Friesland/Wesermarsch - Der Friesische Klootschießerverband (FKV) steht vor einem personellen Umbruch. So hat der FKV-Vorsitzende Jan-Dirk Vogts (Hollwege) bekannt gegeben, dass er nach 20 Jahren im Vorstand und 16 Jahren an der Spitze des Verbandes, über seinen Rücktritt nachdenkt.
Bei einer Video-Konferenz des FKV mit dem erweiterten Vorstand war zu diesem Thema Helfried Goetz, Bürgermeister der Gemeinde Friedeburg, zugeschaltet. Der bekannte Klootschießer aus Ostfriesland stellte sich dabei als Kandidat für das Amt von Vogts vor.
Volle Unterstützung
Sportlich erfolgreich war Goetz unter anderem bei den Europameisterschaften der Friesensportler 2008 in Irland und 2012 in Italien, als er jeweils EM-Gold mit dem FKV-Team holte. Der 49-jährige Ostfriese erhielt nach seinen Aussagen bei der virtuellen Vorstellung den Applaus der Teilnehmer an der Online-Konferenz. „Er hat die volle Unterstützung der Oldenburger und Ostfriesen“, zeigt sich auch Helmut Riesner, Vorsitzender des Klootschießer-Landesverbands Oldenburg (KLVO), von Goetz angetan.
Coronabedingt muss allerdings die turnusmäßig Anfang März geplante FKV-Versammlung ausfallen. Sie soll in den September verlegt werden. Dort wäre dann auch die Wahl von Helfried Götz zum zweiten FKV-Vorsitzenden möglich. Der Friedeburger könnte sich dann als Stellvertreter im Verband einarbeiten.
Eigentlich war Johannes Trännapp nach seiner Wahl zum zweiten FKV-Vorsitzenden 2019 als kommender Verbandschef gehandelt worden. Aus privaten Gründen verabschiedet sich der Bürgermeister der Samtgemeinde Hage aber nun von der Funktionärs-Bühne.
Jan-Dirk Vogts steht dem FKV seit 2005 vor. Wann der 63-Jährige genau aufhört, ist noch offen. Allerdings ist dem Ammerländer die Außendarstellung ostfriesischer Funktionäre in Bezug auf die Umbesetzung der Spitzenposition im Verband sauer aufgestoßen. „Das ist eine geringe Wertschätzung der Arbeit, die man gemacht hat“, ärgert sich Vogts: „Ob und wie lange ich mich weiter zur Mitarbeit zur Verfügung stelle, lasse ich offen. Ich schaue mir die weitere Entwicklung an.“
Der Vorstand des Friesischen Klootschießerverbands will in naher Zukunft sein Konzept für die Europameisterschaften vom 26. bis zum 29. Mai 2022 vorstellen. Die Titelkämpfe in Schleswig-Holstein waren ursprünglich für das Himmelfahrt-Wochenende im Mai 2020 terminiert worden, mussten wegen der Pandemie aber schon zweimal verschoben werden.
Für die Werferinnen und Werfer stehen noch Qualifikationen in den drei Disziplinen Kloot-, Holland- und Eisenkugel an. Der FKV-Vorstand will Klarheit darüber schaffen, wie mit dem bestehenden Aufgebot und möglichen Neulingen um die Kaderplätze geworfen wird.
Bei den Jugendlichen fallen durch die coronabedingte EM-Verlegung hoffnungsvolle Aktive altersbedingt heraus. Die EM findet normalerweise alle vier Jahre statt. Jetzt müssen die Friesensport-Fans sechs Jahre warten. Die Heim-EM des FKV ist für 2024 im Kreisverband Esens in Neuharlingersiel geplant.
Die Verbände aus Italien und Irland haben ihre Bereitschaft dazu erklärt, zweimal innerhalb von zwei Jahren nach Deutschland zu reisen. Das sei dank Sponsoren finanziell möglich.
Somit schimmert einmal mehr die jahrelange Rivalität zwischen den beiden Landesverbänden hervor. Nach dem Abgang des Hollwegers stünde ein Ostfriese an der Spitze. Dann wiederum stünde den Oldenburgern zu, einen neuen Kandidaten für den Vizeposten zu benennen, der von der Versammlung gewählt wird.
Einige Baustellen
Unterdessen gibt es beim FKV einige Baustellen – sowohl in sportlicher, als auch in personeller Hinsicht. So werden schon seit geraumer Zeit Frauenwartinnen für das Boßeln, Klootschießen und Hollandkugelwerfen gesucht. Zudem stehen der 2018 gewählte FKV-Boßelobmann Alwin Jurisch (Pfalzdorf) und der langjährige FKV-Justiziar Joachim Karsjens (Wiesederfehn) vor dem Abgang.
Dem Friesischen Klootschießerverband gehören noch 32 000 Mitglieder an. Vor Vogts stand Jardo Tapper acht Jahre an der Spitze des FKV. Der Blomberger war damals Nachfolger von Rolf Blumberg aus Stollhamm, der dieses Amt vier Jahre lang inne hatte.
