Friesland - Die Corona-Krise verändert das Reiseverhalten vieler Menschen. Während die Anbieter von Flugreisen derzeit stark unter Druck stehen, boomt der Verkauf von Wohnwagen und Wohnmobilen. Davon profitieren auch die Händler in der Region.
„Wer sich heute ein Wohnmobil nach seinen Vorstellungen aussucht, wird es voraussichtlich frühestens im Herbst geliefert bekommen“, sagt Timo von der Kammer, Geschäftsführer der Freizeitmobile von der Kammer GmbH (Sande). Die Jahresproduktion für 2021 der meisten Hersteller sei bereits seit Wochen ausverkauft. Für den Kunden bleiben als Alternativen: Er kauft ein bereits beim Händler stehendes Fahrzeug, auch wenn das vielleicht nicht die Wunschfarbe hat – oder er wartet auf die Modellreihe 2022, die ab Herbst ausgeliefert werden wird.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Viele Menschen glauben offenbar angesichts der Corona-Pandemie nicht daran, dass unbeschwerte Bus-oder Flugreisen rund um den Globus in absehbarer Zeit wieder möglich sein werden. Hinzu kommt der Respekt vor zu großer Nähe in Hotels und Pensionen – trotz aller Hygienekonzepte. Campingwagen oder Wohnmobile versprechen eine gewisse Unabhängigkeit und Abgeschiedenheit.
Obwohl die meisten Wohnmobil- und Campingmessen im vergangenen Jahr coronabedingt ausgefallen sind, spüren die Händler die verstärkte Nachfrage – nach Einsteigermodellen, aber auch nach Fahrzeugen in gehobenen Ausstattungs- und Preisklassen. Allerdings, so Anja Göhler, verantwortlich für Radeberger Reisemobile in Hooksiel, habe das gestiegene Interesse zumindest bei ihr nicht zu explodierenden Umsätzen geführt. Zum einen sei die Filiale selbst teilweise geschlossen gewesen, zum anderen hätten in der ersten Jahreshälfte 2020 deutlich weniger Menschen Urlaub, also potenzielle Kunden, im Wangerland verbracht. Die Positiv- und Negativ-Effekte hätten sich übers Jahr gesehen ausgeglichen.
Das Interesse an den Modellreihen 2022 sei bei den Wohnmobilisten sehr groß, sagt Timo von der Kammer. Allerdings seien die Verkaufsgespräche aktuell dafür noch schwierig. „Wir wissen nicht, wie die neuen Modelle aussehen – und auch nicht, was sie kosten.“ Die 20 Mitarbeiter bei Freizeitmobile von der Kammer hätten dennoch genug zu tun. „Wir werden keine Kurzarbeit anmelden müssen, weil wir keine Wohnmobile mehr zu verkaufen haben.“
Seine Musterfahrzeuge werde er auf keinen Fall verkaufen, sagt Heiko Rübsamen von Reisemobile Rübsamen in Jever. „Ich muss den Kunden ja noch etwas zeigen können.“ Auch wenn die Details der Modellreihen 2022 der von ihm vertriebenen Marken noch nicht feststünden, könne man Interessierten, darunter vielen Neueinsteigern, anhand der 2021-Modellen eine Vorstellung davon geben, worauf sie sich freuen dürfen.
Über einen Mangel an Arbeit klagt auch im Hause Rübsamen niemand. „Wir erledigen Servicearbeiten, rüsten Neufahrzeuge zur Auslieferung aus oder andere um“, sagt Heiko Rübsamen. „Außerdem beginnt schon bald wieder die Vermietungssaison.“
