Friesland/Ems-Jade - Stall statt Wiese heißt es für die Hühner, Puten, Enten und Gänse im gesamten Bereich des Zweckverbandes Veterinäramt Jade-Weser. Mit dem Auftreten der Geflügelpest bei Wildvögeln, auch Vogelgrippe genannt, soll das Hausgeflügel vor einer Infektion geschützt werden.
Hieß es im Oktober noch, dass ein Mäusebussard in Mecklenburg-Vorpommern und verschiedene Wildvögel in Schleswig-Holstein infiziert waren – so geht der Blick jetzt vor die eigene Haustür: Die Vogelgrippe ist in der Region angekommen. Das bestätigt auch Dr. Norbert Heising, Geschäftsführer des Zweckverbandes Veterinäramt Jade-Weser: „Wir haben flächendeckend Fälle. Die Geflügelpest ist hier, das wissen wir.“ Das Zuständigkeitsgebiet des Zweckverbandes erstreckt sich über einen großen Nordseeküstenstreifen im Nordwesten Niedersachsens. Und so berichtet Heising, dass derzeit Untersuchungen aus mehreren Gebieten laufen.
Ein Schwerpunkt in Friesland sei zum Beispiel der Bereich um den Jadebusen, bei Varel. Kotproben der Vögel werden in einer Erstuntersuchung auf die Vogelgrippe-Erreger im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg untersucht. Die Einrichtung gehört zum Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves).
Neu ist das Virus nicht. Die letzte Vogelgrippe-Welle war 2016/17. Doch dass die Tierseuche bereits zu Beginn der Risikozeit so stark vertreten ist, das überrascht die Experten. Norbert Heising erklärt, die Risikozeit für Geflügelpest sei von Oktober bis April. Auch Harmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Friesland, betont: „Wir stehen gerade mal am Anfang des Winters und die Geflügelpest geht mit einer Heftigkeit los, wie noch nie.“ 15 bis 20 Fälle pro Tag würden in Niedersachsen gemeldet. „Es kommt gerade ziemlich dick von allen Seiten: mit Corona, der Schweinepest und nun auch der Vogelgrippe“. Glücklicherweise seien bislang nur Wildvögel betroffen, so Seetzen.
Hygiene ist das A und O
Und was passiert, wenn eine Pute das H5N8- oder H5N5-Virus in sich trägt? Dann drohen Schlachtungen. Um das zu verhindern, müssen die Landwirte jetzt ihr Geflügel schützen. Etwa 650 Tierhalter sind allein in Friesland betroffen, die der Anordnung des Zweckverbandes nachkommen müssen. Doch die Sicherheit kostet Geld und ist mit Aufwand verbunden, so müsste zum Beispiel pro Stall ein anderes Paar Schuhe getragen werden, um der Gefahr zu entgehen, kontaminierten Kot mit in einen Stall zu schleppen, erklärt Harmut Seetzen. Das Stroh, das zum Einstreuen benutzt wird, muss abgedeckt werden. Der Zweckverband Veterinäramt Jade-Weser weist zusammen mit dem Land Niedersachsen und dem Laves darauf hin, dass für Hofmitarbeiter ein betriebseigener Overall zu tragen ist. Bei Sturm sollten die Jalousien/Lüftungsklappen an der dem Wind zugewandten Seite des Stalls geschlossen werden. Hygiene sei das A und O, so Seetzen. Doch gerade draußen sei das nicht gerade leicht umzusetzen. Den Weg in den Stall und die Maschine, die in den Stall fährt, sauber und erregerfrei zu halten, das sei eine echte Herausforderung. Einerseits sei der Wunsch in der Gesellschaft da, die Tierhaltung offener, freier und luftiger zu gestalten, andererseits zeige sich in solchen Krisen eben auch die Schattenseite hiervon, sagt Hartmut Seetzen.
Obwohl durch die Aufstallung nicht mehr von einer Freilandhaltung gesprochen werden kann, dürfen Landwirte ihre Waren noch 16 Wochen als „Freiland“ anbieten, erklärt Dr. Norbert Heising. Wie lange die Vorsichtsmaßnahmen gelten, das könne er noch nicht sagen. „Wir hoffen, dass sich die Vogelgrippe nicht bis ins Frühjahr durchzieht.“ In einer ersten Phase seien oftmals Gänse betroffen, in einer zweiten Phase Aasfresser. „Hier mache ich mir Gedanken um die Greifvogelpopulation“, sagt Heising. Insbesondere für die geringen Bestände des Seeadlers sei die Infektionsgefahr tragisch. „Wir müssen schauen, ob sich die Lage beruhigt“, sagt Heising.
Auch in Wilhelmshaven ist die Vogelgrippe angekommen: Am Südstrand wurden mehrere tote Gänse gefunden, die Laboruntersuchungen bestätigen den Verdacht. Die Nationalparkverwaltung bittet Spaziergänger um Rücksichtnahme gegenüber kranken Vögeln. Man solle Abstand halten und die Vögel in Ruhe lassen, Hunde seien unbedingt anzuleinen. Eine Hilfe für die erkrankten Vögel ist nicht möglich.
