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Zusammenlegung der Notdienste Ärzte wollen nicht klein beigeben

Friesland - Der Frust und der Ärger bei die friesischen Ärzten sitzt tief. Wie vor zehn Jahren sehen sie sich wieder mit einem Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) gegenüber, die ärztlichen Bereitschaftsdienste zusammenzulegen.

Angst um Patienten

Die größte Befürchtung der Mediziner: eine qualitative Verschlechterung der ärztlichen Versorgung ihrer Patienten. Die KVN hatte zwar angekündigt, sich die Argumente der Ärzte noch einmal anzuhören und die getroffene Entscheidung eventuell zu überdenken. So recht dran glauben wollen die Ärzte daran aber nicht. „Im Prinzip ist es schon 5 nach 12. Eine ergebnisoffene Diskussion gibt es nicht“, sagt Dr. Markus Ennen aus Schortens. Man habe die Kollegen mit dem Schreiben vom 15. Oktober vor vollendete Tatsachen gestellt. „Selbst eine Informationsveranstaltung hat man uns mit dem Hinweis auf Corona verwehrt“, ärgert sich Ennen.

KVN will Geld sparen

Die KVN will mit der Zusammenlegung und nur noch einer Notfallpraxis in Wilhelmshaven Geld sparen. Die Mediziner befürchten hier eine Strategie, die zu Lasten der Patienten geht. „Am besten darf der Notdienst nichts kosten. Und wie könnte das besser gelingen als mit nur einer Praxis wo kaum jemand hingeht, weil die Patienten eher den Notarzt rufen?“, fragt Ennen.

Acht Dienste im Jahr haben er und seine Kollegen im Wangerland, Schortens und Jever, drei die Wilhelmshavener. Das sei keine übermäßige Belastung. Und selbst die Aussicht auf gar keinen Bereitschaftsdienst sorge nicht für eine steigende Nachfrage an Ärzten im ländlichen Raum, so die Erfahrung der Mediziner.

Argumente dagegen

Landrat Sven Ambrosy sieht zwei weitere Knackpunkte in der Argumentation der KVN. Seine Forderung: „Hört endlich auf eure Mitglieder. Zu diesem Thema gibt es keine zwei Meinungen.“ Des Weiteren verweist Ambrosy auf eine Vereinbarung der KVN mit dem Land Niedersachsen, in der die medizinische Versorgung gerade im ländlichen Raum gestärkt werden soll. „Die jetzigen Pläne laufen zu dieser Vereinbarung komplett quer“, so sein Vorwurf. Jetzt gelte es, die Zusammenlegung der Bereiche Jever-Schortens-Wangerland mit Wilhelmshaven-Sande zu stoppen. Danach müsse man miteinander sprechen, um eine Lösung zu finden.


„Außerdem“, so Ambrosy, „ist Friesland der zweitälteste Landkreis. Die Menschen werden immer immobiler. Wie soll das gehen?“ Matthias Abelmann, niedergelassener Arzt in Wilhelmshaven und Bezirksvorsitzender der KVN, verweist hier auf die bleibenden Strukturen der Fahrdienste.

Wangerlands Bürgermeister Mario Szlezak verweist allerdings noch auf ein anderes Problem. „Wir sind hier Urlaubsregion. Da brauchen wir einen verlässlichen Notdienst auch in der Fläche. Dr. Michael Benjes aus Hohenkirchen ergänzt: „Wir haben in den Sommermonaten gut 1/3 Urlauber als Patienten.“ Es müsse darum gehen, den Status quo zu erhalten.

was jetzt passiert

Für die Ärzte heißt es jetzt erst einmal abwarten was die gestrigen Gespräche der KVN mit dem Landrat ergeben haben. In der Zwischenzeit wollen Ennen und seine Kollegen ein Meinungsbild der über 50 betroffenen Ärzte einholen.

Diese will man dann am 16. Dezember auf der Bezirksstellenkonferenz der KVN vorlegen. Das wird dann auch der Stichtag sein, an dem die endgültige Entscheidung über die Zukunft der ärztlichen Bereitschaftsdienste fallen soll.

Sebastian Urbanczyk
Sebastian Urbanczyk Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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