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Arbeit ohne Ende – aber keine Leute Suche nach Ausweg aus dem Fachkräftemangel

Gastgeber und Referenten des Unternehmerfrühstücks in Schortens: Kämmerin Elke Idel und Bürgermeister Gerhard Böhling, Referentin Dr. Regina Flake vom Institut der Deutschen Wirtschaft, der Schortenser Unternehmer Daniel Heins (WLC Nord GmbH) und Heide Schröder-Ward vom Stadtmarketing.

Gastgeber und Referenten des Unternehmerfrühstücks in Schortens: Kämmerin Elke Idel und Bürgermeister Gerhard Böhling, Referentin Dr. Regina Flake vom Institut der Deutschen Wirtschaft, der Schortenser Unternehmer Daniel Heins (WLC Nord GmbH) und Heide Schröder-Ward vom Stadtmarketing.

Oliver Braun

Schortens - Fachkräfte dringend gesucht: Ob in der Gastronomie oder in den Pflegeberufen, ob in der Industrie oder im Handwerk – es fehlt an allen Ecken und Enden an Mitarbeitern. Kaum ein Lkw oder Lieferwagen und kaum ein Schaufenster oder eine Ladentür, an denen nicht mit „Werde Teil unseres Teams“-Gesuchen um neue Mitarbeiter geworben wird. Wie man sich als attraktiver Arbeitgeber gegen den Fachkräftemangel positioniert war daher auch großes Thema bei der Neuauflage des vom Stadtmarketing Schortens organisierten Unternehmerfrühstücks im Bürgerhaus. Rund 70 von weit mehr als 450 Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem Stadtgebiet nahmen daran teil.

Viel Arbeit, wenig Leute

Und so mancher Unternehmer kann ein Klagelied davon singen, dass wegen fehlender Mitarbeiter Aufträge abgelehnt werden müssen: Im Garten- und Landschaftsbau zum Beispiel. „Wir bekommen keine Mitarbeiter – dabei haben wir alles versucht und haben Arbeit ohne Ende“, berichtete der Inhaber eines hiesigen Betriebs. Er könne noch 16 weitere Mitarbeiter beschäftigen, weil er genug Aufträge hätte. Aber ohne genügend Leute habe er die Aufträge leider ablehnen müssen. Zuletzt habe ihm die Anhebung des Mindestlohns sieben Mitarbeiter gekostet: Die sind weggegangen, weil der Abstand zu den unteren Lohngruppen zu knapp wurde und es wirtschaftlich nicht mehr passte. „Man muss seine Leute verwöhnen, sonst geht’s gar nicht mehr“, so die Erfahrung des GaLa-Unternehmers. Oft seien es Mitarbeiter, die den Betrieb verlassen, die dann noch den Nachfolger vermitteln.

Als Gastreferentin hatte Dr. Regina Flake vom Institut der Deutschen Wirtschaft (Köln) die Lage des Fachkräftemangels am regionalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt analysiert und mit vielen Beispielen und Denkanstößen verdeutlicht, was Betriebe tun können. Das fängt natürlich an mit der heute eigentlich längst selbstverständlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, reicht über Mitarbeiter-Wertschätzung und gute Gehälter bis hin zu Fragen der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit. Tatsächlich legten gerade auf diese letzten Punkte immer mehr Mitarbeiter besonders großen Wert.

Handwerk statt Studium

Im Umweltschutz und Streben nach Nachhaltigkeit liege aber auch die Krux: Denn die große Mehrheit der jungen Leute habe aufs Handwerk wenig Lust, sondern studiere lieber Philosophie, zitierte Flake ein süddeutsches Wirtschaftsinstitut, das „Fridays for Future“-Demonstranten zu ihren Berufszielen befragt hatte. Die Handwerkskammern traten dem mit dem Slogan „Montieren statt Demonstrieren“ entgegen. Denn um die notwendigen Klimaziele zu erreichen, braucht es Fachkräfte, die den Photovoltaik- und Windenergieausbau auch zupackend voranbringen und all die nötigen Anlagen ans Stromnetz anschließen können. Das können aber keine Philosophen, dazu braucht es Handwerker und Ingenieure. „Der Mangel an solchen Fachkräften ist aktuell die größte Herausforderung“, so Flake. Qualifizierung und Weiterbildung, Quereinstiege und Umschulung seien in vielen Branchen von extrem großer Bedeutung, so die Referentin.

Auch mal ins Stadion

Als Schortenser Unternehmer trat Daniel Heins, Gründer und Inhaber der auf Bauteile der Antriebstechnik spezialisierten WLC Nord GmbH, auf die Bühne. Vor eineinhalb Jahren habe er neben seinem Handelsunternehmen noch einen Handwerksbetrieb im Metallbau gegründet. „Da habe ich schnell gemerkt, was Handwerk bedeutet und begriffen: Hier werden richtige Fachkräfte benötigt.“ Über persönliche Kontakte, Netzwerke und Whatsapp-Gruppen sei es ihm gelungen, die Leute zu rekrutieren, die benötigt werden, sagte Heins. Sicher spielten auch Glück und mancher Zufall eine Rolle, dass er vom Fachkräftemangel bislang verschont blieb. Was aber nicht schadet: „Man muss mit seinen Leuten auch ab und zu mal ins Fußballstadion.“

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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