Friesland - Viel deutlicher hätte die Kritik nicht ausfallen können: Was die Bekämpfung der jüngsten Mäuseplage durch die Landwirte angeht, hatte Jochen Meier „nicht damit gerechnet, dass so viele Köche den Brei verderben“. Der Leiter des Fachbereichs Umwelt präsentierte am Dienstag dem Kreis-Umweltausschuss eine Vorlage, in der es heißt: Im Fall „Mäusemanagement“ habe die „Koordinierung durch die Landesverwaltung bezogen auf den Landkreis Friesland zu Mehraufwand und vor allem zu längeren Verfahren geführt“. Ein weiterer Seitenhieb: Laut Meier sei die Anweisung der Landesbehörde selbst für die Mitarbeiter des Landkreises nur „schwer lesbar“ gewesen.

Die Ausgangslage: Im vergangenen Jahr gab es auch im Landkreis Friesland im Zuge einer extrem hohen Feldmaus-Population große Schäden auf Dauergrünlandflächen. Anfang Februar gab es Gespräche des niedersächsischen Umweltministeriums mit Vertretern der unteren Naturschutzbehörden und der Landwirtschaftskammern, um geeignete Maßnahmen zur Wiederherstellung von betroffenen Flächen festzulegen.

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Ziel war es, „einfache und schnelle Verfahren zur Genehmigung von Wiederansaaten auf Dauergrünland nach vorheriger mechanischer Flächenbearbeitung“ auf den Weg zu bringen. Dieses Ziel sei mit dem Erlass vom 18. Februar „deutlich verfehlt“ worden, heißt es dazu in der Vorlage. Vielmehr hätten die Antragsverfahren für alle Beteiligten „Unsicherheit und Mehrarbeit“ bedeutet.

Tatsächlich gingen beim Landkreis Friesland 18 Anträge für eine Gesamtfläche von 255 Hektar ein. Das entspricht etwa zwei Prozent der geschätzten von der Mäuseplage geschädigten Fläche. Wegen fehlender Informationen zur Flächenidentifizierung habe der Landkreis in nahezu der Hälfte der Verfahren Unterlagen über die Landwirtschaftskammer nachfordern müssen. Statt der üblichen zwei bis drei Tage habe das eine Bearbeitungszeit von vier bis fünf Tagen bedeutet. Der „Verfahrensdruck“ ging im Februar/März deutlich zurück, weil in dieser Zeit die Mäusepopulationen durch Starkregen deutlich reduziert wurde.


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Unter dem Abschnitt „Würdigung der Umweltverwaltung“ stellt der Kreis abschließend in der Vorlage fest, „dass gutes Krisenmanagement nicht abhängig von überregionalen Verfahrensfestlegungen sein muss“. Wegen der engen Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft hätte aus Sicht des Umweltamtes „eine regional zwischen den Landkreisen abgestimmte Verfahrensweise wohl zu einem schnelleren und ökonomischeren Handeln geführt“. Schließlich kritisiert der Kreis „das späte Tätigwerden der Landesbehörden“ mit Verabschiedung des Erlasses am 18. Februar, denn „bekannt waren die Schäden ja bereits Ende 2019“.