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Fair Café-Paar gründet alternative Mehrgenerationengemeinschaft Lebenswerk final zu verschenken

Lucas ist aus der Modebranche ausgestiegen und der erste von vielleicht weiteren, die in der alternativen Mehrgenerationengemeinschaft im Fairhandelshaus leben und arbeiten.

Lucas ist aus der Modebranche ausgestiegen und der erste von vielleicht weiteren, die in der alternativen Mehrgenerationengemeinschaft im Fairhandelshaus leben und arbeiten.

privat

Grafschaft - In das überregional bekannte Fair-Café und Fairhandelshaus im Schortenser Ortsteil Grafschaft kommt wieder Bewegung, und das in zweierlei Hinsicht: Nachdem die kulinarischen Bildungsveranstaltungen aus Mangel an Fachkräften seit einigen Jahren nicht mehr stattfinden konnten und auch die Konzerte der Vergangenheit angehören, verfolgt das Gründer-Paar Jutta und Reinhard Hartwig nach 30 Jahren Projektaufbau und inzwischen im Alter von 70 Jahren einen anderen Weg: Sie gründeten kürzlich eine alternative Mehrgenerationen-Gemeinschaft. Deren Mitglieder betreiben das Wohnen und Arbeiten auf dem 6000 Quadratmeter großen Anwesen gemeinschaftlich. Als Nachfolger sollen sie eines Tages das gesamte Anwesen mit Selbstversorger-Gemüseanbau, Fair-Café, Bio- & Hofladen, Welt- und Konsumgüter-Laden, Kaffee-Rösterei, vegane Vurst-Manufaktur und hauseigener Torten-Herstellung übernehmen.

Aktuell zu Dritt

„Wir haben hoffentlich noch zwei Jahrzehnte vor uns, in denen wir unsere lange Geschäftserfahrung an die Gemeinschaftsmitglieder weitergeben und auch tatkräftig mitarbeiten können, während wir uns langsam aus unserem Lebenswerk zurückziehen und es final verschenken,“ so beschreibt Kaffee-Röstmeister Reinhard Hartwig den Plan. Diese Planung wird jetzt umgesetzt.

„Inzwischen sind wir zu dritt. Ein junger Mann, Lucas (30), der aus der Modebranche ausgestiegen war, kam im Februar zu uns und ist geblieben. Derzeit ist er im Praktikum und muss noch viel lernen, um auch seinen Lebensunterhalt im Projekt erarbeiten zu können. Die ersten Resultate seines Mitwirkens sind jedoch unübersehbar, so Reinhard Hartwig.

Wer heute das den Meisten nur als Konzert-Location oder von Bildungsveranstaltungen bekannte Fair-Café betritt, das bis Anfang der 1990er Jahre vielen auch noch als „Kaffeehaus Barkel“ in Erinnerung ist, der findet sich sehr schnell trotz grundlegender Umgestaltung zurecht und seinen Lieblings-Platz im Parterre, in der Lesebibliothek, auf der Empore oder an der neuen Open-Cooking-Bar, hinter der Jutta Hartwig vor den Augen der Gäste ihre veganen Kreationen zubereitet und sich dabei gern auf die Finger sehen lässt. 50 Gäste finden Platz an großzügigen Tischen oder an der Bar.

„Konzerte sind wieder geplant, aber noch nicht durchführbar“, ärgert sich Reinhard Hartwig, „Dazu muss unsere Gemeinschaft noch wachsen. Das geht nicht von heute auf morgen. Neue Familienmitglieder findet man nicht im Internet“, so Hartwig. Gesucht werde bundesweit vorerst ein weiteres Mitglied oder ein Paar im mittleren Alter mit Einzelshandels- oder Gastronomie-Erfahrung sowie Spaß am pflanzenbasierten Kochen.

„Es steckt genügend noch ungenutztes Potenzial im Projekt und es gibt viel zu tun für Leute, die die gemeinnützige Zielsetzung verstanden haben oder sie verstehen lernen wollen“, so Hartwig weiter. Für weitere Gemeinschaftsmitglieder werden derzeit zwei Wohnungen frei gehalten, die bevorzugt an im Wirtschaftsbetrieb Aktive oder Pachtanwärter-Praktikanten vergeben werden.


Noch viel Potenzial

Für Feriengäste und Besucher steht auf der Fläche ein Ferienhaus mit Sauna zur Verfügung. Ein älteres Tiny-House/Mobilheim bietet ebenfalls Nutzungsfläche. In Kürze wird ein neues mobiles Tiny-House aufgestellt. Es soll als Musterhaus an Kaufinteressenten tageweise vermietet werden und damit zum Betriebsergebnis, also zur Finanzierung des Projekts, beitragen. Es gibt Bauplatz für weitere Häuser auf dem Anwesen. „Das Mehrgenerationen-Projekt soll in den nächsten Jahren auf bis zu sechs Mitglieder oder Familien aufgestockt werden“, hofft das Betreiber-Paar.

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