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nordwest-zeitung

Elektro-Mobil In Friesland Unterwegs Sportlicher Elektro-Flitzer auf drei Rädern

Chihuahua Schombel

Fedderwarden/Hooksiel - Viele gibt es in der Region wahrlich nicht und wenn man mal einen sieht, werden die Augen gleich größer: Ein Twike ist ein dreirädriges Elektroauto.

Axel Scholz leitet den Hooksieler Gospelchor Free Voices und fährt eines der wenigen dreirädrigen Kleinmobile in der Region. Das Besondere daran: Es ist das erste Fahrzeug, das den Elektromotor mit einem Pedalantrieb kombiniert. Die Muskelkraft wird direkt in Bewegungsenergie umgesetzt. Dadurch steigt nicht nur die Effizienz des Fahrzeugs, sondern auch die Reichweite.

Twike – Das Mini-E-Auto und das Sportfahrzeug

Mit den Pedalen kann der Fahrer seine Muskelkraft einsetzen, um den Motor zu unterstützen. So kann ein durchschnittlich trainierter Fahrer eine Leistung von 100 bis 200 W einbringen. Das entspricht bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h etwa 10 bis 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs.

Die Batterie: Das Twike war 2006 das erste Serienfahrzeug mit Lithium-Ionen-Batterien. Diese haben eine Kapazität von je 3,5 kWh. Maximal 7 Batterien können verbaut werden.

Das neue Modell Twike 5 wird durch ein „Community Funding“finanziert. Das für Führerscheinbesitzer der Klassen A1, A und B fahrbare Twike 5 soll bis zu 200 Kilometer pro Stunde schnell sein und ab 39 000 Euro kosten. Solch ein Tempo nicht allein durch Pedaleinsatz realisierbar: Für den Hauptantrieb sorgt ein 45 Kilowatt und bis zu 250 Newtonmeter starker Synchronmotor. Bis zu 20 Prozent – im Großstadttempo – können die beiden Insassen per Pedale beisteuern, wobei sie bis zu 300 Watt treten können.

Und wer in die Pedale tritt während der Fahrt, macht aus dem Twike vom reinen Fortbewegungsmittel zur Trainingsmaschine für Muskulatur und Kreislauf.

Wie ein Liegerad

Scholz ist leidenschaftlicher Radfahrer, das Rad ist sein Hauptverkehrsmittel. So hat er keine Probleme damit, auch im Auto selbst in die Pedale zu treten. „Das Twike ist vergleichbar mit einem Liegerad und einem Pedelec. Ich könnte das Auto nur nicht allein mit meiner Muskelkraft fortbewegen, dazu reicht es nicht aus. Das Treten in die Pedale dient nur der Unterstützung. Ich kann dadurch aber bis zu zehn Prozent Energie einsparen“, sagt er.

Die Reichweite seines Twike liegt bei guten Wetterbedingungen bei 100 Kilometern, im Winter bei rund 60 Kilometern.

Und warum ausgerechnet ein Twike? Das Auto mit Pedalen fährt ressourcenschonend, sagt Scholz: Sein Energieverbrauch liegt umgerechnet bei etwa 0,5 Litern pro 100 Kilometer – gering im Vergleich zum herkömmlichen Auto. Es gibt außerdem weder Abgase noch Lärmbelästigungen und bis auf den Abrieb der Reifen auch keinen Feinstaub.

„Das Twike ist wegen seiner Akkus nicht das Non-Plus-Ultra, aber insgesamt überwiegen die ökologischen Aspekte. Und ich verzichte bewusst auf jede Form von Komfort, den das normale Auto bietet“, erzählt der gelernte Orgelbauer. „Das Einzige, was irgendwann zum Problem werden könnte, wäre das Ein- und Aussteigen. Das ist doch etwas mühsam und geht auf die Gelenke.“ Der Beifahrersitz im Twike lässt sich übrigens ausbauen.


Fahren mit Joystick

„Das Besondere an meinem Gefährt sind nicht nur die Art als dreirädriges Fahrzeug und die Pedale, sondern auch das Lenken: Ich habe kein Lenkrad, sondern eher so etwas wie einen Joystick“, erklärt Scholz.

Das E-Auto hat Straßenzulassung und darf mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auch auf der Autobahn gefahren werden. „Autobahn bin ich aber bisher nur für kurze Strecken gefahren, denn es hat keinen Sinn, wenn ich so langsam fahre.“ Außerdem fühlt sich Scholz gerade neben einem stattlichem SUV oder Traktoren doch ein wenig „merkwürdig“.

„Abgesehen von einzelnen Idioten am Steuer werde ich aber respektvoll behandelt.“ Er fahre aber auch bewusst sehr defensiv, weil er weiß, er würde im Fall des Falles den Kürzeren ziehen.

Und wie finden seine Bekannten sein ungewöhnliches Fortbewegungsmittel? „Die Reaktionen waren sehr gemischt. Einige sind begeistert und ziehen ihren Hut davor, mit welcher Hartnäckigkeit ich das durchziehe, vor allem im Winter damit zu fahren, wenn es arschkalt ist. Andere lehnen es ab, weil sie das Fahren mit dem Twike einfach für zu gefährlich halten“, sagt der 59-Jährige. „Das Komfort- und Wohlstandsdenken ist heutzutage doch sehr ausgeprägt, da passt dann etwas Langsames, Nachhaltigeres ohne Sitzheizung nicht hinein.“

Nachhaltig unterwegs

Scholz lädt seinen Twike übrigens fast nur zu Hause auf, er nutzt das Fahrzeug für kurze Strecken, für längere nutzt er öffentliche Verkehrsmittel oder Car-Sharing. „Mein Stromverbrauch liegt bei ungefähr einem Euro pro 100 Kilometer. Da war mein Vorgänger, ein Smart mit Benzinmotor, eine ganz andere Geschichte. Die finanzielle Veränderung wirkt sich daher schon massiv auf mein Portemonnaie aus, wobei die Anschaffung natürlich kostspielig war.“

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