Friesland - 26 Buchstaben immer in die richtige und sinnhafte Reihenfolge zu bringen, ist manchmal gar nicht so leicht. Der Redaktionsalltag ist oft von einer sich überschlagenden Nachrichtenlage und somit von Hektik geprägt. Das Motto „Nur wer arbeitet, macht auch Fehler“ können wir so unterschreiben.
Doch wir sind natürlich bemüht, alle Fehler und Merkwürdigkeiten noch rechtzeitig vor Druck rauszufischen. Meist gelingt es, manchmal leider nicht, worüber sich niemand mehr ärgert, als der Fehlerverursacher selbst.
Einen kleinen Einblick in unsere Arbeit haben wir unseren Lesern Anfang des Jahres in der Themenwoche „So arbeitet die Redaktion“ geben können – natürlich auch hier mit kleinen Outtakes zum Video. Nun viel Spaß beim Lesen unseres Pleiten-Pech-und-Pannen-Jahresrückblicks 2020 und (fast) erschienenen Wortschöpfungen.
Kalt war’s im Februar, als die fürsorgliche Kollegin vom „ Umhang mit Pferden und Ponys “ berichtete, aber natürlich den Umgang mit den Tieren meinte.
Zum Fürchten war hingegen die Überschrift des Kollegen, der in unserer Themenwoche „Landwirtschaft“ titeln wollte: „40 Generationen Furchtbarkeit“ . Rechtzeitig entdeckt, wurde schnell Fruchtbarkeit daraus gemacht.
Prominente Unterstützung aus dem Jenseits?
Mit ganzem Herzen berichtet das Wochenblatt aus allen Ortsteilen der Stadt Jever. Ein Herzilein war voll bei der Sache und schrieb „Im Herzen von Herzen“ . Gemeint war übrigens „Im Herzen von Cleverns“.
So richtig schlimm wird’s aber, wenn Anglizismen ins Spiel kommen. Wenn das Wort „Energiespar-Kids“ jedoch zu „Kinderspar-Kids“ wird, dann guckt der redigierende Redakteur echt sparsam.
Genauso wie beim Bericht über den Besuch des NDR in der Wochenblatt-Redaktion im Februar. Die Kollegin schreibt vom Redaktionsteam und Helmut Schmidt. Prominente Unterstützung aus dem Jenseits? Nein, gemeint war natürlich Chefredakteur Helmut Burlager (Anm. d. Redaktion: Uns genauso lieb und teuer).
Besagter Chefredakteur ist leidenschaftlicher Radfahrer und ebenso historisch interessiert. Er musste im März über die Statistik der Fahrradunfälle berichten: „Im Vergleich zum Jahr 1918“ schrieb er, gemeint war das Jahr 2018.
Mit Zahlen tun sich Redakteure halt manchmal schwer. So wie bei der Ehrung von Bolko Schröder für seine 0-jährige Mitgliedschaft in der AWO. Dabei hatte der Jeveraner ein halbes Jahrhundert voll gemacht. Wo die 5 geblieben ist? Keine Ahnung!
Manchmal fehlt‘s halt einfach. So wie beim „Gemeinaus“ . Beim – bitte was? Der Kollege hat dann noch ein d, e und h gekauft, um schnell vor Andruck ein „Gemeindehaus“ daraus zu machen.
Plasten-
Fasten
statt Plastik-Fasten
Und dann gab‘s im Sommer das neue Tier, das die Kollegin in Jever entdeckt hatte: das Schöfelwiesel . Keine Ahnung, wie das aussieht? Müssen Sie auch nicht, gibt’s nämlich gar nicht. Gemeint war das Neubaugebiet Schöfelwiesen in Jever. Genauso wenig gibt’s den Brennesel . Den was? Ja, der wurde im Juli zum Leben erweckt, in einem Bericht schrieb der Kollege: „Schmetterlinge brauchen Brennesel als Eiablage für die nächste Generation.“ Gegen solche Fehler, die das menschliche Auge nicht sieht und das Gehirn als richtiges Wort erkennt, ist kein Kraut gewachsen. Gemeint war natürlich die Brennnessel.
Ja, so ist das mit Bezeichnungen und Eigennamen. Die Folk-Gruppe DreyBartLang kann ein Lied davon singen, denn die wurde im Juni zu BreyBartLang – wahrscheinlich in der Eile des Gefechts...
Da passieren nämlich die meisten Verschreiber:
Rechtzeitig rausgefischt wurde auch die Geldstraße , zu der ein Mann in einem Gerichtsbericht im Oktober verurteilt wurde. Und beim Korrekturlesen dämmerte es dem Kollegen, dass mit dieser Aussage irgendwas nicht stimmen kann: „ 24 Zentimeter Dämmerung“ statt Dämmung.
Ärger mit Jevers Stadtverwaltung blieb der Redaktion erspart, da sie noch den „Ausschuss für Ausschuss“ im Bericht des Kollegen korrekterweise in „Ausschuss für Kultur“ korrigieren konnte – wär‘s erschienen, hätt es am nächsten Tag ein schönes „Und außerdem“ gegeben. Ähnlich verärgert hätte die Bockhorner Gemeindeverwaltung reagieren können, wenn diese Überschrift erschienen wäre: „Durstlöscher im Bockhorner Rasthaus“.
„Liebe Kollegen, der Papst entfällt ersatzlos“
Und natürlich mussten Nachrichten in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Entwicklung immer wieder bis spät abends aktualisiert werden. Unter Zeitdruck werden aus Corona-Beihilfen schnell angsteinflößende Corona-Beilhilfen . Infos zwischen der Politik- und der Lokalredaktion werden dann im Stakkato-Stil ausgetauscht: „Liebe Kollegen, der Papst entfällt ersatzlos“ , lautete eine Mail zur Themenübersicht am 13. April. Halleluja – da kann man sich nur wundern.
Ebenso wie über folgenden Satz in einem Artikel über das Veterinäramt: „Immer wieder wundern sich die Kontrolleure darüber, wie leichtfertig die Kühlkette bei leicht verderblichen Waren in Kauf genommen wird.“ Dieser Satz wurde vor Andruck noch sinnhaft geändert, was allerdings nicht bei jedem Satz so ohne Weiteres möglich ist. So wie bei diesem, der in einem zugesandten Bericht entdeckt wurde:
„Der III. Oldenburgische Deichband hat als Träger der Maßnahmen am 7.5.2018 gemäß §. 5 ABS. 1 UVPG i.d.F. vom 24.02.2010 (BGBI. I S.94), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 8.9.2017 (BGBI IS. 3370), die allgemeine Vorprüfung zur Feststellung der UVP-Pflicht beantragt.“
Ja, es gibt halt Bandwurm-Sätze, die ersatzlos gestrichen werden müssen. Auch diesen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten: „Ziele der Planungen seien es, die Sicherheit der Küstenschutzanlagen für die nächsten 100 Jahre zu gewährleisten und dabei die Auswirkungen der Baumaßnahmen auf Dritte, so weit wie möglich, zu minimieren, erklärte Schoneboom, der gleich zu Beginn der Präsentation von zwei möglichen Varianten darauf verwies, dass für jede Lösung die gleichen Anforderungen an die Sicherheit gelten, und nur die erforderlichen und anwendbaren Kosten förderfähig seien.“
Gar nicht gut ist es, wenn Redakteure beim Verfassen ihrer Artikel hungrig sind und vielleicht vor dem geistigen Auge ein süßes Dessert-Büfett sehen. Dann wird nämlich aus der Nachttisch-Lampe eine Nachtisch-Lampe.
Ein fehlendes Wort kann ganze Nachrichten ins Wanken bringen
Immer wieder sind es auch Polizeimeldungen, die Kurioses liefern. So wurde die
Unbedingt erwähnt werden muss die Polizeimeldung „Baum drohte zu stürzen“ , während unabhängig davon die Feuerwehr mitteilte „Unentschlossener Baum viel dann doch...“ Ganz schön viel los auf den Straßen und unentschlossen ist die Natur dann auch noch...
Ja, ein falscher Buchstabe (in schöner Regelmäßigkeit tauchen die Ortsnamen Neustadtgedöns, Snade und Schrotens auf) oder ein fehlendes Wort können ganze Nachrichten ins Wanken bringen. So wie die, die kurzzeitig online über unseren Corona-Ticker lief: „Corona-Infizierte im Landkreis Aurich steigt auf 17 Menschen.“ Wer ist diese Frau? Und warum tut sie das? Das fragte scherzhaft der Kollege, der diesen Satz entdeckt und dann schnell für dessen Reparatur gesorgt hatte, denn gemeint war natürlich die Zahl der Corona-Infizierten.
Es sind aber nicht immer die eigenen geistigen Aussetzer, manchmal haut auch die Autokorrektur ordentlich dazwischen. So wie bei einem Bildhinweis, der eigentlich von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meiners stammen sollte. Statt des Namens stand da jedoch: „Bild: Britische Meinera“. Nun, hätte sie bei mir nicht schon längst einen netten Spitznamen – jetzt hätte sie ihn.
Auf dem Abstellgleis muss sich hingegen Dr. Julia Kaffarnik, stellvertretende Leiterin des Sielhafenmuseums Carolinensiel, gefühlt haben, als es in einem Artikel hieß „...die 43-Jährige, die seit 2015 im Sielhafenmuseum abgestellt ist...“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Jede Formulierung birgt ihr eigenes Risiko
Ebenso wie bei folgender Bildunterschrift: „Storch kommt früher und häufiger.“ Die ist Gott sei Dank ebenso wenig erschienen wie die Nachricht zum CDU-Vorsitz „Röttgen wirft seinen Hut ins Rennen“ . Ring frei für die nächste Runde.
Und die widmet sich noch einmal der Berichterstattung rund um Corona. In einem Einsatzbericht heißt es: „Im Feuerwehrhaus und an der Einsatzstelle ist, wann immer es möglich ist, auf den gebotenen Anstand zu achten. “ Na, das hoffen wir doch inständig!
Gefährlich klang diese Nachricht: „Fünf Wochen hatte die Bücherei geschossen“ . Unbestätigten Gerüchten zufolge soll ihr dann die Munition ausgegangen sein.
Ja, jede Formulierung birgt ihr eigenes Risiko, so wie dieser Satz: „Aufgrund der Lockerungen sind viele Senioren und
Risikomenschen? Nun, zu dieser Spezies gehört auch der Redakteur. Die tägliche Zeitungsproduktion ist ein riskantes Unterfangen, und in diesem Sinne danken wir allen Lesern, die uns kleinere und gröbere Schnitzer verzeihen, mit uns schmunzeln können, uns die Treue halten – in guten und in schlechten Zeiten –, die mit uns diskutieren, uns herausfordern, unsere Arbeit wertschätzen, Wünsche, Ideen, Kritik und Anregungen liefern und einfach Spaß am Zeitungslesen haben. Hoffentlich auch 2021...
