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NWZonline.de Region

Seit mehr als 100 Jahren muss Wasser hoch hinaus

16.07.2019

Friesland /Varel Damit aus den Wasserhähnen in Varel sauberes Wasser fließt, ist einiges an Arbeit nötig. Zumindest gilt dies im Wasserturm Varel mit dazugehörigem Wasserwerk, denn dort kümmern sich Mitarbeiter wie Detlef Haupt darum, das wir immer genügend Wasser zur Verfügung haben. Sauberes Wasser ist seine Arbeit.

Vor etwa 106 Jahren, 1913, wurde der Wasserturm gebaut und innerhalb von nur fünf Monaten fertiggestellt. Damals noch mit knapp 21 Kilometer Rohrleitung, versorgte der Klinkerbau 5600 Einwohner und sollte die Lösung sein, um ein großes Problem in den Griff zu kriegen: Es fehlte an sauberem Trinkwasser. Zudem war es nötig, einen großen Wasserspeicher zur Verfügung zu haben, wenn es mal zu einem Großbrand kommen sollte. Somit reifte die Idee für den Wasserturm an der Oldenburger Straße, bis 1906 der Stadtrat den Bau beschloss. 290 000 Reichsmark, das war der damalige veranschlagte Preis für das Bauwerk. Ab Mai 1913 ging es dann schnell: Der Genehmigung folgte die Grundsteinlegung im August und im Dezember 1913 floss bereits das erste Wasser.

Mittlerweile fließt hier zwar immer noch das gleiche Wasser aus der Umgebung und mündet im Stadtnetz, doch vieles hat sich in den knapp 106 Jahren verändert. Heutzutage sind es 64 Kilometer Rohrleitung, und der Wasserturm versorgt etwa 10 545 Einwohner. Auch das ursprüngliche Kupferdach musste weichen, das erklärt Rolf Ammermann, Nachfahre des ersten Wasserwerkmeisters Wilhelm Ammermann. Im Ersten Weltkrieg wurden die Platten entfernt, um aus dem Material Munition herzustellen. Im Zweiten Weltkrieg wiederum nutzen Marinesoldaten das Gebäude als Observationspunkt.

220 Stufen sind es bis zur Spitze des Wasserturms, von der es sich in knapp 50,5 Metern und bei gutem Wetter ganz bis nach Bremerhaven und Wilhelmshaven schauen lässt. Selbstmorde in den 1980er-Jahren jedoch sorgten für einen kleinen Einschnitt: Mittlerweile ist die Aussichtsplattform mit Gitterstäben versehen, nachdem sich hier zwei Menschen vom Turm stürzten.

Während beim ersten Wasserwerkmeister Wilhelm Ammermann noch viel per Hand ging und er jeden Tag die Wasserventile auf- und zudrehen musste, geht das heute großenteils elektronisch. Knapp 2000 bis 2200 Kubikliter fließen hier täglich durch, „und das in hervorragender Qualität“, wie Mitarbeiter Detlef Haupt erklärt. Auf einen Trübungswert von 0,2 anstelle der erlaubten Grenze von 1,0 ist er sehr stolz. „Momentan holen wir das Wasser aus 45 Metern Tiefe, doch wir würden gern noch weiter runter, dort ist die Wasserqualität noch besser“, sagt er. Zunächst werden das Eisen und dann die Kohlensäure sowie das Mangan herausgefiltert. „Das letzte Mal haben wir 40 Tonnen Eisen aus dem Wasser geholt“, sagt der 56-Jährige. Obwohl alles streng kontrolliert wird, kann es dennoch einmal sein, dass Detlef Haupt und sein Kollege einmal wieder Hand anlegen müssen. Erst vor vier Wochen sei es zu einer Störung im System und damit zu einem Ausfall gekommen. Die Nutzer bekämen davon jedoch nichts mit, da sie entweder über die Pumpen Wasser erhielten oder bei Bedarf auf die Wasserreserven im Turm zurückgegriffen werde. Detlef Haupt jedoch muss alle Leitungen, Zuläufe und Kontrolleinheiten überprüfen, bis die Störung gefunden ist.

Meistens erledige sich das Problem recht schnell, somit könnten sowohl Kunden wie die Papier- und Kartonfabrik, die das Wasser zur Weißpapierherstellung nutze, als auch Privathaushalte stets zuverlässig mit Wasser versorgt werden. Einen Dürresommer wie im vergangenen Jahr merken aber auch die Mitarbeiter im Wasserwerk. Doch trotz aller Kritik über die Verschwendungswut der Menschen bestätigt Haupt: „Die Menschen sind sparsamer im Umgang mit Wasser geworden.“

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