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Frieslands Diskotheken im Lockdown „Unsere Situation ist unerträglich geworden“

Schortens/Sande/Zetel - Kaum einer hätte am Samstagabend vor einem Jahr gedacht, dass diese durchtanzte und durchfeierte Nacht die letzte unbeschwerte Party für sehr lange Zeit sein würde. Am Vortag – ausgerechnet ein Freitag, der 13., – ordnete die Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie den ersten bundesweiten Lockdown an. Nahezu überall gingen die Jalousien runter und die Lichter aus, das öffentliche Leben wurde eingefroren.

Das planen Frieslands Diskotheken

In der Nachtschicht in Schortens haben Petra und Jens Hinrichs die Zwangspause für umfassende Renovierungen in Gastrobereich/Kneipe und in der Disco selbst genutzt. Die wird aktuell umgebaut, um dort auch mal Liveevents eine Bühne bieten zu können. Zurzeit sind alle 28 Mitarbeiter, darunter vier DJs, freigestellt, denn für Nebenjobber gibt es keine Kurzarbeit. Neben dem ruhenden Disco- und Clubbetrieb gibt es auch für das Standbein Außengastronomie aktuell keine Perspektive, mit dem die Hinrichs auf Festen wie dem Altstadtfest stehen. Denn auch das fällt wohl erneut aus.

Im Twister Dance in Sande wurden in den letzten Monaten an vielen Stellen Renovierungsarbeiten erledigt. So wurde auch „unter der Haube“ einiges renoviert. Eigentümer Manfred Krüger investiert regelmäßig in die Diskothek, aber für größere Vorhaben fehlt in der regulären Öffnung die Zeit. Die fehlende Öffnungsperspektive macht es den Twister-Verantwortlichen schwer, Events zu planen und DJs zu buchen. „Wir sind aber guter Dinge, dass wir auch diese Aufgabe lösen werden, sobald die Diskotheken wieder loslegen dürfen“, sagt Simon Zielezinski.

Im Mark 4 in Zetel fokussiert man sich zur Zeit auf die Öffnung des „Scooter“ mit Außenterrasse. Im Sommergarten will man sobald wie möglich jeden Tag und Abend Eis aus eigener Herstellung anbieten. Am Wochenende kommen dann die Hamburger aus der „Snack City“ dazu. „So haben wir erst mal eine Perspektive für das Tages- und Abendgeschäft für die anstehenden Sommermonate“, sagt Jeannette Wilkenjohanns. Dass die Diskotheken dieses Jahr noch öffnen dürfen, glaubt sie allerdings nicht. „Aber wenn es so weit ist, sind wir natürlich wieder voll mit dabei!“

Unter anderem in den Dis­kotheken ist es bis heute noch nicht wieder aufgetaut. Aktionen wie die auf Marktplätzen aufgestellten leeren Stühle oder rot angestrahlte Clubs, Discos, Museen, Theater und Konzerthäuser, mit denen die Kulturszene und Eventveranstalter auf ihre Not aufmerksam machten, sorgten im ersten Corona-Sommer kurzfristig für Aufmerksamkeit, liefen letztlich aber ins Leere.

Keine Öffnungsperspektive

„Die Situation ist unerträglich geworden und ist schon mit ei­nem Berufsverbot vergleichbar“, sagt Jens Hinrichs, der mit seiner Frau Petra die Diskothek „Nachtschicht“ in Schortens betreibt. Im Gespräch mit der NWZ klagen Jens und Petra Hinrichs über eine fehlende Öffnungsperspektive: „Wir werden total hängengelassen.“

Hinrichs, Simon Zielezinski, Marketing-Manager beim „Twister Dance“, sowie Jeannette Wilkenjohanns und Jens Marx vom „Mark 4“ in Zetel machen aber deutlich: „Die Party ist nicht vorbei. Wir kommen wieder.“ Die „Nachtschicht“, das „Twister Dance“ und das „Mark 4“ sowie ihr Kollege Rio in Wittmund arbeiten mit Hochdruck am Disco-Comeback. Eines hoffentlich nicht mehr allzu fernen Tages.

„Wichtig ist in der aktuellen Situation, den Kontakt zu den Gästen zu halten“, sagt Simon Zielezinski. Das macht das Team vom Twister per WhatsApp, via Instagram und Facebook. „Um ein bisschen in dieser ganz besonders für die jungen Leute frustrierenden Situation für Erheiterung zu sorgen, posten wir regelmäßig Bilder aus den vergangenen Jahren.“

Kein Ende des Tunnels

Das Twister Dance hängt genauso wie die Nachtschicht und das Mark 4 im luftleeren Raum: „Zur Öffnungsperspektive können wir wenig sagen. Trotz der Impfungen gibt es keinen Zeitplan, wann es gestattet ist, wieder zu öffnen“, so Zielezinski. „Einzige Option im Moment wäre eine Ü80-Disco “, scherzt Jens Hinrichs, dem schon lange nicht mehr nach Scherzen zumute ist. Es ist nirgends Licht am Ende des Tunnels. Man weiß noch nicht mal, wo der Tunnel endet.


„Es war ein richtig hartes Jahr. Nicht nur für uns und unsere Gastro-Kollegen, sondern für jeden Einzelnen“, sagt Jeanette Wilkenjohanns. Sie hat unzählige schlaflose Nächte hinter sich. Neben den Umsatzverlusten, die die Gastronomen mehr schlecht als recht durch Unterstützung von Bund und Land und die eigene Altersvorsorge abfedern konnten, fehlen Ziele­zinski, Hinrichs und Wilkenjohanns vor allem der unmittelbare Kontakt zu den Gästen: „Den Kontakt halten wir über alle sozialen Netzwerke oder mit dem Außer-Haus-Verkauf unserer Snack City, der jedes Wochenende geöffnet ist“, sagt Wilkenjohanns.

„So lange aber nicht 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind und die Herdenimunität gesichert ist, wird das mit der Öffnung nichts“, glauben die Diskotheken-Betreiber. „Aber Einlass für nur Geimpfte oder mit Schnelltest? Das kommt für uns nicht in Frage“, so Wilkenjohanns. Hinrichs würden Schnelltests anbieten. Aber eigentlich wissen alle: „Zu ei­ner Party gehören keine Masken, kein Abstand und Des­infektionsmittel in Massen.“

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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