Hooksiel - Fast schon still und heimlich haben Kameradinnen und Kameraden der Hooksieler Feuerwehr am Dienstagabend im Restaurant und Eiscafé „Valero“ (Lange Straße) ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Wobei feiern es nicht ganz trifft. In gemütlicher Runde erinnerte man sich an die Gründung und ließ die vergangenen 100 Jahre Revue passieren. Der Ort der Zusammenkunft war dabei nicht zufällig gewählt. Das heutige „Valero“ war 1923 noch der „Jeverländische Hof“. Und in dessen Saal wurde am 8. Mai die Freiwillige Feuerwehr Hooksiel gegründet.
Feuerwehrwesen ist eigentlich älter
Björn Mühlena warf vor Mitgliedern der Einsatz- und Altersabteilung sowie der Jugendfeuerwehr einen Blick auf die Geschichte des Feuerwehrwesens in Hooksiel. „Es ist erstaunlich, denn schon vor 1923 gab es eine Pflichtfeuerwehr in Hooksiel.“ Mühlena, der aktuell an einer Chronik der Feuerwehr arbeitet, hatte dazu zahlreiche Bilder, Zeitungsartikel und Briefe aus dem Staatsarchiv in Oldenburg und anderen Quellen zusammengetragen. Vom ersten Großfeuer 1817 in der Militär-Kaserne Hooksiel, über den Bau des ersten Spritzenhauses an der Obernstraße zwischen Molkerei und Wohnhaus Cohn 1836 bis hin zur Alarmierung über Brandtrommeln und erste Brandschutzmaßnahmen (zwei Eimer je Haus) präsentierte Feuerwehrmann Mühlena viele interessante Details.
Ungewöhnliches Gründungsdatum
Zur Gründung der eigentlichen Freiwilligen Feuerwehr kam es dann am 8. Mai 1923. Und das mit einer Woche Verspätung. Denn normalerweise sollte die Gründung am 1. Mai stattfinden. „Die vorgeschriebenen zwanzig Freiwilligen kamen aber nicht zusammen. Gerüchte sagen, dass es vielleicht etwas mit den ausufernden Feierlichkeiten zum 1. Mai zu tun haben könnte“, schilderte Mühlena mit einem Augenzwinkern. Eine Woche später, bei der anschließenden Gründung unter dem ersten Ortsbrandmeister Hooksiels, Siebelt Evers, kamen dann aber schließlich 27 Mitglieder zusammen, bereits ein Jahr später waren es bereits 31 Feuerwehrkameraden. Der erste dokumentierte Brand datiert vom 3. November 1925 und führte die Wehr nach Remmelshausen bei Sengwarden, das damals noch zum Wangerland gehörte.
Pferdegespann und erstes Auto
Nur ein Jahr später erfuhr die Feuerwehr Hooksiel eine erste einschneidende Veränderung. Wurde die damalige Spritze noch von Pferden gezogen, erfolgte wenig später die Umrüstung auf ein Fahrgestell, welches von einem Lkw gezogen werden konnte. „Plötzlich ging es mit 25 km/h an den Einsatzort. Das war damals schon eine wahnsinnige Geschwindigkeit“, sagte Mühlena. Von einem ersten erfolgreichen Test berichtete damals schon das „Jeversche Wochenblatt“.
Mit beeindruckenden Bildern erzählte Mühlena in seinem Rückblick unter anderem von zwei Bränden Ende 1927, Anfang 1928, die das Ortsbild Hooksiels nachhaltig verändern sollten. Dabei wurde der gesamte Gebäudekomplex von der Viethstraße bis an das Rathaus, dem heutigen Muschelmuseum, zerstört. „Gott sei Dank konnte mit Hilfe der Wilhelmshavener Feuerwehr eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Sonst wäre das historische Ortsbild heute komplett verschwunden.“
Im Jeverländischen Hof gründete sich am 8. Mai 1923 die Freiwillige Feuerwehr Hooksiel.
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Zum ersten Ortsbrandmeister wurde Siebelt Evers gewählt
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So sahen Anfang des 20. Jahrhunderts Werbeprospekte für Feuerwehrspritzen aus.
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Bis 1926 wurden die Spritzen noch von Pferden gezogen. Dodo Adden stellte unter anderem sein Pferdegespann von der Hooksieler Mühle für die Spritzenbeförderung bereit.
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Über den ersten erfolgreichen Einsatz einer Zugmaschine berichtete 1926 auch das Jeversche Wochenblatt.
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1928 veränderten zwei verheerende Brände in der Lange Straße das Ortsbild Hooksiels nachhaltig.
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1931 bekamen die Hooksieler ihr erstes Feuerwehrfahrzeug, ein Personenwagen Mercedes Phaeton.
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1963 gewannen die Hooksieler Kameradinnen und Kameraden die Bezirksmeisterschaft der Feuerwehren im Regierungsbezirk Oldenburg.
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Björn Mühlena (von links), Ortsbrandmeister Jörg Nöchel und Günter Schmöckel von der Altersabteilung vor dem Eingang zum Saal des früheren „Jeverländischen Hofs“.
Sebastian Urbanczyk1931 erhielt die Freiwillige Feuerwehr dann ihr erstes richtiges Fahrzeug. Dabei handelte es sich um einen Mercedes Phaeton mit 65 PS, der für Feuerwehrzwecke umgebaut wurde. Während des Zweiten Weltkriegs war die Hooksieler Feuerwehr dann hauptsächlich mit Einsätzen in Wilhelmshaven beschäftigt. „Damals hatte der Schutz militärischer Einrichtungen oberste Priorität“, so Mühlena.
Von Pyjama- und Feuerwehrwettbewerben
Von den Nachkriegsjahren berichtete dann Günter Schmöckel von der Altersabteilung. Er hob besonders den Zusammenhalt der Kameradinnen und Kameraden hervor: Zahlreiche Ausflüge und Drei-Tages-Fahrten stärkten das kameradschaftliche Gebilde der Truppe. „Da wurden dann auch schon mal die schönsten Schlafanzüge abends prämiert, um etwas Stimmung zu machen“, erinnert sich der 81-Jährig, der quasi mit der Feuerwehr aufgewachsen ist.
Besonders stolz ist man bei der Hooksieler Feuerwehr übrigens auf das Jahr 1963. Die Hooksieler Wehr stellte eine Wettkampfgruppe für die Bezirksmeisterschaft des Oldenburgischen Regierungsbezirks. „Ihr glaubt es nicht, wie wir damals trainiert haben. Und wir haben gewonnen“, berichtete Schmöckel. Genau genommen ist die Freiwillige Feuerwehr Hooksiel sogar immer noch amtierender Bezirksmeister, denn nach 1963 fand der Wettkampf nicht mehr statt. Hafenfeste, Flohmärkte, Vorführungen, verschiedene Sporttermine und zahlreiche andere Feste mit Showgrößen wie Fips Asmussen waren Veranstaltungen, an denen die Feuerwehr Hooksiel immer wieder teilnahm.
Größerer Festakt folgt noch
Dass man übrigens der Gründung erst jetzt gedacht hat, hat einen eher pragmatischen Grund, erklärte Ortsbrandmeister Jörg Nöchel. „Der 8. Mai hätte einfach zu nahe am Festakt der Hohenkirchener Kameradinnen und Kameraden gelegen. Also haben wir gesagt, wir verschieben das auf heute.“ Verständnis unter Feuerwehrleuten eben. Mit der eher stillen Zusammenkunft im „Valero“ soll es aber nicht getan sein. „Die eigentliche Feier soll im Herbst mit der geplanten Fertigstellung des neuen Feuerwehrhauses stattfinden“, verspricht Nöchel. Geplant ist dann unter anderem eine Fahrzeugausstellung mit den anderen Feuerwehren des Wangerlands.
