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Flugpionier Johann Lehmhus Der Vareler, der vom Fliegen träumte


Johann Lehmhus aus Varel-Neuenwege (in Pilotenkluft) mit seinem Monteur Johne und seiner Flugkonstruktion.
Heimatmuseum Varel

Johann Lehmhus aus Varel-Neuenwege (in Pilotenkluft) mit seinem Monteur Johne und seiner Flugkonstruktion.

Heimatmuseum Varel

Varel/Neuenwege - Er war ein Vareler Flugpionier mit einer steilen, aber sehr kurzen Karriere: Johann Lehmhus aus Neuenwege erlangte vor mehr als 100 Jahren einige Bekanntheit in der Region als „Aviatiker“. Seine Basteleien und Versuche sollten tatsächlich von Erfolg gekrönt sein.

Aber von vorn: 1906 verließ Johann Lehmhus die Volksschule, ging dann bei den Hansa-Automobilwerken in die Lehre und blieb dort bis 1912 als Industriekaufmann. Aber das reichte dem cleveren jungen Mann nicht. Er hängte seinen Job bei Hansa an den Nagel und fing an, sich mit technischen Dingen zu befassen.

Neben dem Haus seiner Eltern stand damals ein großer Maschinenschuppen, in den sich Johann Lehmhus zurückzog und in dem er zu tüfteln begann. Nicht etwa an einem Flugzeug, sondern an einem automatischen Kettenspanner für Fahrräder. Tag und Nacht arbeitete er daran und ließ sich seine Erfindung schließlich auch patentieren.

Eigenes Flugzeug gebaut

Ein Erfolg sollte man meinen, aber für den jungen Erfinder nicht genug. Er wollte hoch hinaus – im wahrsten Sinne – und studierte Zeitschriften und Bücher über Flugtechnik, um selbst so eine Flugmaschine bauen zu können. Zur Einschätzung: Es war das Jahr 1913, der erste Motorflug der Brüder Wilbur und Orville Wright in den USA war da gerade einmal zehn Jahre her, die Luftfahrt steckte noch in den Kinderschuhen. Gerade das machte den Bau eines eigenen Flugzeugs für Johann Lehmhus sicher auch so reizvoll.

Ein befreundeter Mechaniker unterstützte ihn bei seinem Vorhaben. Im Geheimen machten sie sich in dem Schuppen an die Arbeit. Es wurde gehämmert, gesägt und gefeilt – aber was in dem Schuppen entstehen sollte, konnte nicht lange geheimgehalten werden. Nicht nur, dass der Vareler Flugpionier alle Hände voll zu tun hatte, ein Flugzeug zu bauen, er kam in finanzielle Schwierigkeiten und durfte sich jetzt auch noch die Häme seiner Nachbarn anhören. Einige sollen ihm anonyme Briefe geschickt haben, um ihn zu verspotten.

Neuer Motor

Trotzdem gab es Unterstützer, die ihm mit Geld halfen. Und so stand im Frühjahr 1913 die Lehmhussche Flugmaschine auf einer Wiese an der Wapel. Abheben wollte er aber noch nicht. Es ging lediglich darum, zu sehen, ob der Motor stark genug ist, um damit abheben zu können. Das Ergebnis: Er war es nicht.

Monate vergingen, bis ein neuer Motor beschafft werden konnte. Bis dahin konnte ein kleiner Flugplatz im Herrenmoor gefunden werden, auf dem Johann Lehmhus dann im Juni 1913 mit 15 Pferdestärken mehr an den Start ging.

Seine tollkühne Kiste war in der Tat abenteuerlich: Der Motor stammte aus einem NSU-Motorrad, die Tragflächen und Leitwerke hatte der Tüftler aus Bambus zusammengebaut. Der Pilot saß auf einem Fahrrad und bediente mit dem Lenker und den Pedalen das Steuerruder, ein Querruder gab es nicht. Zwischen Motor und Propeller sorgte eine Übersetzung für die richtige Umdrehungszahl.

Ein paar Sekunden Flug

So seltsam die Konstruktion auch anmuten mochte, sie funktionierte: Johann Lehmhus gab Vollgas und hob tatsächlich ab, 30 bis 45 Sekunden hielt er sich mit seinem Flugzeug in der Luft, bevor er wieder auf dem Boden aufsetzte. Hochzufrieden steckte sich der Tüftler das nächste Ziel: Ein noch stärkerer Motor sollte dafür sorgen, dass der Flieger länger in der Luft blieb.

Der neue Motor kam und wurde eingebaut, alles war bereit für den nächsten Flugversuch im Herrenmoor, doch dazu kam es nicht mehr. In der Nacht vor dem geplanten Start starb Johann Lehmhus an einer kurzen schweren Krankheit im Alter von nur 22 Jahren. Dabei hatte er nicht nur den Spöttern in seinem Dorf gezeigt, dass er wirklich fliegen konnte, sondern machte auch weit über die Grenzen Varels auf sich aufmerksam. Eine englische Flugzeugfabrik hatte angeboten, ihn bei seinen Flugversuchen zu unterstützen. Die Früchte seiner Arbeit konnte der junge Flugpionier aus Neuenwege aber nicht mehr ernten.

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