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Fahrradkonzept Wie Radfahren in Friesland attraktiver werden soll

Annette Kellin
Auch die Einrichtung von Fahrradstraßen ist im Radverkehrskonzept vorgesehen. Dazu sollte es große Einweihungsfeiern geben, die zugleich Informationscharakter haben, schlugen die Planer vor.

Auch die Einrichtung von Fahrradstraßen ist im Radverkehrskonzept vorgesehen. Dazu sollte es große Einweihungsfeiern geben, die zugleich Informationscharakter haben, schlugen die Planer vor.

Annette Kellin

Friesland/Schortens - Die Verkehrsströme im Landkreis Friesland sollen sich verändern. Radfahren soll attraktiver, bequemer, schneller werden, sodass sich „von allein“ eine Mobilitätswende (weg vom Auto hin zum Fahrrad) ergeben könnte – so zumindest die Hoffnung der Landkreisverwaltung. Das ist der Hintergrund für ein Fahrradverkehrskonzept, das der Landkreis in Auftrag gegeben hatte.

Planung umfasst 500 Einzelmaßnahmen

Seit 2022 arbeitet die Planungsfirma SVK aus Aachen an den Plänen, am Mittwochabend stellten Robin Frömmer und Philipp Herzog das Konzept der Öffentlichkeit vor. Gut 30 Interessierte hörten sich im Bürgerhaus Schortens die bisherige Planung an, die gut 500 Maßnahmen umfasst.

Ziel ist es, den Alltagsradverkehr attraktiver zu machen, ausdrücklich wurde mehrfach betont, dass es nicht um touristische Angebote gehe. In dieser Hinsicht sei Friesland bereits recht gut ausgestattet, verschiedene Systeme, wie zum Beispiel das Knotenpunktsystem oder thematische Routen überziehen den Landkreis.

Im neuen Konzept heißt die Fragestellung vielmehr: Wer fährt täglich von wo nach wo und wie müsste ein Weg gestaltet sein, damit jemand gern und freiwillig vom Auto aufs Rad umsteigt?

Gefragte Strecken werden 3,50 Meter breit

Viel gefragte Strecken sollen zukünftig zu Radvorrangrouten ausgebaut werden. Hier ist eine Mindestbreite von 3,50 Metern vorgegeben, sodass Begegnungsverkehr mühelos möglich ist. Wie das überall praktisch aussehen soll, das fragten sich etliche Besucher im Saal. Denn nicht überall kann man ganz einfach die Straßen schmaler anlegen oder im Seitenbereich zusätzliche Flächen erwerben. Doch diese Fragen stehen aktuell noch gar nicht an. Erst mal gehe es darum, was wünschenswert wäre, machte Landrat Sven Ambrosy klar. Die Zeit für Kompromisse komme später.


Auch die Frage nach den Kosten für rund 500 Maßnahmen wurde laut: 80 bis 90 Millionen Euro, erklärten die Planer, dabei sind detaillierte Planungskosten und Kosten für den Erwerb zusätzlicher Flächen noch gar nicht inbegriffen.

Wunsch: Radwege besser pflegen

Gleichwohl sollte das zweitrangig sein, denn die Mobilitätswende wird von der Bundesregierung priorisiert und auch gut bezuschusst (insgesamt bis zu 90 Prozent).

Wichtiges Ziel sei ein besseres Miteinander im Straßenverkehr, jetzt die Autos zu Gunsten des Rads zu verdrängen – also den Spieß einfach nur herumzudrehen – mache wenig Sinn, unterstrichen mehrere Besucher.

Im Publikum wurde ebenfalls deutlich, dass sich viele eine bessere Pflege der bisher schon vorhandenen Wege wünschen. „Es ist nicht getan mit breiteren Wegen, wenn sie hinterher zuwachsen“, hieß es zum Beispiel von einem Anwesenden. Darüber hinaus wünschen sich viele Besucher ein besseres Auge für die „Stolperfallen“ für Radfahrer, zum Beispiel mitten auf dem Radweg installierte Ampeln.

Der Landkreis Friesland sei zwar Vorreiter mit seinem Radverkehrskonzept, werde aber kein Inseldasein führen. Die benachbarten Landkreise Wittmund und Ammerland sowie die Stadt Wilhelmshaven arbeiteten ebenfalls an solchen Konzepten, erklärte Ambrosy.

Kreistag muss zustimmen

Das Konzept braucht nun erst einmal die Zustimmung der Politiker aus dem Kreistag. Erst danach kann es mit dem „Masterplan Radwege“ verschmelzen und die ersten Arbeiten in Angriff genommen werden werden.

Als „Sofortprojekte“ gelten die Schulwegsicherung, die Beseitigung von Unfallschwerpunkten sowie eine Markierung und Beschilderung im bereits vorhandenen Radwegenetz. Insgesamt rechnet der Landkreis mit einer Umsetzung im Laufe der nächsten 10 bis 15 Jahre.

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