Jever - Das Knarzen ist beeindruckend schaurig und schön: Wenn man den knarrenden Deckel der Innungslade anhebt, entstehen vor dem inneren Auge direkt Bilder von feierlichen Innungs-Versammlungen der friesischen Fleischer. Die Lade wird nun nie mehr im Mittelpunkt von Freisprechungen stehen: Die Fleischer Frieslands sind mit ihren Berufskollegen im Ammerland fusioniert – zur Fleischerinnung Friesland-Ammerland.
Einst 30 Fleischer
Gut 30 Fleischer gab es nach 1945 im Landkreis Friesland. 7 Betriebe sind geblieben. „Wir sind zu wenige, um noch eine eigene Innung zu bilden“, sagt Thomas Schlimgen (Roffhausen). Er und seine Kollegen Georg Janßen (Jever), Dieter Lübben (Sande), Bernhard Siemens (Sande), Stefan Hamacher (Neustadtgödens) und Frank Munk (Jever) haben als letzten Akt der Fusion nun auch die Sammlung historischer Zunftzeichen, Pokale, Erinnerungsstücke, Bücher und Kladden sowie die Obermeister-Kette ans Schlossmuseum übergeben.
Die Fleischerinnung Friesland hat mehr als zehn Jahre lang die Kreisfeuerwehr Friesland mit Spenden unterstützt. Nun wurden noch einmal 1000 Euro an Kreisbrandmeister Gerhard Zunken übergeben. Das Geld floss jeweils zur Hälfte in die Fortbildung von Feuerwehrleuten in Psychosozialer Notfall-Versorgung und in ein Arbeitsheft für Schulen zur Brandschutzerziehung.
Psychosoziale Notfall-Versorgung: Um zu vermeiden, dass Feuerwehrleute nach belastenden Einsätzen mit ihrem Trauma allein bleiben, gibt es für jede Feuerwehr extra geschulte Helfer, die erkennen sollen, wem ein Einsatz näher geht als erträglich, und dann dafür sorge, dass dem Kameraden geholfen wird.
Brandschutzerziehung: Damit Kinder schon früh ans Thema Brandschutz herangeführt werden können, wurde ein Arbeitsheft erstellt, in dem alles Wichtige über die Feuerwehr, über Brände, über das richtige Verhalten kindgerecht und spannend dargestellt ist. Der Clou: das Arbeitsheft funktioniert auch digital – am Ende haben Kinder ihr eigenes interaktives Feuerwehrauto auf dem Rechner.
Fleischerinnung Friesland
Melanie Hanz
Fleischerinnung Friesland
Melanie Hanz
Fleischerinnung Friesland
Melanie Hanz
Fleischerinnung Friesland
Melanie HanzDort sind schon einige Nachlässe von Gewerken und Innungen aus der Region archiviert. „Das Innungswesen hat bei uns eine lange Tradition“, sagt Dr. Antje Sander, Leiterin des Schlossmuseums: Die ersten Innungen wurden von der legendären Herrscherin Frl. Maria im 16. Jahrhundert eingesetzt. „Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Innungswesen wirtschaftlich wichtig und spielte auch eine gesellschaftliche Rolle“, so Sander, und: „Sie können gewiss sein, dass wir Ihren Nachlass gut verwahren.“
Die Innungslade war bis vor einigen Jahren von der Kreishandwerkerschaft noch als Freisprechungskasten genutzt worden: „Links und rechts standen Kerzen und in der Lade waren die Gesellenbriefe zur Verteilung verwahrt“, erklärt Georg Janßen. Die schwere silberne Obermeister-Kette stammt von 1933 – „die erste Kette ist irgendwann zwischen den beiden Weltkriegen verschwunden“, weiß Janßen.
Viele Namen
Die seidenbestickte Innungsfahne mit dem Lamm als Zunftzeichen der Fleischer haben einst die Ehefrauen der friesischen Fleischermeister gestiftet – ein Banner nennt ihre Namen. Und Namen sind auch in den diversen Kladden, Lehrlingsrollen und Mitgliederlisten verzeichnet. „Das ist durchaus spannend, sich da hindurchzuarbeiten“, sagt Janßen. Parallel zur Innung gab es stets einen Gesellenverein – auch dessen Erinnerungsstücke sind nun ans Schlossmuseum übergegangen.
