenes Leben. Bockhorn war zu dieser Zeit ein kleiner Ort in Friesland, der aber bereits auf Handelsrouten verzeichnet war. „Warum Uhlhorn trotz seiner dutzenden Erfindungen heute keine große Bedeutung hat, ist ein Rätsel“, sagt Rainer Kohlwes aus Bockhorn. Er hat sich tiefgehend mit dem Erfinder befasst und rekonstruierte Uhlhorns Leben für den Verein für Heimatgeschichte. „Das muss man sich mal vorstellen: Uhlhorn ist nur zur Grundschule gewesen und kannte den Katechismus auswendig. Trotzdem ist er später ein angesehener Mathematiker geworden“, erzählt Kohlwes. Der Heimatforscher hat herausgefunden, dass der Erfinder im Jugendalter dreimal die Woche von Bockhorn nach Jaderberg gelaufen ist, um dort speziellen Matheunterricht zu nehmen.
Eigentlich anderer Zweck
Uhlhorns Interesse ging so weit, dass er sich Zeit seines Lebens mit komplizierten mathematischen Problemen beschäftigte. „Er war mutig“, so Kohlwes, „denn er traute sich, die Lösungsansätze großer Namen anzuzweifeln.“ Sein erfundenes Tachometer gab er 1816 an die Öffentlichkeit. Genau dieses Tachometer nach Uhlhorn ist der Vorreiter moderner Geschwindigkeitsmesser in diversen Fahrzeugen.
Auf Grundlage der Erfindung des Bockhorners wurde der Tacho zuerst während der 1840er-Jahre in Dampflokomotiven eingesetzt. So berechnete Uhlhorn Winkel, um damit Geschwindigkeit zu messen. Allerdings hatte er dabei etwas ganz anderes als Fahrzeuge im Sinn. Seine Erfindung galt Maschinen der Baumwollspinnerei und -Weberei. Davon hatte er einige in seiner Fabrik am Industriestandort Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen), wohin Uhlhorn aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung hingezogen war.
Der Verein für Heimatgeschichte in Bockhorn öffnet seine Türen auch für die Öffentlichkeit, um die Geschichte Bockhorns weiterzugeben.
Immer donnerstags von 10 bis 12 Uhr sind die Türen der Werkstatt in der Kirchstraße Ecke Gartenstraße geöffnet.
Geöffnet ist zudem an jedem letzten Donnerstag im Monat von 17 bis 18 Uhr.
Geehrt vom König
Der Erfinder wollte die Betriebsgeschwindigkeit der Maschinen messbar machen, sodass es auch die Fabrikarbeiter verstehen. Die Maschinen sollten nämlich stets mit der Geschwindigkeit laufen, mit der sich am effektivsten Wolle spinnen ließ. Uhlhorns Tachometer basiert auf dem Prinzip der Drehzahlmessung mittels der Zentrifugalkraft. Zunächst nur für Fabrikmaschinen gedacht, griff ein anderer Konstrukteur später diese Idee auf und entwickelte Tachos für Fahrzeuge. Demnach ist das Gerät nicht einmal Uhlhorns berühmteste Erfindung. Nur wenige Jahre später erfand er die „Kniehebelpresse“, mit der sich Münzen prägen ließen. Seine Erfindung erleichterte und beschleunigte die Münzherstellung immens. Dafür wurde Uhlhorn sogar vom König von Preußen ausgezeichnet.
In Bockhorn erinnert heute die Uhlhornstraße an den Erfinder. „Auch möchte ich den Versuch wagen, die Gemeinde zu überzeugen, die Oberschule Bockhorn nach ihm benennen zu lassen – das hätte er verdient“, betont Rainer Kohlwes zum Abschluss.
Der Verein für Heimatgeschichte in Bockhorn öffnet seine Türen auch für die Öffentlichkeit, um die Geschichte Bockhorns weiterzugeben.
Immer donnerstags von 10 bis 12 Uhr sind die Türen der Werkstatt in der Kirchstraße Ecke Gartenstraße geöffnet.
Geöffnet ist zudem an jedem letzten Donnerstag im Monat von 17 bis 18 Uhr.
