Knapp 100 Menschen aus dem Iran, der Türkei, Kolumbien und Afghanistan sind mittlerweile in der Flüchtlingsunterkunft im „Dorf Wangerland“ in Hohenkirchen untergekommen. Die anfänglichen Vorbehalte scheinen sich mehr und mehr abzubauen, sagt Osman Mahmoud vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Der Ägypter ist leitender Sprachmittler des DRK-Betreuungsdienstes Wangerland.

Wie funktioniert die Integration der Menschen aus der Unterkunft?

Osman Mahmoud: Die funktioniert aus unserer Sicht sehr gut. Wir hatten hier schon einen Spielenachmittag mit einigen Ehrenamtlichen. Es wurden aber nicht nur Spiele gespielt. Einige haben auch Pflanzen und Blumenerde mitgebracht und einige haben den Besuchern unsere Regeln in Deutschland erklärt. Es war eine richtig tolle und familiäre Stimmung.

Was passiert mit den ehrenamtlichen Helfern, wenn sie mit den Flüchtlingen in Kontakt kommen?

Mahmoud : Durch die familiäre Atmosphäre verschwinden die Ängste, und zwar auf beiden Seiten. Es ist immer besser, miteinander zu sprechen als übereinander, um diese Ängste zu brechen. Wir haben zum Beispiel einen Bewohner, der zu jemandem nach Hause zum Essen eingeladen wurde. Er war anschließend total begeistert. Dieses ehrenamtliche Engagement wollen wir auf die Beine stellen und möglichst ausweiten.

Ein großes Problem ist dabei die Sprache.

Mahmoud: Das stimmt. Aber wir sind von fast allen Bewohnern angesprochen worden, dass sie die Sprache lernen wollen, sogar die Kinder. Darum sind wir gerade sehr eng mit den Ehrenamtlichen und der interkulturellen Arbeitsstelle Ibis aus Sande im Austausch, wer einen Sprachkurs anbieten könnte. Man merkt: die Leute wollen aktiv und Teil der Gesellschaft sein.

Das kann doch für unsere Gesellschaft nur von Vorteil sein, oder?

Mahmoud : Absolut. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sollten wir dieses Potenzial nutzen. Die Leute sind clever und wollen hier etwas erreichen. 90 Prozent der Menschen, die ich hier in der Flüchtlingsunterkunft betreue, sind bewusst nach Deutschland gekommen, weil sie hier arbeiten wollen.

Und darum ist gerade die ehrenamtliche Arbeit so wichtig?

Mahomud: Ganz genau. Ich bin selber Ausländer und 2000 nach Deutschland gekommen. Ich vergleiche gute Integrationsarbeit immer auch mit einem guten Mutterboden. Die Willkommenskultur, mit der man mich damals aufgenommen hat, hat es mir viel leichter gemacht, mich in einem fremden Land zurechtzufinden und mir hier eine Zukunft aufzubauen. Und diese Willkommenskultur müssen wir pflegen. Denn nur auf einem guten Mutterboden kann die Aussaat gut gedeihen.

Wie oft finden die Treffen mit Ehrenamtlichen statt?

Mahmoud: Wir treffen uns zweimal in der Woche. Im Moment sind wir neun Ehrenamtliche aber es kommen immer neue dazu. Wer Interesse hat, kann sich ganz einfach an der Rezeption im „Dorf Wangerland“ melden.

Sebastian Urbanczyk
Sebastian Urbanczyk Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt