Varel - Seit sechs Jahren bilden das St.-Johannes-Hospital in Varel und das Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch gemeinsam die Friesland-Kliniken. Das fusionierte Krankenhaus mit insgesamt knapp 500 Betten und rund 1500 Beschäftigten steht in Trägerschaft des Landkreises Friesland. Das ist die Papierform. In der Praxis gibt es zwar eine gemeinsame Geschäftsführung, Verzahnungen zwischen den Standorten und einen einheitlichen Auftritt nach außen. Aber in der Realität laufen Teile der ursprünglich selbstständigen Häuser unverändert parallel nebeneinander her.
Unbelastet von Historie
Diese Situation findet die neue Geschäftsführerin der Friesland-Kliniken vor, die Anfang November von Köln nach Friesland gewechselt ist. Petra Hohmann soll die Verschmelzung der beiden Krankenhaus-Standorte vorantreiben. Aufsichtsratsvorsitzender Sven Ambrosy hatte die Entscheidung für jemanden von außerhalb als eines der Qualifikationsmerkmale bezeichnet. Die 53-Jährige soll unbelastet von der Historie der beiden Häuser sachgerechte Entscheidungen treffen.
Wie viel zu tun ist, zeigt ein Blick auf die aktuellen Themen der Verzahnung: Ein IT-System auf einem gemeinsamen Server steht aus. Nach wie vor werden die Daten der beiden Häuser in zwei verschiedenen Informationssystemen (KIS) verarbeitet. Dr. Wodrich und Petra Hohmann wollen den Austausch der Führungskräfte fördern. Die Chefärzte der beiden Häuser treffen sich zwar – aber bislang nur zwei Mal im Jahr. Auf der Ebene der Abteilungsleitungen gibt es noch keine gemeinsamen Runden. Die Geschäftsführung will Ärzten und Pflegern Einblicke in den jeweils anderen Standort ermöglichen. „Wir bieten an, dass beispielsweise ein Narkosearzt aus Varel ein halbes Jahr in Sanderbusch arbeitet und umgekehrt“, sagt Dr. Wodrich. „Dort gibt es andere Techniken und Arbeitsabläufe, so dass dies fachlich herausfordernd und den Arbeitsalltag erweiternd ist.“ An beiden Standorten gibt es sogenannten SOS-Pflegekräfte – sie sind nicht bestimmten Abteilungen zugeteilt, sondern können je nach Bedarf auf unterschiedlichen Stationen eingesetzt werden. Dr. Wodrich kann sich vorstellen, dass SOS-Kräfte in Zukunft standortübergreifend arbeiten können, wenn sie dies möchten.
Misstrauen
Petra Hohmann kennt die Befindlichkeiten und Vorbehalte, die eine Fusion auslösen kann, aus ihren früheren Tätigkeiten. „Auch in meinen ersten Wochen in Friesland sind mir schon allerlei Befürchtungen und Sorgen entgegengebracht worden.“ An beiden Standorten gibt es die Sorge, bei der Verschmelzung den Kürzeren zu ziehen. „Gerade in Varel als dem kleinen Haus ist ein Misstrauen zu spüren.“ Beide wiederholen die Entscheidung des Aufsichtsrats, beide Krankenhaus-Standorte zu erhalten. Dr. Wodrich ist überzeugt: „Nur gemeinsam haben wir eine Chance. Der einzelne Standort für sich genommen wäre kaum überlebensfähig.“
