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Fahrkartenverkauf an Bahnhöfen Land sieht den Bund in der Pflicht

Fahrkartenautomaten haben vielerorts den Vertrieb an Schaltern abgelöst. Aber in Wilhelmshaven gibt es nicht einmal Automaten für Fernverkehr-Tickets.

Fahrkartenautomaten haben vielerorts den Vertrieb an Schaltern abgelöst. Aber in Wilhelmshaven gibt es nicht einmal Automaten für Fernverkehr-Tickets.

dpa

Wilhelmshaven/Jever - Die Landesnahverkehrsgesellschaft steckt den Rahmen für den Zugverkehr in Niedersachsen ab. Wo und wie oft Züge verkehren, wie die Wagen beschaffen sind und wie es mit dem Personal aussieht, legt die Unterbehörde des Verkehrsministeriums in Hannover fest.

Auch der Vertrieb von Zugfahrkarten wird vorgegeben – aber da die Landesnahverkehrsgesellschaft den Nahverkehr organisiert und nicht den Fernverkehr, hält sie sich mit Vorgaben zum Verkauf von Fernverkehr-Tickets zurück. Die Folgen sind im Bahnhof Wilhelmshaven zu besichtigen: Da gibt es seit Ende vergangenen Jahres nicht mal mehr Automaten für Fernverkehr-Karten, geschweige denn einen Fahrkarten-Schalter. Bahn-Unternehmen reißen sich nicht um den Verkauf. Im Gegenteil: Der schaltergebundene Vertrieb ist unattraktiv und für die auf Unternehmen, die sich mit knapp kalkulierten Angeboten um Aufträge bewerben, an kleineren Bahnhöfen zu teuer.

„Bund ist am Zug“

Die Landesnahverkehrsgesellschaft sieht den Bund am Zug. Wer den Fernverkehr verantworte, müsse sich auch um den Fahrkartenverkauf kümmern, bringt es ein Sprecher auf den Punkt. Grundsätzlich gelte: „Wir können nicht an jedem Bahnhof einspringen, an dem die DB sich aus wirtschaftlichen Gründen vom Verkauf von Fernverkehrstickets am Schalter zurückzieht“, sagt der Sprecher weiter. Und fügt hinzu: „Wir würden uns wünschen, dass der Bund als DB-Eigentümer dieses Vorgehen überdenkt.“ Geschäftsführerin Carmen Schwabl hatte es in einem Newsletter kürzlich so formuliert: „Digitalisierung ist aus Kundensicht übrigens nicht die Lösung aller Probleme. Der Bund muss auch die Frage nach Verkaufs- und Service-Personal auf den Bahnhöfen in den Blick nehmen. Die DB zieht sich mit dem Kosten-Argument aus immer mehr Stationen zurück. Sauberkeit und Sicherheitsgefühl werden dadurch nicht gestärkt. Um den Fahrgast für die Schiene zu begeistern braucht es Service-Personal an den Bahnhöfen!“

Das plant das Land

Dennoch: Auch die Landesnahverkehrsgesellschaft will angesichts des Bedarfs der Bahn-Kunden nicht die Arme verschränken. So rüste die Nordwest-Bahn derzeit ihre Automaten mit Fernverkehr-Tickets nach – mit finanzieller Unterstützung der Landesnahverkehrsgesellschaft, wie der Sprecher betont. In den nächsten Wochen soll es in Wilhelmshaven so weit sein, kündigt die Nordwest-Bahn an.

Die Bahnkunden-Vertretung Pro Bahn sieht das Land mit in der Pflicht. Die Landesgesellschaft und die Gesellschaft Niedersachsentarif sollten „sich überlegen, den personalisierten Fahrkartenverkauf, besonders der DB Fernverkehr, nicht ganz von der Bildfläche verschwinden zulassen“, fordert Region-Ems-Jade-Sprecher Hans-Joachim Zschiesche gegenüber unserer Redaktion. Es werde immer Fahrgäste geben, die mit der digitalen Technik nicht klarkämen. Fahrgäste, die auf die Bahn umsteigen wollten, aber keine DB-Fern-Fahrkarten kaufen könnten, würden zum Teil dann halt doch wieder ins eigene Auto steigen.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)
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