Jever - Ihre Arbeit steht im Lockdown still, in ihren Gesichtern sieht man die Verzweiflung und Enttäuschung: Betroffen sind Sven Glöckner aus dem Bistro Neue 17, Gitarrist Sebastian Schmalz, Sabine Brandt vom Schönheitssalon Kosmetik Konzepte und zahlreiche andere. Es sind Restaurantbesitzer, Inhaber von Salons und Sportstätten sowie hiesige Künstler, die die Fotografen Tian und Ilka Kruse ablichten wollen. Kostenlos, um ihnen im zweiten Lockdown zu helfen und ihre Notlage zu dokumentieren.
Die beiden Jeveraner – er stammt aus dem Emsland, sie von Wangerooge – wollen mit ihrem Fotoprojekt „Lockdown Lights“ ein bisschen Licht in die dunkle Corona-Stimmung bringen. Mit ihren Fotografien zeigen sie Menschen an ihren eigentlichen Arbeitsplätzen, deren Arbeit während des mittlerweile zweiten Lockdowns wieder einmal nicht möglich ist.
Tian und Ilka Kruse betreiben als Fotografen „Die Liebe & das Meer“ sowie die „Ideenplantage“, in der sie Firmen bei Medienproduktionen und Videotechnik unterstützen. Beides an der Kaakstraße 7, Jever. Wer sich für das Fotoprojekt „Lockdown Lights“ ablichten lassen möchte, kann sich unter Telefon 04461 / 74 64 530 melden.
Realität ablichten
Kollegen aus ihrem Fotografen-Netzwerk hatten bereits im ersten Lockdown die Idee, Chefs aus Branchen abzulichten, die wirklich betroffen sind von der Corona-Pandemie. Das griffen Ilka und Tian Kruse für ihre neue Heimat Jever – das Paar, das zuletzt in Bremen lebte, ist vor eineinhalb Jahren wieder in Nordseenähe und somit in die Marienstadt gezogen – auf. Aber unter eigenen Bedingungen: „,Lockdown Lights’ ist ein Projekt nach unserem Gusto mit unserer ganz eigenen Bildsprache. Wann können wir schon ganz nach unseren Vorgaben arbeiten?“, erklärt der 35-Jährige, „Wir wollen die Menschen in ihrem Naturell einfangen, aber mit viel Farbe und Lichteffekten.“
Tian und Ilka Kruse sind selbst in der Veranstaltungsbranche tätig und fotografieren auf Hochzeiten und zu Familienanlässen. Sie betreiben auch die Medienagentur „Ideenplantage“. Im Lockdown liegt die Veranstaltungsbranche so gut wie brach, die Kruses streamen Veranstaltungen online. Und Hochzeitsfotografien werden für dieses Jahr auch gebucht. „Da sind die Leute teilweise echt mutig, aber es gibt natürlich auch Absagen von Menschen, die ihre Hochzeit lieber ohne Einschränkungen feiern möchten“, erzählt Tian Kruse. „Uns geht es aber im Vergleich zu anderen noch relativ gut, vor allem im Online-Bereich. Daher können wir auch etwas an andere zurückgeben und für sie da sein“, so Ilka Kruse. Aus ihrem Fotoprojekt „Lockdown Lights“ könnten sich bestenfalls berufliche Synergien ergeben, wünschen sich die Eltern der vier Wochen alten Janne.
Interessierte können sich für das kostenlose Shooting bei den Kruses melden. Beiden ist es wichtig, dass sie selbst die Vorgaben machen: Für sie stehen die Corona-Regeln an erster Stelle. „Wir fotografieren nur eine Person, die Chefin oder den Chef des Betriebs“, sagen sie. Ein Foto von der ganzen Belegschaft lehnen sie ab. Es folgt ein Gespräch, das Tian und Ilka Kruse sehr wichtig ist: „Wir haben gemerkt, es ist auch ein bisschen Selbsttherapie und das Gespräch hilft uns gegenseitig, wenn wir uns das aktuelle Geschehen von der Seele reden können“, sagt die 33-Jährige.
Ausstellung als Wunsch
Sieben Shootings sind seit Projektbeginn Anfang des Jahres fertig, aktuell drei weitere geplant. „Wenn wir am Ende 20 oder mehr Bilder zusammen haben, wäre eine Ausstellung schon toll. Dann könnten wir das breite Spektrum des Projektes zeigen und das Zeitgeschehen der Corona-Pandemie darstellen“, so Tian Kruse, „Aber erst nach Corona, wenn alles ein wenig verdaut ist.“
