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Corona Testzentren könnten in vierter Welle knapp werden

Friesland - Von den 27 Corona-Testzentren im Landkreis Friesland dürften nach Überzeugung der CDU-Kreistagsfraktion viele diesen Sommer nicht überleben – was im Fall einer durch die Delta-Mutation des Coronavirus verursachten vierten Infektionswelle im Herbst mehr als heikel wäre.

Regeln geändert

Der Hintergrund: Nach Betrügereien in Testzentren hat der Bund mit einer neuen Coronavirus-Testverordnung zum 1. Juli neue Saiten aufgezogen und die Erstattungsbeträge gesenkt. Statt 15 Euro können für den Test nur noch acht abgerechnet werden und für das Material nur noch 3,50 Euro statt sechs. Für die Testzentren, deren Betreiber mit allen Kosten, Testvorrat, Personal und Miete, in Vorleistung gehen, wird es eng. „Das ist als wenn man mitten in einem Fußballspiel die Regeln ändert“, beschrieb es gestern Axel Homfeldt, Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag. Außerdem beklagt die CDU ein „Störfeuer“ der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) bei den Abrechnungen.

Wer jetzt schließen müsse, werde nicht bei Bedarf ein paar Wochen später wieder den Betrieb aufnehmen können. Davon sind nicht nur Axel Homfeldt und Dirk Zillmer von der CDU-Fraktion überzeugt, die Sorge treibt auch den Landkreis um, wie der zuständige Dezernent Bernd Niebuhr gestern in einem Pressegespräch beim Testzentrum der Firma Sabine Schröter e.K. Medizinprodukte neben dem Famila-Markt in Jever bestätigte.

Achim Schröter, als technischer Leiter verantwortlich für Testzentren in Jever, Schortens, Varel, Oldenburg und Aurich, berichtete, es gebe „immer neue Spielregeln, die in kürzester Zeit zu beachten sind“. Gegenwärtig gehe die Testnachfrage zurück. „Wir brauchen Planbarkeit und zuverlässige Abrechnungspartner bei der Kostenerstattung.“

Kosten laufen weiter

Die KVN sei anfangs mit dieser Zusatzaufgabe schnell an ihre Grenzen gekommen, inzwischen laufe es besser, aber es dauere mitunter drei bis vier Wochen. „Die Mitarbeiter und die Krankenversicherung wollen aber ihr Geld.“ Das Testzentrum in Varel werde deshalb nur noch mit einer Person betrieben. Im August müsse man bewerten, „ob die neue Kostenerstattung funktioniert“, sagte Schröter. Wenn eine Station nicht mehr betrieben werde, könne man nicht einfach bei Null wieder anfangen.


Einen Rückbau der Testkapazitäten vor dem Herbst oder Winter zuzulassen, sei „fahrlässig“, stellte Homfeldt fest. „Jetzt ist der Zeitpunkt, eine finanzielle Lösung für die Testzentren zu finden, ob das Geld nun vom Bund, dem Land oder dem Landkreis kommt“, fügte Zillmer hinzu. Homfeldt kündigte an, die CDU werde im Kreistag den Antrag stellen, „dass die Verwaltung einen Vorschlag macht“. Gesundheitsdezernent Niebuhr erklärte, die Kreisverwaltung befasse sich bereits mit dem Thema.

Dr. Stefanie Beier, die mit ihrem Mann Stephan das Testzentrum „Jever testet schnell“ im jeverschen Klönhoff betreibt, kann ein Lied von verzögerten Abrechnungen singen. „Wir haben gedacht, wir tun etwas Gutes, aber dann kriegt man so viele Knüppel zwischen die Beine geworfen, dass man fast keine Lust mehr dazu hat“, sagte die Ärztin auf Nachfrage. Sie habe Außenstände von 82 000 Euro und vor der neuen Testverordnung 500 professionelle Schnelltest für 5,95 Euro eingekauft, die sie nun mit 3.50 Euro erstattet bekomme. „Es wird gern übersehen, dass wir mit allem in Vorleistung gehen“, beklagte sie.

Neue Akkreditierung

Auch Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Oldenburg und Wilhelmshaven, glaubt, dass viele Testzentren aufgeben. Grund sei nicht nur die geringere Erstattung. „Die Betreiber müssen sich in einem neuen Verfahren komplett neu akkreditieren lassen und dürfen Tests ab dem 1. August nur noch über die Corona-Warn-APP des Robert-Koch-Instituts abrechnen.“ Das bedeute erheblich größeren Aufwand für deutlich weniger Geld. Zu den verzögerten Erstattungen erklärte er, da müsse man jeden Fall einzeln betrachten. Den Betreibern seien oft die Fristen nicht bewusst, die für Abrechnung und Erstattung gelten würden. Es dauere vier Wochen, bis das Bundesamt für soziale Sicherung zahle. Scherbeitz hält es ebenfalls für möglich, dass bei einer vierten Infektionswelle zu niedrige Testkapazitäten zur Verfügung stehen könnten. Er glaube aber auch, „dass wir zuletzt zu viel hatten“.

Christoph Hinz
Christoph Hinz Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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