Friedeburg - Er musste ja unbedingt auf dicke Hose machen, zu viel trinken und ein Mädchen anbaggern, dessen Freund deswegen längst auf 180 war. Heute kann Christoph Rickels sein Verhalten von damals nicht mehr verstehen, denn heute ist der Friedeburger ein anderer Mensch. Es war dieser eine Abend, der sein Leben veränderte. Dieser eine Schlag. Über den verhängnisvollen Disco-Abend, der mittlerweile 13 Jahre zurückliegt, hat Christoph Rickels ein Buch mit dem Titel „Schicksalsschlag“ geschrieben, das jetzt erschienen ist.
Vier Monate im Koma
Christoph Rickels war 20 Jahre alt, durchtrainiert und der „selbst ernannte Obermacker von Friedeburg“, als er 2007 mit seinen Kumpels nach Aurich zur Disco Dinis fährt. Eigentlich wollten sie ins Twister, aber weil Lisa in Aurich feierte, wollte Christoph Rickels auch dort hin. Er stand total auf die junge Frau, nur gab es da ein Problem: Sie hatte einen Freund, und der hat längst gemerkt, dass der Kontrahent ihm sein Mädchen ausspannen will. Die Wut des Gehörnten entlud sich in einem Schlag, mit dem er Christoph Rickels vor der Disco niederstreckte.
Erschienen ist das Buch „Schicksalsschlag“ im Hamburger Verlag „Edel Books“. Das Taschenbuch hat rund 200 Seiten und ist zum Preis von 17,95 Euro erhältlich. Bestellt werden kann es mit der ISBN 978-3-8419-0721-9. Geschrieben hat Christoph Rickels das Buch zusammen mit dem freien Journalisten und Autoren Alex Raack.
Dieser Schlag hat das Leben des jungen Mannes für immer verändert. Vier Monate lang lag der heute 33-Jährige im Koma. Als er wieder aufwacht, ist er schwerbehindert. Seine körperlichen Verletzungen sind so schwer, dass er alles neu lernen muss: sprechen, laufen und sogar essen. Doch auch seine seelischen Wunden sind tief: Einsamkeit, Wut und Rachefantasien treiben den jungen Mann fast in die Verzweiflung – schließlich hat er verloren, bevor es überhaupt zum Kampf kam. Er hat nicht zurückgeschlagen. Er war sofort ausgeknockt. Er hat das Mädchen nicht bekommen.
Doch Christoph Rickels hat seine Erfahrungen zu seiner größten Stärke gemacht und hat beschlossen, sie zu nutzen, um anderen Menschen zu helfen. Seit er sich ins Leben zurückgekämpft hat, hält der Ostfriese Vorträge in Schulen und Gefängnissen, kämpft für Respekt und Toleranz. Auch in der Oberschule in Bockhorn hat Christoph Rickels vor drei Jahren schon zu den Schülern gesprochen. Er hat die Initiative „First Togetherness“ gegründet und hat viele prominente Unterstützer.
Kein Schmerzensgeld
Bis heute habe er das Schmerzensgeld in Höhe von 200 000 Euro, das ihm zugesprochen wurde, nicht bekommen, sagt Rickels. Doch er möchte nicht, dass Wut sein Leben bestimmt. „Wenn ich den Täter von damals treffen könnte, würde ich fragen, wie es ihm geht. Man macht es sich oft viel zu leicht und urteilt über Menschen, ohne sie zu kennen oder ihre Beweggründe zu verstehen. Vor allem macht Wut alles nur noch schwerer.“
