Friesland - Der Landkreis Friesland muss im Zeitraum vom 1. Oktober dieses Jahres bis 31. März 2024 weitere bis zu 239 Geflüchtete aufnehmen. Diese Zahl hat das Land per Erlass dem Landkreis mitgeteilt. „Ob, wann und wie viele Personen tatsächlich zugewiesen werden, ist nicht bekannt“, teilte Kreissprecherin Nicola Karmires auf Anfrage mit.

Notunterkünfte des Landkreises sind aktuell nicht geplant. Bereits im Juni hatte der Kreis mitgeteilt, dass das Containerdorf im Gewerbegebiet in Jever und die BBS-Halle in Varel bald nicht mehr benötigt würden.

Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass es in den Städten und Gemeinden in Friesland genügend Wohnraum und Plätze in Gemeinschaftsunterkünften gibt. Sammelunterkünfte haben im Jeverland die Gemeinde Sande (Klaus-Bünting-Halle) sowie die Stadt Schortens eingerichtet (ehemalige Heinz-Neukäter-Schule und Bürgerbegegnungsstätte, beide in Roffhausen). Ziel sei es, die Geflüchteten direkt in Wohnungen unterzubringen, heißt es seitens des Landkreises: „Das ist meist wieder direkt möglich.“ Ob die Kommunen diese Einschätzung teilen, ist fraglich.

Die Quote von 239 Menschen wird wie folgt aufgeteilt. Demnach muss Jever 33 Personen aufnehmen, Sande 19, Schortens 55, Bockhorn 33, Varel 47 und Zetel 27. Diese Verteilung ergibt sich nicht aus der jeweiligen Einwohnerzahl. Ausschlaggebend ist laut Landkreis vielmehr, inwieweit die Kommunen bisherige Quoten erfüllt beziehungsweise unter- oder übererfüllt haben.

Wangerooge beispielsweise muss keine neuen Geflüchteten aufnehmen, weil die Insel bereits sieben Menschen aufgenommen und damit die Zuweisung mehr als erfüllt habe, teilte der Landkreis mit.


Auch die Gemeinde Wangerland ist derzeit „außen vor“. Zwar soll die Gemeinde „theoretisch“ 32 Menschen aufnehmen, nur: So lange das „Dorf Wangerland“ in Hohenkirchen jedoch als Landesunterkunft genutzt wird, erfolgen keine neuen Zuweisungen. Sollte die Zahl von 239 Geflüchteten insgesamt erreicht werden, dann würde die Quote von 32 fürs Wangerland auf die anderen Kommunen verteilt werden.

Dass die in jüngster Vergangenheit wachsende Zahl an Migranten die Kommunen vor Probleme stellt, ist keine Neuheit. Auch der Landkreis bekommt Probleme: Die Erstaufnahme von Flüchtlingen verursacht in diesem Jahr Mehrkosten von 8,680 Millionen Euro. Grund: Bund und Land übernehmen nur einen Bruchteil der Kosten – und lassen die Kommunen mit dem Problem allein.

Jörg Grabhorn
Jörg Grabhorn Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt