Varel/Oldenburg - Der Dokumentarfilm mit dem Titel „Konsequent Inkonsequent – Der Maler Franz Radziwill“ ist am Sonntag, 7. Mai, 11 Uhr, im Casablanca Kino an der Johannisstraße 17 in Oldenburg zu sehen. Buch und Regie führten Franz Radziwills Tochter Konstanze Radziwill und Gerburg Rohde-Dahl. Die Filmemacherinnen sowie der Radziwill-Biograf Eberhard Schmidt werden anschließend zum Gespräch bereitstehen.

Der Dokumentarfilm von 1995 lädt dazu ein, Radziwill in zahlreichen Interviews aus Sicht der ihm nahestehenden Menschen kennenzulernen. „Dabei bleiben die Widersprüche in ihrer jeweiligen Wahrnehmung bestehen“, heißt es in der Ankündigung. Seit dem Auftauchen eines nicht autorisierten Interviews mit dem Maler aus dem Jahr vor seinem Tod, das im derzeitigen Theaterprojekt des Oldenburgischen Staatstheaters mit dem Titel „Radziwill oder der Riss durch die Zeit“ thematisiert wird, ist wieder die Frage aufgekommen: Wie stand Franz Radziwill zum Nationalsozialismus?

1933 trat Radziwill in die NSDAP ein und erhielt an der Kunstakademie Düsseldorf eine außerordentliche Professur für Malerei. 1935 wurde er nach der Entdeckung früher Werke und wegen fehlenden Engagements im Sinne nationalsozialistischer Kunstpolitik wieder entlassen, so die Radziwill-Gesellschaft. Zudem waren NS-Studenten in sein Düsseldorfer Atelier eingebrochen und hatten die dort entstandenen Bilder als Beweis für seine fehlende Linientreue fotografiert. Denunziatorische Schreiben von Kollegen und Kunstkritikern führten trotz Radziwills Protest zum endgültigen Rauswurf.

1937 prangte das Porträt, das Otto Dix 1928 in Dresden von ihm gemalt hatte, an der Stirnwand der berüchtigten Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ mit der Unterschrift: „Kulturbolschewist Radziwill, wie kann man sich so malen lassen?“ Über 50 seiner Arbeiten wurden beschlagnahmt und zum Teil vernichtet. Jedoch wurde Radziwill auf Betreiben des Oldenburger Gauleiters Carl Röver rehabilitiert und Kulturbeauftragter der Dangaster Ortsgruppe der NSDAP, woraufhin er Ausstellungsbesuche und Lesungen klassischer Autoren organisierte. Seit 1937 stand er in Kontakt mit regionalen Vertretern der Bekennenden Kirche, die sich zu Versammlungen in seinem Dangaster Atelier trafen. Ab 1938 hatte er Ausstellungsverbot für Einzelausstellungen.