Friesland -
Was ist überhaupt ein Hitzetag?
Der Deutsche Wetterdienst definiert „Heiße Tage“ als Tage, an denen die Temperatur auf 30 Grad Celsius oder höher steigt. Da die Klimakrise die Temperaturen ansteigen lässt, mehren sich in den vergangenen Jahren auch die Hitzetage in Deutschland. Während in den 1950er-Jahren durchschnittlich drei „Heiße Tage” pro Jahr gezählt wurden, waren es zwischen 1991 und 2019 bereits neun Tage.
Wie wirkt sich Hitze auf die Gesundheit aus?
Für die Bundesärztekammer sind künftige Hitzewellen bereits „die größte Herausforderung“ für die Gesundheit besonders gefährdeter Menschen. Studien zeigen, dass steigende Temperaturen zu mehr gesundheitlichen Problemen und mehr Todesfällen führen. Allein während der Hitzewelle im Jahr 2003 starben in Deutschland schätzungsweise rund 7600 Menschen, in Europa insgesamt bis zu 70 000 Menschen. Hitzetote tauchen allerdings nicht in der Statistik auf. Offiziell sterben sie an Herz-Kreislauf-Problemen oder Herzversagen.
Wer ist besonders durch die Hitze gefährdet?
Laut der Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann sind Kranke oder ältere Menschen besonders gefährdet. Aber auch Kinder wegen einer bei ihnen noch reduzierten Fähigkeit zur Temperatur-Regulierung. Ein besonders hohes Hitzerisiko trügen zudem Lungenerkrankte und Menschen, die gerade eine Covid-Infektion hinter sich hätten, berichtet die Medizinerin. Immer wieder landeten aber auch ursprünglich gesunde Menschen mit Hitzschlag in der Notfallaufnahme. Somit stelle die Hitze potenziell für jeden Menschen eine große Gefahr da.
Wie gut ist Deutschland vorbereitet?
Laut Wissenschaftlern ist kaum eine Kommune auf die große Hitze der kommenden Jahrzehnte vorbereitet. Weder gibt es ausreichende Anpassungen im Gesundheitssystem oder der Infrastruktur, noch werden besonders betroffene Gruppen wie Kinder und alte Menschen ausreichend vor Hitze geschützt. „Die Bundesrepublik ist für den Katastrophenfall durch mögliche große Hitzewellen daher nicht gerüstet”, warnen Forschende.
Auch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies sieht eine ernste Gefahr. „Die Zeit der gemäßigten Sommer ist vorerst vorbei. Wir müssen mehr tun für den Klimaschutz, und wir müssen jetzt anfangen, uns besser auf die immer deutlicher zu Tage tretenden Folgen des Klimawandels vorzubereiten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Er betont: „Wir appellieren an die niedersächsischen Kommunen, Hitzeaktionspläne aufzulegen und umzusetzen.“ Ziel ist es, hitzebedingte und UV-bedingte Erkrankungen und Todesfälle durch Prävention zu vermeiden.
Wie hat sich das Klima im Landkreis verändert?
Im Landkreis Friesland wurde zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich nur ein Hitzetag pro Jahr gezählt. Zwischen 1991 und 2020 waren es dagegen vier. Das ist ein Anstieg von 300 Prozent, die durchschnittliche Anzahl der Hitzetage pro Jahr hat sich somit verdreifacht. Friesland liegt damit zwar unter dem Bundesdurchschnitt von zehn Hitzetagen pro Jahr. Trotzdem ist die Tendenz eindeutig, dass auch hier im Landkreis Hitzetage immer häufiger werden.
Hat der Landkreis einen Hitzeaktionsplan?
Laut Tanja Freeseemann von der Pressestelle des Landkreises gibt es derzeit noch keinen Hitzeaktionsplan. Auf Nachfrage teilt sie schriftlich mit: „Hitzeereignisse werden in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen, dessen ist sich der Landkreis Friesland bewusst. Einen Hitzeaktionsplan für den Landkreis Friesland gibt es derzeit allerdings noch nicht.“ Das Thema Klimaresilienz werde aber in den Katastrophenschutzplan des Landkreises aufgenommen. Zudem sieht Freesemann die im Gesundheitsbereich tätigen Menschen (zum Beispiel im Gesundheitsamt, den Friesland-Kliniken oder im Rettungsdienst) gut vorbereitet. „Sie helfen schon heute kompetent, wenn Menschen Hilfe brauchen.“
Wie sieht es in den Notaufnahmen aus?
Laut dem Leiter der Notaufnahme im Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, Henning Fründt, gab es im vergangenen Jahr kein größeres Aufkommen von hitzebedingten Fällen in der Notaufnahme.
