Sande - Wenn in Sande ein Brand ausbricht, ein schwerer Unfall geschieht oder die Polizei Unterstützung beim Zugang zu einem Gebäude benötigt, dann ist die Freiwillige Feuerwehr zur Stelle. Noch. Das könnte aber schon bald nicht mehr funktionieren, denn im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Einsatzkräfte kräftig zurückgegangen. Das macht Gemeindebrandmeister Peter Hoffbauer große Sorge. In der Einsatzabteilung der Ortswehren in Sande und Gödens sind aktuell 76 männliche und 13 weibliche Kräfte, insgesamt also 89 Personen.
Sechs neue Mitglieder eingetreten
Das sind elf weniger als noch vor einem Jahr. Insgesamt sechs neue Kräfte konnten gewonnen werden, dem stehen aber 15 Übergänge in die Alters- und Ehrenabteilung sowie Austritte gegenüber. Hoffbauer sieht hier nicht nur Handlungsbedarf durch die Ortswehren, sondern auch von Seiten der Gemeindeverwaltung. Noch sei die Wehr schlagkräftig, aber schon bald müsse man sich überlegen, ob nicht grundsätzlich auch Nachbarwehren alarmiert werden müssten, vor allem bei Einsätzen während des Tages. Die Arbeitsatmosphäre in der Wehr ist so gut, wie lange nicht. Mit Ortsbrandmeister Jan Holst haben sich die Wogen in der Ortswehr Sande geglättet, die lange für Unruhe sorgten. Der mittlerweile ruhige und souveräne Leitungsstil trägt Früchte. In der Ortswehr Gödens mit Jens Onken als Ortsbrandmeister sieht es ähnlich aus.
Ausbildungsplätze Mangelware
Auch die Jugendwehren funktionieren wieder sehr gut, in Gödens ist sogar die Integration von ukrainischen Jugendlichen gelungen.
Die Einsatzkräfte hatten gut zu tun, im Schnitt zwei Einsätze pro Woche. Dabei machte sich der Klimawandel mit etlichen Stürmen und deren Folgen bemerkbar, allein 22 Einsätze waren sturmbedingt. Das große Problem liegt nach Hoffbauers Worten aber im Defizit an Ausbildungsplätzen. Während die Lehrgänge, die auf Kreisebene zu absolvieren sind (alle werden von ehrenamtlichen Ausbildern angeboten), ohne Schwierigkeiten belegt werden können, hapert es bei den Lehrgängen die durch das Niedersächsische Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz organisiert werden.
„Wir haben 27 Lehrgänge beantragt und nur sechs erhalten – das sind gerade mal 22 Prozent“, rechnete Peter Hoffbauer vor. Von Seiten des Innenministeriums gebe es eine Rückmeldung, das Landesamt sei aufgefordert, eine Lösung zu erarbeiten, berichtete Kreisbrandmeister Gerd Zunken.
Lehrgänge vermitteln wichtige Grundlagen
„Wir haben allerdings die Befürchtung, dass weitere Aufgaben in die Ehrenamtlichkeit auf Landkreisebene verlagert werden sollen. Das können wir nicht leisten, damit wäre das Ehrenamt komplett überfordert“, unterstrich er. Peter Hoffbauer betonte, die Probleme müssten rasch gelöst werden. „Wir haben keine Zeit zu verlieren, sonst verlieren wir weitere Mitglieder, die keine Perspektive sehen.“
Die Lehrgänge an den Landesfeuerwehrschulen, die durch hauptberufliche Ausbilder erfolgen, sind wichtig, weil sie Grundlagen vermitteln. Hier wird zum Beispiel mit dem „Truppmann-Lehrgang“ die Grundlage für die gesamte Ausbildung der Einsatzkräfte gelegt. Fehlt dieses Modul, kann keine weitere Ausbildung erfolgen. Zudem bieten die Lehrgänge die Gelegenheit, sich innerhalb der Woche ganz auf die Feuerwehrarbeit zu konzentrieren, dafür müssen Arbeitgeber Bildungsurlaub gewähren. Die Ausbildungsmodule auf Kreisebene werden am Wochenende und abends wahrgenommen, sind also eine zusätzliche Belastung für die Ehrenamtlichen, die ja noch die Einsätze und Übungsdienste zu bewältigen haben.
