Jever - Das „Meer von Gräbern“ hat Renate Brunken und Inka Sanders sehr beeindruckt, ebenso der Anblick der zerstörten Häuser, aber auch die Dankbarkeit der Ukrainer für jede Unterstützung. Die beiden Frauen aus Friesland und das gesamte Team des Vereins „Friesen helfen grenzenlos“ haben vor Kurzem zum 20. Mal Hilfsgüter in die Ukraine gebracht.
Brot als bestes Geschenk
Was wird gebraucht in der Ukraine? In dem Land, in dem seit fast anderthalb Jahren Krieg herrscht? Fast jedes Mal bringt das Team frisches Brot aus lokalen Bäckereien mit. Und jedes Mal stellen sich Ukrainer in eine Warteschlange, um dieses Brot zu bekommen. Freiwillige vor Ort informieren die Bedürftigen vorab, wann genau die Deutschen mit humanitärer Hilfe ankommen.
„Einige küssen sogar das Brot. Das berührt uns sehr. Es ist erstaunlich, dass im 21. Jahrhundert so viele Menschen sich über Brot als bestes Geschenk freuen“, erzählt Renate Brunken. „Früher haben wir uns gefragt, ob es sinnvoll ist, Brot über 1500 Kilometer von Deutschland in die Ukraine zu bringen. Jetzt freuen wir uns sehr, wenn unsere Freunde – die Bäckerei Ralf Ulfers oder die Bäckerei & Konditorei Ulfers Eden – uns frisches Brot spenden.“
Sorge um Behinderte
Die Versorgung von Ukrainern, die nur eingeschränkt mobil sind, mit Hilfsgeräten wie Gehhilfen, Rollstühlen oder Rollatoren ist sehr akut. Die Friesen haben bereits mehr als 100 solcher Geräte geliefert, aber der Bedarf wächst und wächst.
„Viele Ukrainer erleiden jeden Tag schwere Verletzungen. Durch Beschuss oder durch massenweise vermintes Gebiet verlieren Menschen ihre Gliedmaßen, aber zum Beispiel auch ihre Augen. Wir helfen ihnen, sich fortzubewegen. Rollstühle, einschließlich Kinderrollstühle, werden leider in unbegrenzter Menge benötigt“, betont Renate Brunken.
Kindernahrung und Hygieneprodukte
Die Helfer aus Friesland widmen vor allem den Kindern des Krieges besondere Aufmerksamkeit – den Kindern von Binnenvertriebenen, den Kindern, deren Eltern das Land verteidigen oder gestorben sind. „Dies ist eine sehr verletzliche Bevölkerungsgruppe“, sagt Renate Brunken: „Sie erhalten Hilfe von ihrem Staat, aber diese ist oft nicht ausreichend, da Kindernahrung und Hygieneprodukte teuer sind.“
Eine alte Frau freut sich über Brot aus Deutschland.
Auch Windeln und Inkontinenzprodukte für Erwachsene bringen die Freiwilligen von „Friesen helfen grenzenlos“ in die Ukraine, da aus den Kriegsgebieten oft ältere Menschen evakuiert werden, die allein sind und Pflege benötigen.
Anlaufpunkt für die Friesen ist Zolochiv, eine kleine Stadt östlich von Lviv. Von dort aus verteilen ukrainische Helfer dann die Hilfsgüter weiter. Renate Brunken und ihre Mitstreiter haben aber auch schon andere Orte besucht, so zum Beispiel Lohvitsia.
Unterstützung für Krankenhaus bei Kharkiv
Das wohl anspruchsvollste Projekt der Initiative „Friesen helfen grenzenlos“ ist die Unterstützung eines kleinen Krankenhauses bei Kharkiv. Die Klinik war lange Zeit aufgrund fehlender Gelder geschlossen, hat aber dank der aufmerksamen Friesen den Betrieb wieder aufgenommen. Als Renate Brunken die Ärzte kennenlernte, konnte sie ihnen einfach die Hilfe nicht verweigern. In wenigen Monaten brachten die Friesen deshalb Ultraschall-Diagnosegeräte, Beatmungsgeräte, Geräte zur Anästhesie und Geräte zur Messung des Blutdrucks, dutzende Kilogramm Medikamente, chirurgische Materialien, Krankenhausbetten und Liegen sowie Hygieneartikel für die Patienten in das Krankenhaus.
Wer „Friesen helfen grenzenlos“ unterstützen möchte, kann das wie folgt tun.
Sachspenden können direkt bei Bettina Schild im Wangerland (Elisabethgroden 3c) oder bei Renate Brunken in Roffhausen (Roffhausener Landstraße 22) abgegeben werden. Kontakt: Renate Brunken (0170 / 2146062) und Bettina Schild (0152 / 015204629431).
Geldspenden können auf folgendes Spendenkonto bei der Volksbank Jever überwiesen werden:Empfänger: Friesen helfen grenzenlos e. V. i. Gr.IBAN: DE 2528 2622 5411 0643 8000Verwendungszweck: Ukraine-HilfeFür die Ausstellung einer Spendenquittung bitte die Adresse mit angeben.
„Dieses Krankenhaus liegt an der Grenze zur Region Kharkiv, wo Kämpfe stattfinden. Daher werden verwundete Soldaten und Zivilisten zur Behandlung dorthin gebracht. „Wir sind sehr froh, dass wir diesem kleinen Krankenhaus wieder helfen konnten. Wir werden uns weiterhin um sie kümmern“, verspricht Renate Brunken.
Glücklicherweise gibt es erfahrene Ärzte im Team von „Friesen helfen grenzenlos“, darunter Oleg Melekh und Maksym Bryhzak. Sie wissen, welche Medikamente oder medizinische Ausrüstung für die Ukraine benötigt werden.
Wohnhaus zerstört: Neun Opfer
Während der jüngsten Reise in die Ukraine besuchten Renate Brunken und Anke Schild den Ort eines Raketenangriffs in Lviv. Bei einem Angriff auf Mehrfamilienhäuser kamen neun Menschen ums Leben, mehr als 40 wurden verletzt. Während des Aufenthalts der Friesen in Lviv liefen noch immer die Such- und Rettungsarbeiten.
„Dies ist ein Ort des menschlichen Leidens. Die Menschen haben eine improvisierte Gedenkstätte für die Opfer des russischen Angriffs errichtet und bringen Blumen und Kerzen dorthin. Dieser Angriff auf Lviv hat uns daran erinnert, dass der Krieg in der ganzen Ukraine stattfindet, unabhängig davon, wie weit eine Siedlung von der Frontlinie entfernt ist“, sagt Brunken.
„Ein Meer von Gräbern“
Ukrainische Freiwillige zeigten ihren deutschen Kollegen auch den Lviver Friedhof, auf dem die im Krieg gefallenen Soldaten begraben werden. „Es ist einfach ein Meer von Gräbern. Über jedem Grab weht die ukrainische Flagge – als Zeichen, dass die Person für die Ukraine gestorben ist. Es gibt Hunderte oder sogar Tausende solcher Flaggen. Und das ist nur eine Stadt. Solche Friedhöfe gibt es in fast jeder Gegend. Die Ukrainer bezahlen einen unglaublich hohen Preis für ihre Freiheit“, sagt Renate Brunken leise und nachdenklich.
Dank von Ukrainern
Für ihre Hilfe erhalten die Freiwilligen aus Friesland jedes Mal Hunderte von Dankesworten und -schreiben. Kinder, ältere Menschen, Vertriebene, Ärzte und Soldaten – alle sind über diese Hilfe sehr dankbar. Auch offizielle Dankesschreiben gibt es: von Militärkrankenhäusern, Pflegeheimen oder örtlichen Behörden. Videos von der Front und den besetzten Städten werden für sie aufgenommen. „Oft bringen uns diese Videos zum Weinen. Zum Beispiel, wenn ein Soldat erzählt, dass er mit dem von uns übergebenen Feldbett seinen Kameraden retten konnte, wie können wir da die Tränen zurückhalten“, erzählt Renate Brunken.
Kaum wieder zurück, setzt das Team von „Friesen helfen grenzenlos“ die Sammlung von Geld- und Sachspenden fort. Bereits für Ende dieses Monats planen die Helfer den nächsten Hilfstransport. Deshalb bitten sie eindringlich um Spenden in Form von Geld, Lebensmitteln, Medikamenten oder Hygiene-Artikeln. Brunken „Wir machen weiter – anders geht es nicht.“
