Wangerooge - Ein Drittel der Wangerooger Bevölkerung – 429 Frauen und Männer – sind über 60 Jahre alt. Vor allem die Älteren, in der Regel Frauen, haben eine nicht besonders hohe Rente. Doch das Leben ist teuer – vor allem auf der Insel. „Und: Wir haben ein verflixtes Wohnungsproblem“, sagt Bernd Lotte. Beides zusammengenommen hat ihn und seine Mitstreiter Anke Schlake, Rainer Spyrka und Jochen Heinrich dazu bewogen, den Verein zur Förderung der Seniorenarbeit Wangerooge zu gründen. Seit Dezember ist der Verein eingetragen und als gemeinnützig anerkannt.
Für vieles fehlt Geld
„Wir wollen die Seniorenarbeit auf der Insel finanziell unterstützen“, erklärt Lotte. Der Seniorenbeirat setzt sich seit Jahren intensiv für die älteren Insulaner ein. Die Arbeit des Beirats beginnt mit den monatlichen Seniorencafés sowie Organisation von Vorträgen und dem monatlichen Seniorenbrief, reicht über die Vertretung von Senioren mit Vollmacht bei Krankenkassen und Ämtern und die Beratung zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht und endet noch lange nicht bei der Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst und der Beschaffung und Verwaltung von Pflegemitteln und ganz konkreter alltäglicher Hilfe im Alltag.
Der Förderverein ruft insbesondere die Familien der Wangerooger Senioren und alle anderen Insel-Bewohner sowie Zweitwohnungsbesitzer dazu auf, Fördermitglied zu werden. Mitgliedsanträge gibt es beim Förderverein direkt, Richthofenstraße 5, oder im Büro Gemeinwesenarbeit bei Sabine Eims neben dem „Diggers“. Der Jahresbeitrag kostet 15 Euro.
Spenden sind ebenfalls willkommen: Konto LzO DE74280501000093997443
Der Anteil von Senioren ist auf Wangerooge deutlich höher als in anderen Kommunen: Ein Drittel der Insulaner – 429 Personen – sind über 60 Jahre alt; davon sind 227 zwischen 60 und 70 Jahre, 114 zwischen 71 und 80, 79 zwischen 81 und 90 und 9 zwischen 91 und 100 Jahre alt.
„Was der Seniorenbeirat leistet, ist immens“, sagt Lotte. Und doch fehlt für vieles Geld. „Meist bleibt im Verborgenen, dass etliche Senioren finanziell schlecht gestellt sind. Diese Generation zeigt ihre Bedürftigkeit nicht“, weiß er. Um einiges abzufedern, will der Förderverein finanziell helfen. „Der Seniorenbeirat plant, das Depot für Pflegemittel räumlich zu erweitern: Pflegebetten, Rollatoren und Rollstühle, außerdem Pflegematerial – all das kann dann schnell mit finanzieller Hilfe des Fördervereins zur Verfügung gestellt werden“, berichtet Lotte. Über den Seniorenbeirat – Renate Zerhusen und Helge Biethahn – können diese Hilfsmittel beantragt werden. „Wenn sie mitbekommen, dass jemand Hilfe benötigt, gehen sie auf die Menschen zu. Auch wir tun das“, sagt Lotte.
Wohnungs-Notstand
Ebenfalls in Planung durch den Seniorenbeirat ist, den so genannten Haus-Notruf in noch mehr Wohnungen der Wangerooger Senioren zu bringen. Und Hilfe beim Beantragen von Pflegestufen will der Seniorenbeirat ebenfalls weiter bieten. Für besonders Bedürftige soll es auch direkte finanzielle Unterstützung geben. „Das ist natürlich hoch sensibel zu behandeln, denn viele Ältere lehnen die dringend notwendige Hilfe aus Schamgefühl ab“, weiß Lotte.
Das Geld für all das soll zum einen über Mitgliedsbeiträge zusammenkommen, zum anderen über Spenden. „Der Jahresbeitrag kostet 15 Euro im Jahr, das sind 1,25 Euro im Monat – das kann sich jeder leisten“, sagt Lotte.
Und noch ein Thema treibt den Förderverein, aber auch den Seniorenbeirat um: der Wohnungs-Notstand. Denn barrierefreie Senioren-Wohnungen gibt es auf Wangerooge kaum. „Dabei würden sicher viele Ältere sich gern verkleinern und ihre große Wohnung für Familien freimachen – wenn sie denn etwas anderes finden könnten“, sagt Lotte.
Dieses Thema haben auch Rat und Verwaltung im Blick und bei ihrer Haushaltsklausur vergangene Woche diskutiert. Denkbar wäre etwa, die ehemaligen TUI-Ferienwohnungen, die ohnehin ebenerdig sind, so zu sanieren und umzubauen, dass auch dort Senioren-Wohnungen entstehen.
