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Sandkasten statt Inselstrand Familie geht Betrüger auf den Leim – Urlaub auf Wangerooge geplatzt

Auf einen Spaziergang an der Oberen Strandpromenade oder Abstecher zum Wangerooger Badestrand muss die sechsköpfige Familie dieses Jahr verzichten.

Auf einen Spaziergang an der Oberen Strandpromenade oder Abstecher zum Wangerooger Badestrand muss die sechsköpfige Familie dieses Jahr verzichten.

Jonas Hegen

Wangerooge - Bahntickets, Fähren und Unterkunft gebucht – der lang ersehnte Sommerurlaub auf Wangerooge kann kommen. Das dachte zumindest lange Zeit die sechsköpfige Familie Müller aus Thüringen (Name der Redaktion geändert).

Doch kurz vor Abreise vom heimischen Bauernhof erhielten Felix Müller, seine Frau und die vier Kinder die Hiobsbotschaft ihres Immobilienvermittlers und gleichzeitig langen Bekannten: Das gebuchte Ferienhaus an der Wangerooger Strandpromenade stehe nun doch nicht mehr zur Verfügung.

Der Familienvater hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Unterkunft voll bezahlt – mit allem drum und dran ein Urlaub für knapp 2000 Euro. Das Geld hat er bis heute nicht wiederbekommen.

„Der Sommerurlaub musste für uns also ins Wasser fallen. Spontan eine zweite Ferienwohnung zu bezahlen, kam für uns nämlich finanziell nicht in Frage“, erklärt er gegenüber der Redaktion.

Angeblicher Wasserrohrbruch

Die Enttäuschung sei vor allem bei den vier Kindern groß gewesen. „Meine Frau und ich haben dann immerhin bei uns im Garten einen großen Sandkasten aufgestellt – eben das ganz kleine Wangerooge für zu Hause“, sagt er. Vor einigen Jahren habe sich die Familie in die Insel verliebt – sie sei ein Ort, um wirklich zu entspannen.


Was er und seine Frau jedoch lange nicht gemerkt haben: Sie sind vermutlich einem Betrüger auf den Leim gegangen.

Bei ihrem „Wohnungsvermittler“ handelt es sich nämlich um den ehemaligen Angestellten des Gastronomiebetriebes „Giftbude“. Er soll sich unter anderem dort an der Geschäftskasse bedient haben – und rund 34.000 Euro erbeutet haben. Auch sein ehemaliger Vermieter wartet nach wie vor auf sein Geld.

Das Ehepaar Müller hatte den Mann vor einigen Jahren kennengelernt. „Ein ganz sympathischer Kerl, wir haben uns bestens verstanden“, erklärt der Familienvater. Oft habe er ihnen Tipps für die Insel gegeben – und sich später dann auch um eine Unterkunft für die Familie gekümmert.

Erste Ungereimtheiten musste das Ehepaar jedoch bereits zur Osterzeit feststellen. Da hatten Felix Müller und seine Frau zu zweit einen Kurzurlaub auf der Insel gebucht – ihr guter Bekannter hatte sich um eine Ferienwohnung für das Paar gekümmert.

Zwar wirklich schön gemacht - für die Familie dennoch nur ein kleiner Trost: das selbstgebaute „kleine Wangerooge“ auf dem heimischen Bauernhof.

Zwar wirklich schön gemacht - für die Familie dennoch nur ein kleiner Trost: das selbstgebaute „kleine Wangerooge“ auf dem heimischen Bauernhof.

Doch einen Tag vor Anreise kam die Absage: „Er erzählte uns von einem Wasserrohrbruch und dass die Wohnung nun nicht mehr zur Verfügung stehe – das Geld hatten wir da natürlich schon überwiesen“, erklärt der Familienvater.

Spontan konnten die zwei noch über ein Buchungsportal eine andere Wohnung finden. Während ihres Kurzurlaubs haben sie dann von einem anderen Bekannten erfahren, dass ihr „Wohnungsvermittler“ wohl schon nicht mehr auf der Insel wohnt.

„Das fanden wir zwar komisch, aber wir standen übers Handy dauerhaft mit ihm in Kontakt. Er hatte uns alles erklärt, was zum damaligen Zeitpunkt auch alles plausibel klang“, sagt Müller.

Vieles hat plötzlich einen Sinn ergeben

Dann kurz vor der Abreise zum Sommerurlaub die erneute Absage ihres „Vermittlers“. Da seien sie schon sehr misstrauisch geworden. Die Augen endgültig geöffnet habe ihnen dann der Zeitungsartikel über die Veruntreuung von Geschäftsgeldern bei der Giftbude. Vieles habe plötzlich Sinn ergeben.

„Er wollte zum Beispiel immer eine Echtzeit-Überweisung haben“, erklärt Müller. Anders als bei herkömmlichen Überweisungen ist das Geld innerhalb von Sekunden auf dem Konto des Empfängers – ein Zurückholen des Geldes ist technisch somit kaum möglich.

Inzwischen hat Müller erfahren, dass das angebliche Ferienhaus jemand ganz anderem gehört – und auch nie für die Familie aus Thüringen gebucht gewesen sei. „Wir hätten aber nie gedacht, dass jemand eine Familie mit vier Kindern übers Ohr haut – vor allem nicht, wenn man sich kennt.“

Müller hat nun Anzeige bei der Polizei auf Wangerooge erstattet. Dass er das Geld wiedersieht, glaubt er nicht. Aber er will warnen – falls der mutmaßliche Betrüger noch immer sein Unwesen treibt.

Im kommenden Jahr hofft er dann den heimischen Sandkasten wieder durch den echten auf Wangerooge ersetzen zu können. Denn die Liebe zur Insel sei trotz des Vorfalls ungebrochen groß.

Jonas Hegen
Jonas Hegen Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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