Friesland - Seit Ausbruch des Krieges in ihrer Heimat sind inzwischen rund 1000 Flüchtlinge aus der Ukraine in Friesland angekommen. Konnten sie zunächst in Wohnungen untergebracht werden, sind Landkreis, Städte und Gemeinden inzwischen an ihre Grenzen gekommen.
Deshalb hat Landrat Sven Ambrosy in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass neben den Sammelunterkünften in Varel, Roffhausen und Sande nun auch die Sporthalle an der Kieler Straße in Schortens für Flüchtlinge hergerichtet wird.
Woche für Woche kommen 50 bis 75 Menschen in Friesland an, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. Wie sie auf die einzelnen Städte und Gemeinden verteilt werden, ist nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel festgelegt. „Derzeit müssen noch alle Kommunen in Friesland aufnehmen“, sagt Sven Ambrosy.
Gemeinsamer Kraftakt
Nach zwei Jahren Corona-Pandemie und ohnehin schon gebeutelt durch Inflation und die drohende Energiekrise seien die Menschen am Anschlag, sagte der Landrat. Die Aufnahme der Kriegsflüchtlinge müsse aber dennoch als Gesellschaft gelingen.
Wer ungenutzten Wohnraum hat, möge sich bei seiner Kommune melden. Das gilt übrigens auch für sanierungsbedürftige Wohnungen und Häuser. „Die Instandsetzung wird vom Bund bezahlt“, sagt Ambrosy. Der Eigentümer erhält eine angemessene Miete. Und nach dem Ende der Flüchtlingskrise stünden die Wohnungen dann auch weiter für den Wohnungsmarkt zur Verfügung. Denn, und auch das betonte der Landrat, auch Einheimische suchen bezahlbare Wohnungen. Die Lage ist insgesamt angespannt. Deshalb der Appell: Jede Wohnung hilft.
Halle Kieler Straße
Als nächstes wird die Sporthalle an der Kieler Straße in Schortens als Sammelunterkunft hergerichtet. Sie wird normalerweise von der Oberstufe der IGS Nord für den Schulsport genutzt. Außerdem trainieren dort fünf Sportvereine. Wie sie alle nun damit umgehen werden, dass ihre Sportstätte plötzlich wegfällt, ist noch ungewiss.
Weder der Vorsitzende des Kreissportbundes, Kai Langer, noch Jörg Höfer, stellvertretender Schulleiter der IGS Nord, können derzeit sagen, wie das Problem gehändelt werden könnte. Klar ist: Es wird enger werden in den verbliebenen Hallen, und es wird wohl auch die eine oder andere Mannschaft auf eine Trainingszeit verzichten müssen.
Dass die Situation unbefriedigend ist, weiß auch der Landrat. Ebenso, dass es problematisch ist, wenn Kinder nach zwei Jahren Pandemie nun vielleicht wieder keinen Sport treiben können. Allein: es fehlt die Alternative.
Containerdorf
Da damit zu rechnen ist, dass im Herbst und Winter noch mehr Menschen aus der Ukraine flüchten werden, wird der Kreistag in seiner Sitzung im September über die Errichtung eines Containerdorfes entscheiden. Es soll Platz für 330 Menschen bieten. Wo es entstehen soll, gab Ambrosy aus rechtlichen Gründen noch nicht bekannt.
Ehrenamt
Die derzeitigen Sammelunterkünfte werden noch von Ehrenamtlichen, hauptsächlich von der Johanniter Unfallhilfe und dem Deutschen Roten Kreuz, betrieben. Diese Aufgabe werde aber nun ausgeschrieben. „Die Ehrenamtlichen können das nicht mehr lange durchhalten“, sagt Ambrosy.
Hohe Motivation
426 geflüchtete Menschen sind inzwischen bereits als Kunden beim Jobcenter Friesland registriert und erhalten Leistungen. Es sei eine enorme Herausforderung, so viele Neukunden auf einmal zu versorgen, sagte Andreas Bruns, Leiter des Jobcenters. Doch bislang klappe es gut.
Und während die Mitarbeiter noch damit beschäftigt sind, die Anträge der Ukrainer zu bearbeiten, fragen erste Arbeitgeber schon nach Arbeitskräften aus der Ukraine. Deren Vermittlung wird aber noch etwas dauern. „Wir erheben gerade, welche beruflichen Qualifikationen die Menschen mitbringen“, sagt Bruns.
Die Motivation, schnell Arbeit zu finden, sei bei den Geflüchteten groß, sagt Wencke Burkhardt, stellvertretende Leiterin des Jobcenters. Alle, die bereits Kunden des Jobcenters sind, seien zu Sprachkursen angemeldet und bemüht, schnell Deutsch zu lernen.
